Spielergebnis

83:84

Auf schwachen Beginn folgt Niederlage gegen Tabellenletzten   

Auf schwachen Beginn folgt Niederlage gegen Tabellenletzten   

14.01.
2024

Als „gefährlich“ hatte Basketball Löwen-Headcoach Jesús Ramírez das heutige Heimspiel gegen den Tabellenletzten MLP Academics Heidelberg bezeichnet, nachdem dieser erst wenige Tage zuvor einen Trainerwechsel von Joonas Iisalo zu Ingo Freyer vorgenommen hatte. Die Löwen waren darauf vorbereitet, wie die Heidelberger unter Freyer agieren würden, kamen aber nicht so raus wie es nötig gewesen wäre. „Es war sehr, sehr enttäuschend wie wir das Spiel begonnen haben“, sagte Ramírez nach der Partie, in der sein Team gegen einen extrem ersatzgeschwächten Gegner anfangs pomadig agierte und im zweiten Viertel bereits mit 17 Punkten in Rückstand geraten war. Zwar steigerten die Löwen sich nach der Pause, kamen heran und hatten mit dem letzten Wurf sogar die Siegchance. Doch reichte es dieses Mal nicht gegen aufopfernd kämpfende Gäste, die zuvor sieben Spiele in Serie verloren hatten. Am Ende stand eine 83:84-Niederlage (36:47) vor 4.251 Zuschauenden in der Volkswagen Halle, bei der Ahmaad Rorie mit 17 Punkten der Topscorer war und Youngster Sananda Fru mit erneut starker Leistung inklusive Double-Double (10 Punkte, 11 Rebounds) überzeugte. Für die lediglich mit einer Sechser-Rotation spielenden Gäste war Abu Kigab mit 19 Zählern am erfolgreichsten.  


„Wir waren exakt darauf vorbereitet, wie Heidelberg spielen würde. Haben aber nicht so gespielt, wie wir es hätten tun müssen“, sagte ein selbstkritischer Martin Peterka nach der Niederlage. Der Kapitän hatte selbst keinen guten Tag erwischt und traf nur einen von acht Würfen. Aber das wäre vielleicht zu verschmerzen gewesen, wenn er und sein Team dem Gegner gleich zu Beginn mit der Verteidigung die Grenzen aufgezeigt hätte. Doch das war nicht der Fall. Stattdessen hatten die Löwen den roten Teppich für die Heidelberger ausgerollt, ihnen anfangs immer wieder die Chance für einfache Punkte und damit auch Selbstvertrauen gegeben. Und man wusste: Wenn sie das erst einmal bekommen würden, dann würde das in Kombination mit dem Impuls durch den neuen Trainer zu einer ganz schwierigen Aufgabe werden. Und genau so kam es, obwohl der Tabellenletzte aufgrund diverser angeschlagener Import-Spieler und einer von Vincent Kesteloot im ersten Viertel erlittenen Verletzung lediglich mit einer Sechser-Rotation spielte. Die Gäste kamen angeführt von Abu Kigab kollektiv ins Rollen, trafen ihre Würfe bei guter Quote und spielten mit einem hohen Verteidigungsdruck, der die Löwen-Offensive ins Straucheln brachte.

Rückstand wächst auf 17 Punkte an

Die hatten zwar im ersten Viertel 22 Punkte erzielt, aber auch schon 27 zugelassen und gerieten dann hinten wie vorne vollkommen aus dem Rhythmus. Die Folge: Die Löwen kassierten einen 2:11-Lauf zum 24:38. Erschwerend kam hinzu, dass mit TJ Crockett Jr. ein weiterer Leistungsträger keine Akzente setzen konnte und in der 15. Spielminute bereits mit dem dritten Foul auf der Bank Platz nehmen musste. Ganz anders die Gäste. Die spielten sich in einen „Flow“, zu dem jeder der einsatzfähigen Akteure beitrug. Auch Marcel Keßen, der am Ende ebenso wie Routinier Akeem Vargas auf eine zweistellige Punkteausbeute kam, obwohl beide im bisherigen Saisonverlauf jeweils weniger als fünf Punkte im Schnitt erzielten. „Das wäre wahrscheinlich nicht passiert, wenn wir gleich hart verteidigt und sie nicht den ersten Wurf getroffen hätten“, so Ramírez. Doch so wurden Heidelberger Spieler zu einem wichtigen Faktor, die bedingt durch die Ausfälle viel mehr als sonst ranmussten und das Spiel dadurch noch etwas unberechenbarer machten. Als Ausrede könne das allerdings nicht gelten, stellte der Löwen-Headcoach klar, dessen Team in der 16. Minute mit 17 Punkten zurücklag (26:43).

Ahmaad Rorie war mit wichtigen Aktionen am Comeback entscheidend für das Comeback, traf aber nicht zum Sieg. Fotos: Christian Schlüter

Zur Halbzeitpause konnten Rorie & Co. den Rückstand immerhin auf elf Zähler verkürzen und kamen mit besserer Verteidigung zurück aufs Parkett. Das zahlte sich zunächst nicht aus, weil die Löwen oftmals zögerlich wirkten und ihre Würfe vielleicht auch als Folge dessen weiterhin selten fielen. Vor allem die Dreierquote war mittlerweile unter 20 Prozent gesunken, was die Aufholjagd neben dem dritten Foul des starken Sananda Fru erschwerte. Aber grundsätzlich waren die Löwen engagierter und packten bei den Rebounds viel besser zu. Acht Offensiv-Rebounds hatten sie sich im dritten Viertel geschnappt und daraus zehn Punkte erzielt. Und als Ahmaad Rorie endlich den einzigen Dreier in diesem Abschnitt zum 47:59 traf (27. Min.) ging ein richtiger Ruck durch das Löwen-Team. Das zeigte eine starke Schlussphase des Viertels, in der zuerst Jilson Bango und wieder Rorie für die nächsten Punkte sorgten, bevor Amar Sylla hinten mit einem starken Block einen Schnellangriff von Brandon Tischler einleitete und dann erneut der gute Rorie zum 55:63 traf (30. Min.).

Sieg-Chance nicht genutzt

Jetzt war endlich Stimmung in der Partie! Die wurde noch besser als die Löwen mit guten Defensivsequenzen und einem 9:0-Lauf zuerst auf 68:70 verkürzten, um sich kurz darauf nach Dunk von Fru, Block von Ferdinand Zylka und Dreier von Brandon Tischler die 73:72-Führung zu holen. Diese Drangphase gegen verständlicherweise müder werdende Heidelberger wurde jedoch sofort durch ein unsportliches Foul von Brandon Tischler im Keim erstickt. Das war doppelt ärgerlich, weil Bennet Hundt und Akeem Vargas daraus fünf Punkte machten und die Gäste somit wieder leicht die Nase vorne hatten (73:77). Aber das Spiel blieb eng und kippte nach dem einzigen Peterka-Dreier noch zweimal in Richtung der Löwen. Die hatten zum 81:79 und danach zum 83:82 getroffen, ehe Nicholas Tischler 47 Sekunden vor dem Ende einen Ballverlust der Heidelberger forcierte. Die Löwen hatten es jetzt in der Hand, mit weiteren Punkten doch noch als Sieger vom Parkett zu gehen. Aber nach einer Freyer-Auszeit übten die Heidelberger so viel defensiven Druck aus, dass sie die Löwen zu einem Ballverlust zwangen und bei noch sechs Sekunden auf der Uhr zum 83:84 trafen. Ahmaad Rorie bekam wie beim Last-Second-Sieg gegen Ludwigsburg den letzten Wurf, versenkte ihn dieses Mal aber nicht. „Es hätte auch andersherum laufen können, aber der Steal am Ende nach der Auszeit – der war entscheidend“, sagte Ingo Freyer nach seinem erfolgreichen Heidelberger Debüt.

Trainerstimmen zum Spiel:

Jesús Ramírez (Basketball Löwen): „Glückwunsch an Heidelberg und Coach Freyer. Heidelberg hat genau das getan, was wir erwartet, erklärt und im Training versucht haben, deutlich zu machen. Sie haben das ideal umgesetzt und ohne die verletzten Spieler vielleicht sogar noch besser. Es war also keine Überraschung für uns, allerdings sehr, sehr enttäuschend wie wir das Spiel begonnen haben. Die ersten Minuten sind wir nur hinterhergelaufen und haben nicht so gespielt wie am Ende. Aber es geht darum, wie wir das Spiel beginnen, den richtigen mentalen Ansatz zu haben und mit der nötigen Intensität sowie Entschlossenheit zu spielen. Und heute war der Start aufgrund der Situation des Gegners besonders gefährlich. Der hat das sehr gut gemacht, aber wir haben unsere Aufgaben nicht erledigt. Das ist wie bereits gesagt sehr enttäuschend. Aber ich hoffe die Mannschaft lernt daraus, wer wir sind, was unsere Mentalität sein sollte und dass wir darauf aufbauend in Zukunft besser sein werden. “

Ingo Freyer (MLP Academics Heidelberg): „Mit Blick auf das ganze Spiel war es sehr gut, wie wir Braunschweigs Aggressivität zu Hause gematcht haben. Wir haben es fast über die ganze Zeit erfolgreich geschafft, daraus unsere Offensive zu kreieren. Auf diese Weise haben wir uns eine hohe Führung erspielt und die war auch wichtig, weil klar war, dass mit einer kurzen Rotation wie heute am Ende hier und da Fehler gemacht werden. Aber wir haben es auch geschafft, den Gegner zu Fehlern zu zwingen und haben so schlussendlich das Spiel gewonnen. Es hätte auch andersherum laufen können, aber der Steal am Ende nach der Auszeit – der war entscheidend.“

Basketball Löwen: Crockett Jr., N. Tischler 11, Aydinoglu n.e., Zylka 12 (6 Rebounds, 3 Assists), Bango 6, Fru 10 (11 Rebounds), B. Tischler 12, Rorie 17, Peterka 5, Gerhardt n.e., Barra 6 (4 Assists), Sylla 4 (5 Rebounds).

MLP Academics Heidelberg: Whaley 16 (4 Ballgewinne), Würzner 7 (7 Rebounds, 4 Assists), Lasisi n.e., Rietsch n.e., Zipser n.e., Kesteloot 4 (5 Assists), Vargas 12 (5 Assists), Kigab 19, Keßen 17 (8 Rebounds), Hundt 9 (8 Assists).

DYN-Zusammenfassung

GALERIE ZUM SPIEL

(Fotos: Christian Schlüter, Chris Vehrke, Kai Falk)

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