„Ich möchte mich bei den Fans für diesen Auftritt entschuldigen, unsere erste Halbzeit war peinlich“, hatte Kaza Kajami-Keane nach dem Spiel bei den ROSTOCK SEAWOLVES im Dyn-Interview gesagt. Die Aussage des Topscorers (20 Punkte) spiegelt den insgesamt enttäuschenden Auftritt der Basketball Löwen wider. Das galt insbesondere für das erste Viertel, in dem die Mannschaft von Headcoach Ramón Díaz offensiv strauchelte und dem Gegner zahlreiche leichte Punkte nach Ballverlusten sowie Offensiv-Rebounds gestattete. So geriet der Tabellenletzte mit 12:35 in Rückstand. Dieser wuchs im weiteren Verlauf zeitweise auf bis zu 35 Punkte an (26:61, 23. Minute), ehe die Löwen in der zweiten Halbzeit besser ins Spiel kamen. An der deutlichen 78:98-Niederlage (24:51) in der StadtHalle Rostock änderte das aber nichts.
„So, wie es aktuell läuft, reicht es nicht“, hatte Co-Trainer Keith Thomas rückblickend auf die letzten Auftritte und Niederlagen der Löwen gesagt und daran appelliert, dass alle als Team mehr geben müssen. In Rostock sollte eine Leistungssteigerung her, zudem wollten die Löwen die physische Intensität erhöhen. Doch von all dem war im ersten Viertel nichts zu sehen. Während die SEAWOLVES nach zuletzt drei Niederlagen in Folge auf klarer Mission „zurück in die Erfolgsspur“ waren und an beiden Enden des Feldes dominierten, waren die Löwen defensiv fast immer einen Schritt zu langsam und offensiv fehleranfällig.

Bereits nach zehn Minuten standen bei ihnen acht Ballverluste zu Buche, zudem betrug die Wurfquote lediglich 31 Prozent. Rostock um den starken Ex-Löwen TJ Crockett nutzte dies konsequent aus, kam zu vielen einfachen Punkten aus Fastbreaks und zweiten Chancen und überzeugte mit einer hohen Trefferquote von 67 Prozent. So ging es schnell: Die Löwen hatten bis zum Viertelende 35 Punkte kassiert. Selbst scorte das Díaz-Team nur 12 Zähler, das früh auf Philipp Hartwich verzichten musste. Der Center war in der 2. Minute umgeknickt und konnte nicht mehr mitwirken. In der zweiten Halbzeit fiel dann auch Ferdi Zylka aus, den wieder Hüftprobleme plagten. Doch bis dahin war der Rückstand der Löwen schon weiter angewachsen.
Zwar konnten die Löwen die SEAWOLVES häufiger stoppen, schlugen daraus aber kein Kapital, weil ihre Trefferquote sank. Einzig Kaza Kajami-Keane erreichte Normalform und hatte bis zur Pause 13 von insgesamt 24 Löwen-Punkten erzielt. Von den Big Men Simi Shittu und David N‘Guessan war so gut wie nichts zu sehen, Letztgenannter hatte nicht mal einen Wurf genommen. „Es war eine katastrophale erste Halbzeit von uns“, sagte Ramón Díaz. So war es nur folgerichtig, dass sein Team mit 27 Punkten Rückstand (24:51) ins dritte Viertel ging.
Der wuchs zunächst auf 35 Punkte an, ehe David N’Guessan und weitere Löwen besser ins Spiel fanden. Sie steigerten ihre Trefferquote und hatten auch bei den Rebounds zugelegt. Hinzukommend agierten die Löwen entschlossener Richtung Korb und zogen zahlreiche Fouls, was ihnen etliche Freiwürfe einbrachte. Die Díaz-Mannschaft erzielte in diesem Abschnitt 33 Punkte und konnte den Rückstand verkürzen. Zu Beginn des Schlussviertels stand es nach einigen guten Aktionen von Benny Schröder und Josh Hawley 63:81. Aber die Entscheidung dieser Partie war bereits früh gefallen, da die Hypothek aus dem schwachen ersten Viertel zu groß war.
Am Samstag können die Löwen vor den eigenen Fans Wiedergutmachung betreiben: Sie empfangen den amtierenden Vizemeister ratiopharm ulm in der Volkswagen Halle. Tip-Off der Partie ist um 18:30 Uhr – Tickets sind über den Löwen-Ticketshop, in der Konzertkasse Schloss-Arkaden sowie über die Ticket-Hotline unter 040 319 747 69 52 erhältlich.
Die Trainerstimmen zum Spiel:
Ramón Díaz (Basketball Löwen Braunschweig): „Ehrlich gesagt fällt es mir gerade schwer, die passenden Worte zu finden. Es war eine katastrophale erste Halbzeit von uns. In den ersten 20 Minuten haben wir keinen Basketball gespielt – vor allem defensiv nicht. Wir haben zu viele offene Dreier zugelassen, obwohl uns klar war, wie wichtig Crockett ist, gerade wenn er von außen ins Rollen kommt. Wir hatten uns eigentlich gut darauf vorbereitet, ihn zu stoppen. Aber wenn die Bereitschaft zur Verteidigung fehlt, wird das unmöglich. In der Pause haben wir uns vorgenommen, die zweiten 20 Minuten richtig zu spielen und diese Hälfte für uns zu entscheiden. Trotzdem bleibt bei mir ein schlechtes Gefühl. Denn es entspricht nicht der Identität, die unser Team haben sollte, und so dürfen wir nicht auftreten. Wenn wir konkurrenzfähig sein und die Saison mit gutem Basketball abschließen wollen, müssen wir unsere Mentalität und Energie deutlich verändern.“
Przemyslaw Frasunkiewicz (ROSTOCK SEAWOLVES): „Fehler und sehr schlechte Spiele passieren. Das haben wir in Frankfurt erlebt. Ich bin sehr glücklich, dass wir in der Kürze der Zeit die Kurve bekommen haben und heute sehr konzentriert und fokussiert gespielt haben. Es war sehr wichtig und sehr schön anzuschauen, dass all unsere Spieler auf diesem Niveau ihre Leistung gezeigt haben. Bei Spielen wie heute, gegen den Tabellenletzten, kann man nichts gewinnen, sondern nur verlieren. Solche Spiele sind schwer, aber nochmal: Ich bin sehr froh und stolz, dass wir heute fokussiert geblieben sind und mit dem richtigen Ansatz in das Spiel gestartet sind.“
Basketball Löwen: Worthy, N’Guessan 15 (8 Rebounds), Hawley 13, Schröder 4 (3 Assists), Zylka, Ewelt, Obiesie 5, Hartwich 2, Crawford 5 (3 Assists), Kajami-Keane 20 (3 Assists), Flanigan 2, Shittu 12 (5 Rebounds).
ROSTOCK SEAWOLVES: Crockett Jr 18 (5 Assists), Lockhart, Baggette 8 (4 Assists), Schwartz 17 (7 Rebounds, 4 Assists), Nicholson 13 (6 Rebounds), Lansdowne 7 (3 Assists), Kolenda 2, Zilinskas, Theis 3, Klassen 12 (8 Rebounds), Leuchten 13 (6 Rebounds), van Vliet 5.