„Haben Strukturen geschaffen, um Spieler besser zu machen“

„Haben Strukturen geschaffen, um Spieler besser zu machen“

17.06.
2022

Wir finden in diesem Sommer hinsichtlich der Kaderplanung eine sehr angenehme Situation vor: Das Trainerteam sowie acht Spieler aus der Saison 2021/22 stehen bereits für die kommende Spielzeit unter Vertrag. Über diese Kontinuität, die Entwicklung des Standorts, die Kaderplanung und Ziele für die neue Saison haben wir mit unserem Geschäftsführer und Sportdirektor Nils Mittmann gesprochen.


Bevor wir über die Zukunft reden, lass uns erst einmal einen Blick zurückwerfen: Wie zufrieden bist du mit der abgelaufenen Saison 2021/22?

Nils Mittmann: Im Großen und Ganzen würde ich es als eine erfolgreiche Saison bezeichnen. Es ist uns gelungen, unseren Standort als Entwicklungsstandort zu positionieren. Das haben wir unter anderem erreicht, indem wir Strukturen geschaffen haben, um die Spieler besser zu machen. Das ist für mich erst einmal das Hauptkriterium dafür, ob eine Saison erfolgreich war oder nicht. Natürlich spielen da aber auch noch weitere sehr positive Aspekte mit rein. So haben wir erstmals seit zehn Jahren wieder das TOP FOUR des MagentaSport BBL Pokals erreicht und waren nach Abschluss der Hauptrunde Ligaspitze bei den Einsatzminuten für deutsche Spieler. Das sind sehr erfreuliche Resultate. Unsere Platzierung als Dreizehnter ist nur bedingt zufriedenstellend, da ist sicherlich mehr drin gewesen. Wenn man allerdings unsere Verletzungen berücksichtigt und die Art und Weise, wie wir diese kompensiert haben – nämlich überwiegend über interne Ressourcen, indem andere Spieler die Verantwortung übernommen haben – dann finde ich das Endresultat gut. Zumal wir auch die jüngste BBL-Mannschaft waren.

Das Konzept #jungwildhungrig funktioniert also?

Absolut und es stimmt mich zufrieden, dass wir im Rahmen dessen und mit viel Einsatzzeit für junge und deutsche Spieler im gewissen Maße sportlichen Erfolg erzielen. Das Erreichen des TOP FOUR war und ist für uns sogar ein großer Erfolg. Aber auch wie wir gespielt haben, war über weite Strecken der Saison gut und attraktiv. Da hat man einen kontinuierlichen Fortschritt in der individuellen Spielerentwicklung gesehen. Unterm Strich zeigt das, dass man mit unserem Ansatz in der BBL bestehen kann. Aber: Das gilt es auszubauen. Schließlich will man mit diesem Konzept perspektivisch nicht nur bestehen können, sondern auch für Furore sorgen.

TOP! Bei der Einsatzzeit für nationale Spieler waren die Löwen nach Abschluss der Hauptrunde Ligaspitze. Fotos: Christian Schlüter

Bezugnehmend auf … „das gilt es auszubauen“: Was kann und muss dafür verbessert werden?

Vieles, angefangen bei den Rahmen- und Trainingsbedingungen, aber auch spielerisch. Das ist jedoch ein stetiger Entwicklungsprozess. Man muss sehen, dass es das erste Jahr in dieser Konstellation und mit neuem Headcoach war. Jesús Ramírez hat eine klare Philosophie, die sich ein Stück weit von anderen Trainern abgrenzt. Das bedarf entsprechend einer gewissen Anpassungszeit. Hinzukommend war es für Jesús die erste Headcoach-Station in der BBL und auch ihm muss man etwas Zeit geben, um sich einzugewöhnen. Wir alle lernen und wenn man lernt, dann verbessert man sich auch. Deshalb bin ich guter Dinge, dass sich das zukünftig in größerem messbaren Erfolg niederschlägt.

Anders als in der vergangenen Saison kann man jetzt auf Bestehendem aufbauen. Mit der Verlängerung von Robin Amaize stehen acht Spieler aus der gerade beendeten Spielzeit bereits für die kommende Saison unter Vertrag. Zudem bleibt das Trainerteam zusammen. Wie wichtig ist diese Kontinuität?

Wir müssen davon wegkommen, sportlichen Erfolg nur in Saisons fassen zu wollen. Das sind längere Entwicklungszyklen und deshalb ist es ungeheuer wichtig, mit überwiegend gleichbleibendem Personal diese Entwicklung zu bestreiten und fortzuführen. Dass wir im vergangenen Jahr mit dem neuen Team erst recht spät angefangen haben und dann quasi sofort in die Preseason gestartet sind, war sehr herausfordernd. Dieses Jahr ist das anders: Es ist jetzt Mitte Juni und wir führen gerade das erste Fenster eines Offseason-Workouts durch. Dabei arbeiten zum Großteil die Spieler, die bei uns unter Vertrag stehen, zielgerichtet an ihrem Spiel. Das machen wir natürlich mit der Absicht, dass die Jungs das in der kommenden Saison einbringen können. Das sind verbesserte und veränderte Rahmenbedingungen, von denen wir hoffentlich als Team profitieren. Und das ist jetzt vor allem deshalb möglich, weil wir mit Robin Amaize, David Krämer, Ondrej Sehnal, Benedikt Turudic, Luc van Slooten, Sananda Fru sowie Brandon und Nicholas Tischler bereits acht Spieler unter Vertrag und damit Kontinuität haben.

Apropos Vertrag. Du hattest vor einiger Zeit in einem Interview mit der Braunschweiger Zeitung geäußert, dass mehrere laufende Spielerverträge Ausstiegsoptionen beinhalten. Hast du deshalb Sorge, dass von den unter Vertrag stehenden Spielern doch noch einige gehen könnten?

Nein, diese Sorgen mache ich mir nicht. Ich denke, dass alle Spieler bei uns sehr wohl wissen, was sie an dem Club haben. Es ist ja auch eine Partnerschaft, die wir in gewisser Weise eingegangen sind und die basiert nicht nur auf unterschriebenen Schriftstücken, die uns für einen bestimmten Zeitraum gegenseitig aneinanderbinden. Wir betreiben hier gemeinsam ein Projekt und haben dabei eine klare Philosophie und Ausrichtung. Die passen meiner Meinung nach sehr gut zu den Spielern, die wie hier in Braunschweig haben. Zudem bin ich der Überzeugung und auch selbstbewusst genug, um zu behaupten, dass jeder Spieler, der hier unter Vertrag steht, die besten Bedingungen für sich vorfindet. Von daher sehe ich dieses Thema ganz gelassen und bin keinesfalls bange.

Ein bisschen mulmig konnte einem im Laufe der Saison aber aufgrund der Verletzungen von Leistungsträgern werden. Die haben dazu beigetragen, dass den Löwen nach hinten raus ein wenig die Luft ausgegangen ist. Wird der Kader basierend auf dieser Erfahrung in der neuen Saison tiefer aufgestellt?

Ein Teil der „Mehrtiefe“ kommt meiner Meinung nach schon dadurch, dass Spieler wie zum Beispiel Nicholas und Brandon Tischler sich in der vergangenen Saison sehr schnell an das BBL-Niveau gewöhnt haben. Durch den Ausfall von Robin Amaize mussten sie und weitere Spieler Verantwortung übernehmen und haben Erfahrungen gesammelt. Deshalb glaube ich, dass wir über diesen Weg der internen Verbesserung eine größere Breite und mehr Flexibilität in unseren Kader bekommen. Da muss man sicherlich auch die Spieler nennen, die aus dem Unterbau hochkommen. Das gilt allen voran für Sananda Fru, der sich über eine Lernentwicklung in die Mannschaft reingekämpft hat und im letzten Saisondrittel fest in der Rotation verankert war. Sananda ist ein Spieler, der weiter unter Vertrag steht und den man in einer Diskussion über Kadertiefe Anfang letzter Saison nicht unbedingt auf dem Zettel hatte. Zukünftig wird er aber fest dazugehören und darüber generieren wir automatisch eine Verbreiterung des Kaders. Natürlich werden wir zu den acht unter Vertrag stehenden Spielern noch weitere hinzufügen, sodass wir meiner Meinung nach mit einem insgesamt breiteren Kader in die neue Saison gehen werden als letztes Jahr.

Der 18-jährige Sananda Fru hat sich in die feste Rotation gespielt und ist auch in der kommenden Saison fest im Löwen-Kader eingeplant.

Ich möchte an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass die benötigte Kadertiefe nicht nur für den Spielbetrieb wichtig ist, sondern auch, um eine hohe Trainingsqualität gewährleisten zu können. Das haben wir in unserer Saisonanalyse ausgiebig diskutiert und sind uns einig, dass wir uns in diesem Punkt verbessern müssen, um einen temporären Ausfall eines Spielers insgesamt besser kompensieren zu können. Das dauerhafte Fehlen eines Schlüsselspielers werden wir in der kommenden Saison trotzdem nicht problemlos wettmachen können. Dennoch ist es wichtig, dass wir uns nicht nur in der Spitze weiterentwickeln, sondern den Kader verbreitern. Da kommt dem eigenen Nachwuchs eine wichtige Rolle zu. Den müssen wir besser aufstellen, um Kaderplätze im Erstligateam perspektivisch mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchsbereich besetzen zu können.

Du sagtest im Rahmen der Saisonabschlussfeier, dass man möglichst das gesamte Team zusammenhalten möchte. Aus dem Stammkader haben Martin Peterka, Owen Klassen, Tookie Brown und Arturs Zagars für die kommende Saison noch keinen Vertrag bei uns. Wie ist da der Stand?

Wir sind im Austausch und ich würde mich natürlich freuen, wenn es uns gelingen sollte, einen weiteren von ihnen oder alle zu halten. Aber man muss auch ganz ehrlich sagen, dass dort Gehaltsforderungen aufgerufen werden, die wir Stand jetzt nicht erfüllen können und wollen. Es ist aber auch noch früh in der Offseason und man muss abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Wir machen uns da aktuell keinen allzu großen Druck.

Eingangs hatten wir über die „erfolgreiche vergangene Saison“ und die weiteren positiven Aspekte wie Spielerentwicklung und Kontinuität gesprochen. Haben diese Aspekte deiner Meinung auch eine positive Wirkung auf die Sponsoren-Landschaft?

Wir verfolgen in den letzten Spielzeiten auf sportlicher Ebene ein klares Ziel und setzen das unaufgeregt um. Diese Klarheit kommt bei unseren Partnern gut an, wir erhalten auf jeden Fall positives Feedback. Aber ich habe auch generell in der Braunschweiger Unternehmerschaft den Eindruck, dass unser Konzept bzw. unser Weg gut angenommen wird.

Abschließend die Frage: Was ist das Ziel für die kommende Saison?

Wir wollen unseren Weg weiter konsequent fortsetzen und die Spielerentwicklung an unserem Standort vorantreiben. Ein weiteres Vorhaben besteht darin, unseren Nachwuchsbereich zu stärken und die Lücke zwischen Jugend/Farmteam und dem Bundesliga-Team mehr zu schließen. Und in der BBL muss basierend auf unserer Kontinuität und den aufgebauten Strukturen das Ziel sein, sich spielerisch weiterzuentwickeln, noch geschlossener als Team aufzutreten und noch mehr Konstanz an den Tag zu legen. Das wird sich dann hoffentlich auch in positiven Spielergebnissen widerspiegeln.

Vielen Dank für das Gespräch.

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