„Wir wissen unsere Physis sehr gut einzusetzen“

„Wir wissen unsere Physis sehr gut einzusetzen“

24.08.
2021

Morgen steht für unsere Löwen das zweite, nicht-öffentliche Testspiel im Vorbereitungsplan. Dabei treffen sie auf den ProA-Ligisten Nürnberg Falcons, der sein erstes Testspiel gegen Ehingen am 15. August mit 91:92 verloren hat. Wir haben uns vor dieser Begegnung mit unseren Neuzugängen Brandon und Nicholas Tischler unterhalten, die am vergangenen Freitag gegen Paderborn mit zusammen 18 erzielten Punkten einen sehr positiven Eindruck hinterlassen haben. Wir haben bei den Zwillingen u.a. nachgefragt, was sie sich für die zweite Vorbereitungspartie vorgenommen haben, wo sie ihre Stärken sehen und wie es eigentlich ist, nur schwer auseinandergehalten werden zu können. 


Ihr hattet kein einfaches letztes Jahr – ihr wart vertragslos und die Corona-Pandemie hat das Trainieren ohne Team nicht vereinfacht. Hattet ihr deshalb Schwierigkeiten, wieder in den normalen Trainingsbetrieb einzusteigen?

Brandon: Nein, denn wir hatten trotz aller Umstände zum Glück die Möglichkeit, die ganze Zeit durchzutrainieren. Wir waren viel laufen und haben mit Holger Geschwindner zwei Mal pro Tag Individualtraining gemacht. Wir waren also vom basketballerischen Aspekt her fit und kennen ja auch Teamtraining. Aber natürlich waren wir jetzt heiß darauf, wieder im Team zu arbeiten.

Nicholas: Das stimmt. Aber auch das Teamgefüge wieder zu erleben, ist einfach sehr schön und etwas, das uns im letzten Jahr natürlich gefehlt hat.

Hattet Ihr zwischendurch ein bisschen die Befürchtung, vielleicht kein neues Team zu finden, wenn ihr erstmal ein Jahr raus seid?

Nicholas: Anfangs natürlich schon. Wir hatten hier und da ein paar Angebote, auch von Erstligisten. Aber da wären unsere Rollen nicht so gewesen, dass wir wirklich vorankommen und uns entscheidend hätten weiterentwickeln können. Wir haben uns mit Holger Geschwindner beraten und dann entschieden, ein Jahr auszusetzen. Nach ca. zwei Monaten nur Training haben wir die Nachricht erhalten, dass Dennis Schröder uns einmal sehen will. Wir sind dann angereist, haben vorgespielt und ein wenig mit Dennis zusammentrainiert. Ab diesem Zeitpunkt war unsere Angst eigentlich auch schon wieder weg, weil wir wussten, dass wir hier willkommen sind.

Was hat den Ausschlag für die Löwen gegeben?

Brandon: Andere Teams hatten uns den Eindruck vermittelt, dass sie uns nur sehr langsam an die BBL heranführen und uns in ein paar Jahren dann eine entsprechende Rolle geben möchten. Aber als wir letztes Jahr hier vor Ort waren, haben wir erlebt, dass junge deutsche Spieler bei den Löwen wirklich Spielzeit bekommen. Wir haben das hier aktiv gesehen, das war super für uns und hat uns darin bestärkt, dass wir die Chance bei den Löwen nutzen wollen.

Es ist immer wieder aus dem Team zu hören, dass ihr für euer Alter sehr physisch und athletisch seid. Ist das zum jetzigen Zeitpunkt eure besondere Qualität oder wo seht ihr weitere Stärken eures Spiels?

Brandon: Sicherlich zeichnet uns das aus. Wir hatten die Jahre über einen Trainer, der uns unsere Stärken und Schwächen genau aufgezeigt hat und die Physis wie auch Athletik gehörten da schon zu unseren Stärken. Dementsprechend haben wir intensiv daran gearbeitet und wissen unsere Physis sehr gut und schlau einzusetzen.

Nicholas: Unsere Athletik ist das, was zuerst auffällt, wenn wir über das ganze Feld verteidigen oder per Dunk abschließen. Aber ich würde nicht sagen, dass wir uns nur darüber definieren. Ich finde, dass wir unser Spielverständnis über die Jahre auch gut entwickelt haben und das Spiel gut lesen können.

Ihr seid Zwillinge, gleich groß und spielt auf der gleichen Position? Gibt es deshalb zwischen euch einen besonderen Wettbewerb?

Brandon: Natürlich bedeutet jeder Spieler im Team eine gewisse Konkurrenz, weil er quasi Spielminuten „wegnimmt“. Aber Nicho und ich halten sehr gut zusammen. Ich will, dass er spielt und gute Aktionen hat. Genauso ist das andersherum. Und wenn wir zusammen auf dem Spielfeld stehen, dann ergänzen wir uns auch gut.

Worin entscheidet ihr euch spielerisch?

Nicholas: Ich würde sagen, dass ich mehr der Allrounder bin. Ich kann auch mal einen Spielzug einleiten oder einen guten Pass aus dem Pick-and-Roll heraus spielen. Brandon ist dafür mehr der Scorer, was nicht heißt, dass er nur das kann. Aber das Scorer-Gen ist bei ihm in jeden Fall ausgeprägter als bei mir.

Wie kommt ihr sowohl im Training als auch im Alltag damit klar, dass man euch nur schwer auseinanderhalten kann?

Nicholas: Ach, das ist normal. Unsere letzten Coaches haben ein, zwei Monate gebraucht, bis sie uns unterscheiden konnten. Wir helfen auch ein bisschen, indem ich weiße Socken trage und Brandon schwarze (lacht). Aber wir sind auch niemandem böse, der uns verwechselt.

Im ersten Vorbereitungsspiel gegen Paderborn habt ihr zusammen gute 20 Minuten Spielzeit bekommen und mit je zehn bzw. acht erzielten Punkten auch ordentlich geliefert. Stellt ihr euch das perspektivisch so in diesem Rahmen vor?

Nicholas: Es hängt natürlich viel davon ab, welche Leistung man im Training bringt. Aber natürlich wünscht man sich Spielzeit. Und wenn wir in der Preseason zeigen können, dass der Coach sich auf uns verlassen kann und wir nur wenig Fehler machen, dann bin ich mir sicher, dass wir auch Spielzeit bekommen werden.

Brandon: Ich denke, wir können uns vor allem durch unsere Verteidigung Spielzeit verdienen. In den Preseason-Spielen läuft natürlich noch nicht alles rund, aber ich glaube generell, dass wir darüber punkten können.

Was habt ihr euch für das morgige Testspiel gegen Nürnberg vorgenommen?

Nicholas: Ich persönlich hatte im letzten Spiel ein, zwei Fehler, die ich abstellen will. Und außerdem will ich noch mehr Präsenz in der Verteidigung zeigen. Aber grundsätzlich geht es mir erstmal darum, auf dem letzten Spiel aufzubauen.

Brandon: Ich will defensiv auch weiter Druck machen. Das ist das, was der Coach von uns sehen will. Er macht uns offensiv keinen Druck und weiß, dass wir was draufhaben. Ich denke auch, mein Scoring wird kommen. Aber ich will in jedem Fall die Spielzeit nutzen, die ich bekomme und zeigen, dass ich eine feste Rolle haben kann.

Im Prinzip könnt ihr bei euren Anlagen von der zwei bis zur vier alle Positionen spielen. Aber welche Position bevorzugt ihr?

Nicholas: Ich würde sagen, die zwei und drei. Wir haben mit Coach Jesús darüber gesprochen und er sagte, es könne auch passieren, dass wir auf der zwei, drei und der vier eingesetzt werden. Die eins ist eher unwahrscheinlich. Aber so oder so: Jesús‘ Spielstil passt gut zu uns, weil wir sehr gerne verteidigen. Das macht uns richtig Spaß: Defense, schnell spielen, Transition und mit Dunk abschließen (lacht).

Und letzte Frage: Wie habt ihr euch eingelebt und klappt das WG-Leben?

Brandon: Wir sind das erste Mal von zu Hause weg und es war anfangs natürlich eine ungewohnte Situation. Ich kam in der Vergangenheit vom Training nach Hause und Mama hatte schon das Essen gemacht und sich um alles gekümmert. Jetzt sind wir so ungefähr zwei Wochen hier, haben uns langsam eingelebt und machen eben alles selber. Das Kochen haben wir eingeteilt, wir machen das abwechselnd und auch sonst läuft es gut. Von der Stadt haben wir allerdings noch nicht allzu viel gesehen, weil wir noch nicht viel unterwegs waren. Aber Stück für Stück entwickelt sich ein Alltag.

Vielen Dank euch beiden und weiterhin alles Gute!

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