„Diese Erfahrung zu machen ist etwas ganz Besonderes“

„Diese Erfahrung zu machen ist etwas ganz Besonderes“

04.08.
2021

Nach der überraschenden Qualifikation der tschechischen Nationalmannschaft um Martin Peterka für die Olympischen Spiele in Tokyo ging es für unsere #15 und sein Team am 19.07.2021 in die japanische Hauptstadt, „um für das bestmögliche Ergebnis zu kämpfen“.  

In der Vorrunde galt es für Tschechien, sich gegen starke Gegner zu behaupten: Mit den USA und Frankreich standen sie dabei gegen zwei Topfavoriten auf dem Parkett. Die Vierer-Gruppe wurde komplettiert durch die Iranische Delegation. Von drei Spielen konnten sie am Ende nur das gegen den Iran für sich entscheiden; den Hochkarätern waren sie in diesem Wettbewerb nicht gewachsen und es setzte dementsprechend deutliche Niederlagen:  

Iran  vs. Tschechien 78:84
Tschechien  vs. Frankreich 77:97
USA vs. Tschechien 119:84 

Mit einem weinendem Auge blicken wir auf unsere #15 und Team Tschechien, mit einem lachenden auf den DBB, denn: Der Blowout-Sieg der US-Amerikaner im letzten Spiel bedeutete Schützenhilfe und damit den Einzug der Deutschen Nationalmannschaft ins Viertelfinale der Olympischen Spiele – und damit das erste Mal seit Barcelona 1992.  

Martin kam auf olympischem Parkett in den beiden Partien gegen den Iran und die USA jeweils für knapp 8 Minuten zum Einsatz: Dabei legte er durchschnittlich 2.5 Punkte auf, erarbeitete sich 2 Rebounds, sowie 1 Assist und 1 Steal – unterm Strich macht das einen +/- Wert von 0.5 und eine Effektivität von 4.5!  Wie er die Faszination Olympia erfahren hat, ob er dieses besondere Event trotz Corona und keinen Zuschauern genießen konnte und wie es eigentlich ist, im olympischen Dorf zu wohnen, lest ihr im Interview mit Martin!

Martin, deine ersten Olympischen Spiele liegen hinter dir. Wie hast du persönlich „Tokyo 2020ne“ wahrgenommen? 

Ich bin immer noch ein wenig geflasht. Die letzten Wochen waren eine unfassbar schöne Erfahrung für mich. Auch wenn wir leider keine Zuschauer vor Ort haben konnten, haben wir jede Sekunde dort genossen. Diese Momente sind für jeden Athleten im olympischen Dorf etwas Besonderes!

Wenn wir von besonderen Momenten sprechen denkt man natürlich automatisch auch an die große Eröffnungsfeier. Die tschechische Delegation ist dabei auch noch einmal mit ihren Outfits herausgestochen. Wie war die Stimmung an diesem Abend?  

Die Eröffnungsfeier war mein absoluter Lieblingsmoment in Tokyo: In die riesige Arena einzulaufen, gemeinsam mit den besten Athleten der Welt – selbst ohne Zuschauer ein unfassbares Feeling. Da hatte ich wirklich Gänsehaut! Ich habe beim Einlauf Videos gemacht, um das festzuhalten. Die habe ich dann auch an meine Familie und Freundin zuhause geschickt, damit sie irgendwie auch daran teilhaben können.

Auf unsere Kleidung an diesem Abend wurden wir tatsächlich sehr häufig angesprochen! Viele Teams laufen dort mit traditionellen Outfits ein und es ist sehr spannend, das alles zu sehen. Sie haben uns gesagt, dass unsere Kleidung eine Verbindung zwischen Tschechien und dem Gastgeberland Japan repräsentieren soll, deshalb waren darin viele verschiedene Elemente beider Kulturen in den Nationalfarben verarbeitet.

Als Zuschauer vor dem Fernseher hat man oft keine richtige Idee, wie der Alltag für die Sportler vor Ort aussieht. Wie kann man sich einen typischen Tag als Athlet bei Olympia vorstellen?  

Tatsächlich gar nicht so viel anders als einen normalen Tag innerhalb der Saison: Wir sind immer gegen spätestens 8.30 Uhr aufgestanden, danach ging es erst einmal gemeinsam zum Frühstück. Jeden Tag standen zwei Trainings auf dem Programm – eines am Vormittag, gefolgt von Lunch, und ein zweites am Nachmittag oder gegen Abend und anschließend wieder Essen. So besonders wie die Eröffnungszeremonie ist das dann leider nicht mehr *lacht*. Das Gefühl dann aber am Spieltag vor Tip-Off wieder in der Arena zu stehen und die Nationalhymne zu hören – das wird immer ein emotionaler Moment bleiben.

Aufgrund von Corona konntet ihr beispielsweise kein Sightseeing in Tokyo machen. Wie vertreibt man sich dann die Zeit im olympischen Dorf? Konntet ihr euch mit weiteren Athleten austauschen oder euch mit Sportlern anderer Nationen treffen? 

Es ist wie eine kleine Stadt vor Ort und langweilig wurde uns auf jeden Fall trotz der Einschränkungen nicht: Durch die Corona-Auflagen ist es natürlich nicht gern gesehen, wenn sich Athleten verschiedener Teams ständig gemischt treffen, deshalb verzichtet man darauf auch meistens. Natürlich lässt man es sich aber nicht nehmen, sich mit befreundeten Sportlern zu treffen – wie bei mir zum Beispiel mit Lukas Wank.

Jeder hat außerdem zu Beginn Anstecker mit der Nationalflagge bekommen und wir haben dann versucht, diese gegen so viele exotische Pins anderer Athleten zu tauschen, wie wir konnten.

Natürlich verfolgt man auch viele andere Wettbewerbe live im TV und fiebert mit. Neben Basketball schaue ich sehr gerne Tennis, da haben wir jetzt auch wieder Medaillen gewonnen. Das war dann jedes Mal ein richtiges Highlight: Alle tschechischen Athleten wurden informiert, wann genau die Gewinner wieder zurück sein würden, sodass man sie gemeinsam empfangen und ein bisschen feiern konnte. Mit ca. 115 Sportlern waren wir noch eine der kleineren Delegationen und das hat den Zusammenhalt untereinander auf jeden Fall gestärkt. Wir Basketballer haben dort den ganzen Tag immer Stimmung gemacht und für den richtigen Spirit gesorgt, sodass die anderen jetzt auch echt traurig waren, dass wir bereits abreisen mussten.

Mit dem Qualifikationsturnier in Kanada, den Spielen in Japan und den jeweiligen Vorbereitungszeiten dafür hattest du einen wirklich vollgepackten Basketball-Sommer. Jetzt bist du wieder zurück in Tschechien und schon bald startet die Vorbereitung für die neue easyCredit BBL-Saison. Wie sehen deine letzten freien Tage aus?  

Die Rückreise war sehr anstrengend, wir waren insgesamt 23h unterwegs. Die letzten Wochen waren wirklich intensiv, weshalb ich mich jetzt sehr auf ein bisschen Zeit zuhause und auch ein paar Tage Urlaub mit meiner Freundin freue – und auch ausnahmsweise mal keinen Basketball! Das ist auch dringend nötig. Ich freue mich aber auch schon, wenn es danach wieder nach Braunschweig geht und ich dort alle wiedersehen und mit vollem Akku in die neue Saison starten kann.

Zum Schluss noch eine Frage: Trotz eures Ausscheidens nach der Gruppenphase, was bedeutet dir persönlich dieser Olympia-Sommer?  

Diese Erfahrung zu machen, bei den Olympischen Spielen dabei sein zu dürfen – das ist etwas ganz Besonderes. Auch wenn es ein harter Wettkampf war, den wir am Ende leider nicht für uns entscheiden konnten, bin ich zu 100% glücklich darüber diese Chance in meiner Basketball-Karriere gehabt zu haben. Ich weiß das sehr zu schätzen. Einmal als Athlet bei Olympia: Diese Erinnerung bleibt für immer!

Vielen Dank, Martin! 

(Fotocredit: FIBA)

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