Nach der gestrigen Niederlage beim Tabellenvierten Telekom Baskets Bonn sind unsere Basketball Löwen Braunschweiger direkt weiter nach Thüringen gefahren. Dort treten sie schon morgen (14.04.) gegen den 16. Science City Jena an – und die Ausgangslage vor dieser easyCredit BBL-Partie ist extrem brisant: Nur mit einem Sieg bewahren sich die Löwen die Chance auf den Klassenerhalt, bei einer Niederlage wäre der sportliche Abstieg besiegelt. Tip-off ist um 18:30 Uhr, Johannes Hülstrung kommentiert die Begegnung, die live bei Dyn übertragen wird.
Viel Zeit zur Aufarbeitung der Partie in Bonn bleibt nicht. Die Niederlage war in ihrer Entstehung erneut sinnbildlich für die bisherige Saison: Denn das Spiel war von Braunschweiger Inkonstanz gekennzeichnet. Auf ein starkes erstes Viertel folgte gegen defensiv anziehende Bonner ein fataler Einbruch. „Unsere Entscheidungsfindung und die Qualität unserer Pässe waren schlecht. Wir haben unnötig den Ball verloren und Bonn kam ins Laufen“, erklärt Assistant Coach Ferried Naciri, warum es zu dem Bruch im Löwenspiel kam. Daran war auch die deutliche Rebound-Unterlegenheit in erheblichem Maße beteiligt. Die Bonner schnappten sich im gesamten Spiel 19 Offensiv-Rebounds und kamen schlussendlich auf 20 Würfe mehr.
Da half es auch nicht, dass die Löwen grundsätzlich besser auf dem Feld trafen. Die ließen sich stattdessen aufgrund von zu vieler individueller Fehler überlaufen und hielten im zweiten wie auch zu Beginn des dritten Viertels defensiv zu wenig dagegen. „Wir hatten nicht mehr genug Spannung und haben nachlässig agiert. Wenn es nicht gut läuft, verlieren wir den Fokus und machen Fehler, die einfach nicht passieren dürften“, so Naciri weiter. So haben die Löwen in einer Phase auch zu schnell viele Punkte an Bonn abgegeben und sich ein Loch gegraben, aus dem man nur schwer herauskommt. Das ist im letzten Viertel zumindest teilweise gelungen. „Die Jungs haben am Ende Charakter gezeigt und sind von 24 Punkten Rückstand auf sieben herangekommen“, sagt der Braunschweiger Co-Trainer und hofft, dass die Mannschaft das in Zusammenhalt und einen zusätzlichen Schub für das morgige Spiel in Jena umwandeln kann.

Da könnte der Druck für die Löwen kaum größer sein, wie der Blick auf die Tabelle verdeutlicht. Die Löwen (18. I Bilanz: 12:44) wie auch Jena (16. I Bilanz: 20:36) haben noch je sechs Spiele vor der Brust, allerdings haben die Thüringer aktuell vier Siege mehr auf dem Konto. Das heißt: Sollten die Löwen morgen nicht gewinnen, wäre der sportliche Abstieg nicht mehr zu verhindern. Denn selbst bei noch möglicher Punktgleichheit mit Jena zum Abschluss der Hauptrunde hätten die Löwen den direkten Vergleich gegen die Thüringer verloren und auch in einem Dreiervergleich mit Jena und Heidelberg (17. I Bilanz: 16:42) das Nachsehen. Die Löwen sind also zum Siegen verdammt, um ihre kleine Chance auf den Klassenerhalt zu wahren. „Wir haben diese Situation direkt in der Kabine nach dem Spiel in Bonn verdeutlicht und klargemacht, dass wir eine schnelle Wende brauchen – es gibt keine zweite Chance mehr“, so Ferried Naciri.
Die mentale Vorbereitung auf dieses Endspiel begann also unmittelbar nach Abpfiff, die inhaltliche folgte am heutigen Tag. Ferrid Naciri beschreibt Jena als taktisch diszipliniertes Team, das gezielt gegnerische Schwächen attackiert – so auch im Hinspiel, das die Thüringer mit 83:78 in der Volkswagen Halle für sich entschieden. Beide Teams haben seitdem personelle Veränderungen vorgenommen. Bei den Löwen gehören inzwischen die beiden Guards Kaza Kajami-Keane (14,2 PpS; 5,3 ApS) und Bryant Crawford (11,3 PpS; 5,8 ApS) sowie Center Simi Shittu (15,5 PpS; 8,6 RpS) zum Kader, während Grant Sherfield den Club Ende März verlassen hat. Jena hat Javon Franklin und Spielmacher Jack Pagenkopf verpflichtet und sich u.a. von Naz Bohannon und Eric Washington getrennt.
Gerade Pagenkopf verleiht dem Spiel der Thüringer Struktur und Balance, ohne selbst primär als Scorer in Erscheinung zu treten. „Sie haben grundsätzlich Spieler, die ihre Rolle verstehen“, sagt Ferried Naciri über Jena, das in Joe Wieskamp (14,9 PpS), Keith Braxton (12,3 PpS) und Uchenna Iroegbu (10,4 PpS) seine besten Punktesammler hat. Wieskamp und Iroegbu waren auch im letzten Spiel gegen Würzburg am erfolgreichsten, konnten die deutliche 69:87-Niederlage aber nicht verhindern. Würzburg agierte in dieser Partie sehr physisch und das erwartet der Löwen Co-Trainer auch von seiner Mannschaft: „Wir müssen von Anfang an körperlich präsent sein und verhindern, dass Jena gut miteinander harmoniert.“ Darüber hinaus ist klar: In diesem Endspiel bleibt wenig bis kein Raum für Schwankungen.