Vor dem wichtigen „Vier-Punkte“-Heimspiel unserer Basketball Löwen Braunschweig im Kellerduell gegen die MLP Academics Heidelberg musste die Mannschaft von Kostas Papazoglou einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Barra Njie verletzte sich Ende der Woche im Training und fällt länger aus. Trotzdem hatten die dezimierten Löwen, bei denen neben Josh Hawley auch die angeschlagenen Joshua Obiesie und Philipp Hartwich fehlten, eine Siegchance. Das Team von Kostas Papazoglou verlor zwar 17-mal den Ball, traf aber viel besser als zuletzt und gewann auch das Rebound-Duell gegen die Gäste. Allerdings konnten die Löwen die Heidelberger defensiv zu selten stoppen, was ihre eigene Steigerung in der Offensive verpuffen ließ. Die bis in die Schlussphase enge und umkämpfte Partie vor 4.420 Zuschauenden, in der Grant Sherfield starke 32 Punkte erzielte, endete mit 94:99 (46:53). Dadurch, dass die Löwen auch das Hinspiel gegen die Heidelberger verloren haben, geht der direkte Vergleich an den 17. der easyCredit BBL.
Das Fehlen von Barra Njie, der in dieser Saison in 16 von 17 Spielen als Point Guard gestartet war, machte sich anfangs deutlich bemerkbar. Den Löwen fehlte offensiv die Struktur, die Aktionen war nicht klar – die ersten drei Angriffe war man gar nicht erst ins Play gekommen. Daraus resultierten auch mehrere Ballverluste, welche die Heidelberger nutzten und sich auf acht Punkte absetzten (7:15). Nach einer Auszeit von Headcoach Kostas Papazoglou lief es dann besser. Topscorer Grant Sherfield, der 36 Minuten auf dem Parkett stand, lockerte mit zwei Dreiern in Folge den Knoten und gab seinem Team damit einen leichten Push. Die Löwen waren fortan besser im Spiel und trafen ihre Würfe bei guten Quoten. Allerdings hatten die Gäste durch die Vielzahl an Ballverlusten wesentlich mehr Würfe und lagen auch deshalb weiter vorne (20:25, 10. Min.).
Das sollte zunächst so bleiben, was maßgeblich an Heidelbergs DJ Horne lag. „Ohne Barra hatten wir Probleme, Horne zu kontrollieren“ sagte Papazoglou und der Gäste-Topscorer traf auch eiskalt. Aber das Papazoglou-Team biss sich rein, fand offensiv mehr Antworten und erzielte in der 14. Minute durch einen Dreier von Ferdi Zylka den Ausgleich (32:32). Die dezimierten Löwen waren auf Augenhöhe mit den selbstbewusst auftretenden Gästen, ehe mehrere Fehler in der Offensive zu einem 9:0-Lauf der MLP Academics führten. In dieser Phase wurden sie auch von einem langen Einwurf überrumpelt, den Marcel Keßen zum 37:46 verwandelte. Der Big Man stellte die Löwen-Verteidigung vor weitere Schwierigkeiten und kam zur Halbzeit ebenso wie Horne auf 17 Punkte. Doch hatten die Heidelberger am anderen Ende nicht weniger Schwierigkeiten mit David N’Guessan, der einmal mehr stark für die Löwen aufspielte und offensiv zusammen mit Sherfield voranging.

N’Guessan war es auch, der das 46:53 zur Halbzeitpause erzielt hatte. Und aus der kamen die Löwen ganz anders heraus, als in den vergangenen Spielen oftmals erlebt. Das Papazoglou-Team war fokussiert und griffig. Das galt insbesondere für Kapitän Chip Flanigan, der mit fünf Punkten in Serie ein wichtiges Zeichen setzte (51:53). Die Löwen waren da, hatten die richtige Körpersprache. Und als DJ Horne nach einem Shooting-Foul auch noch ein technisches Foul gegen sich gepfiffen bekam, da war sie da – die erste Löwen-Führung des Spiels (54:53, 22. Min.). Die Stimmung auf den Rängen war gut, während es auf dem Parkett durchaus hitziger wurde. Aber den Löwen schadete das nicht. Die gerieten zwar nochmal mit vier Zählern ins Hintertreffen (60:64), zeigten aber die richtige Reaktion: Hinten Blocks, vorne konsequente Abschlüsse – sie hatten nicht lange gebraucht, um das Spiel wieder zu drehen und Gäste-Coach Danny Jansson sagte anerkennend: „Vor allem im dritten Viertel war Braunschweig in der Offensive sehr präzise.“ Aber die Löwen ließen in diesem Abschnitt auch nur 17 Zähler zu und lagen deshalb nach 30 Minuten mit 73:70 vorne.
Das Papazoglou-Team konnte sich aber nicht weiter absetzen. Stattdessen blieb das Spiel umkämpft und die Führungen schwappten mehrfach hin und her. Auf Löwenseite übernahm jetzt Grant Sherfield viel offensive Verantwortung. Der Guard erzielte im letzten Viertel 13 Punkte und warf sein Team mehrfach knapp nach vorne. Aber die Gäste hatten dem immer wieder etwas entgegenzusetzen und lagen nach drei erfolglosen Löwen-Angriffen in Folge plötzlich mit sechs Zählern vorne (82:88). N’Guessan und Co. ließen die Köpfe nicht hängen und kamen in der letzten Spielminute nach dem 88:95 durch zwei schnelle Dreier auf 94:95 heran. Doch nach einer Heidelberger Auszeit spielten diese den Ball lang nach vorne, wo Michael Weathers den Ball fing und beim Zug zum Korb ein Foul zog. Er traf seine Freiwürfe bei noch 19 verbleibenden Sekunden, während der darauffolgende Dreierversuch der Löwen sein Ziel verfehlte. Heidelbergs Center Osun Osunniyi setzte mit zwei weiteren Freiwürfen den Schlusspunkt der knappen und schmerzhaften Niederlage.
Die Trainerstimmen zum Spiel:
Kostas Papazoglou (Basketball Löwen Braunschweig): „Ich habe ein Team gesehen, das bis zum Schluss gekämpft hat. Die Jungs haben schon unter der Woche gezeigt, dass wir wirklich eng als Team zusammen waren. Wir hatten gute Trainingseinheiten, doch dann passierte die Verletzung von Barra. Ich und wir alle hätten gerne gewonnen und ihm den Sieg gewidmet. Er ist unser mentaler Anführer und bester Verteidiger, vielleicht sogar der beste in der gesamten BBL. Ohne ihn hatten wir Probleme, Horne zu kontrollieren – allerdings haben uns auch Keßen und später Mikesell wehgetan. Dass wir das Spiel mit 17 Ballverlusten und nur 11 Assists beendet haben, zeigt, dass ein Point Guard gefehlt hat – auch wenn Grant sicherlich sein wirklich Bestes gegeben hat. Am Ende hatten wir immer noch die Chance, wir hatten den Wurf. Wir haben alles versucht, um unsere Werfer in Position zu bringen – aber es hat leider nicht gereicht.“
Danny Jansson (MLP Academics Heidelberg): „Da Braunschweig ohne Barra Njie, Joshua Obiesie und Philipp Hartwich antrat, waren wir heute quasi der Favorit. Braunschweig hat aber gut gespielt. Sie waren tough und haben uns in eine Situation gebracht, in der wir hart spielen und unsere Plays machen mussten, aber auch ein bisschen Glück brauchten, um die Kontrolle zu erlangen. Vor allem im dritten Viertel war Braunschweig in der Offensive sehr präzise. Aber als sie die Kontrolle hatten, haben wir reagiert. Wir haben Stopps erzielt und hatten einige gute Offensivaktionen. Es war ein wirklich guter Sieg, denn so wie Braunschweig gespielt hat, wären viele andere Teams hier heute als Verlierer vom Parkett gegangen. Dementsprechend ist es für uns wirklich wertvoll, dass wir es geschafft haben, das Spiel für uns zu entscheiden..“
Basketball Löwen: Worthy 7, N’Guessan 20 (11 Rebounds), Schröder, Scuka 12 (5 Rebounds), Zylka 3, Tomic, Ewelt n.e., Holloway, Sherfield 32 (5 Assists), Flanigan 8, Edigin n.e., Shittu 12 (9 Rebounds).
MLP Academics Heidelberg: Horne 28, Würzner, McClain 4, Neskovic 6, Zipser n.e., Ersek 3, Osunniyi 5, Keßen 21, Weathers 12 (4 Assists), Seric, Mikesell 16 (6 Rebounds, 9 Assists), Reed II 4.