Die aktuelle Situation ist für uns alle unbefriedigend – für die Mannschaft, den Club und natürlich auch für unsere Fans. Vier Siege und der 16. Tabellenplatz entsprechen nicht unseren Ansprüchen. Nach der vergangenen Saison war die Erwartungshaltung hoch, und das ist grundsätzlich ein positives Zeichen. Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben und wissen, wer wir sind und wo wir stehen. Das heißt aber nicht, dass wir die aktuelle Situation akzeptieren.
Sportlich haben wir unmittelbar vor dem FIBA-Fenster gute Ansätze gezeigt und unseren Basketball gespielt. Die Zeit danach war dann von Leistung und Ergebnis ernüchternd. Die Niederlagen gegen Top-Teams wie Berlin und München muss man aber realistisch einordnen. Dennoch: Was uns definitiv fehlt ist Konstanz. Das hohe Verletzungsaufkommen in dieser Saison hat sicher zu den unbefriedigenden Leistungen beigetragen, ist aber nicht die einzige Erklärung. Wir sind gefordert, wieder mutiger aufzutreten, klarere Rollen zu definieren und den #jungwildhungrig-Stil zu zeigen, der uns die letzten Saisons ausgemacht hat. Wir glauben an das Potenzial unserer Mannschaft, sehen aber auch klaren Handlungsbedarf, um ihr für die kommenden wichtigen Wochen mehr Stabilität und Qualität zu geben.
Nicht zuletzt der erneute und längere Ausfall von Josh Hawley macht das notwendig, zumal wir verletzungsbedingt auch weiterhin auf Romario Holloway und Eliah Braun verzichten müssen.
Wir arbeiten intensiv an einer Lösung, die aber definitiv für das Team funktionieren muss. Hinzukommend ist der Spielermarkt aktuell anspruchsvoll, und die aufgerufenen Preise sind sehr hoch. Entscheidend ist für uns, einen Spieler für die großen Positionen zu finden, der sportlich passt und uns nachhaltig hilft. Wir brauchen Physis, Rebounding und Athletik.
Im Dezember waren wir bereits in fortgeschrittenen Gesprächen mit unterschriftsreifem Vertrag mit einem Spieler, der unserem Anforderungsprofil entsprach. Leider kam die Verpflichtung nicht zustande, weil es an einer Ablöseklausel scheiterte. In der Folge mussten wir den Markt erneut sondieren. Neben dem dauernden Austausch mit Spielerberatern, screenen wir Spieler, die in den Top-Ligen (noch) nicht so zur Geltung kommen oder aber in schwächeren Ligen überperformen. Ebenso sind das Ausscheiden aus internationalen Wettbewerben oder das Feststecken von Teams im Tabellenkeller oftmals Indikatoren für bevorstehende Veränderung von Kadern und für Verfügbarkeiten von Spielern. Das ist sehr zeitintensiv, gehört zu dieser Phase aber dazu. Das noch nichts passiert ist, ist also kein Zeichen von Untätigkeit. Aktuell befinden wir uns in Gesprächen mit einem potenziellen Kandidaten, der gerade im europäischen Ligabetrieb aktiv ist.
Wir verstehen die Sorgen unserer Fans, das damit verbundene große Interesse an Neuigkeiten und die Ungeduld. Rückblickend hätten wir uns zu dem Thema Nachverpflichtung proaktiver äußern und uns nicht ganz so bedeckt halten sollen. Das hat bei einigen den Eindruck entstehen lassen, wir würden die Situation nicht ernst nehmen oder aussitzen – das ist nicht unsere Absicht und auch nicht der Fall.
Wir haben uns zum einen aus Rücksicht auf laufende Gespräche zurückgehalten, gerade weil wir bei dem Kandidaten im Dezember mit einer komplexen vertraglichen Situation konfrontiert waren. Gleichzeitig liegt unser Fokus auf der bestehenden Mannschaft und der täglichen sportlichen Arbeit und da wollten wir mit dem Thema Nachverpflichtung keine unnötige Unruhe reinbringen. Dennoch nehmen wir die Kritik ernst. Deshalb werden wir uns bemühen, künftig direkter über unsere sportliche Einschätzung zu informieren – grundsätzlich kommunizieren wir aber lieber Fakten und keine Zwischenstände.
Nach der ersten Verletzung von Josh Hawley im September haben wir aufgrund der prognostizierten Ausfalldauer damals entschieden, sein Fehlen mit unserem bestehenden Kader zu kompensieren. Analog zu unserer Clubphilosophie haben wir solche Phasen auch in den Vorjahren aus den eigenen Reihen überstanden, indem wir unseren jüngeren Spielern die Möglichkeit gegeben haben, auf BBL-Niveau zu spielen und Verantwortung zu übernehmen. Das haben vor allem Romario Holloway, aber auch Eliah Braun gut gemacht.
Dass kurz nach Joshs Genesung eine erneut mehrwöchige Ausfallzeit drohen würde und dann auch Philipp Hartwich, Luka Ščuka und Romario Holloway sowie Eliah Braun verletzungsbedingt ausfielen, war jedoch eine Verkettung unglücklicher Umstände, die ich nicht vorhergesehen habe. Hätte ich das gewusst, wären wir sicher früher aktiv geworden.
Wir haben aktuell nicht nur auf den großen Positionen Bedarf, sondern sehen auch Defizite in der Spielstruktur und Entscheidungsfindung. Entsprechend beobachten wir zusätzlich den Markt auf der Guard-Position. Auch hier ist die Situation herausfordernd, da viele Clubs auf der Suche sind.
Grundsätzlich gilt für uns: Qualität vor Geschwindigkeit – auch wenn wir natürlich gerne schnell fündig werden möchten. Bis dahin müssen wir uns gemeinsam durch diese Phase kämpfen und es muss allen klar sein, dass ein oder zwei neue Spieler allein nicht für eine Wende sorgen werden. Es müssen alle im Team Verantwortung übernehmen und ihr Leistungsvermögen abrufen. Und für die kommenden Aufgaben heißt das: Egal, ob am Sonntag im wichtigen Spiel gegen Science City Jena oder in den danach kommenden Spielen eine Neuverpflichtung auf dem Parkett steht oder nicht – wir müssen uns als Team steigern und brauchen den maximalen Einsatz, Mut und Zusammenhalt von allen. Vom Team, vom Club und von unseren Fans.
Vielen Dank für das Gespräch.