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Foto: Robert Kagelmann

„Wir müssen mehr kämpfen“

06.11.2016

Die Löwen haben den ersten Monat der neuen easyCredit BBL-Saison absolviert und sich dabei mit einigen Höhen, aber auch Tiefen präsentiert. Headcoach und Sportdirektor Frank Menz spricht im Interview über die Gründe dafür und was nötig ist, um nach sechs Niederlagen in Folge wieder zurück in die Erfolgsspur zu finden.


Nach vielen Jahren beim DBB bist du nun zurück in der BBL. Wie groß war die Umstellung für dich?

Es war keine allzu große Umstellung. Für mich ist es hauptsächlich anders, dass ich jetzt mehr in der Halle arbeiten kann und nicht mehr so viel auf der Straße unterwegs bin. Das ist für mich aber eine sehr positive Veränderung, vor allem weil ich nun täglich Spieler und Mannschaften entwickeln und daran arbeiten kann und mir dafür nicht nur ein Zeitraum von zwei oder drei Monaten im Sommer zur Verfügung steht. Meine Tätigkeit beim DBB war auch von vielen strukturelle Arbeiten, Individualtrainings, Coach Clinics und Stützpunkttrainingseinheiten geprägt, aber da habe ich nicht täglich in der Halle gestanden. Das tägliche Arbeiten macht mir jedoch viel Spaß und ist im Wesentlichen der große Unterschied zu meiner Tätigkeit zuvor beim DBB.

Du hast mit deiner Mannschaft bereits sieben Spiele gespielt, davon habt ihr einen Sieg geholt. Wie weit siehst du das Team gegenwärtig in seiner Entwicklung?

Zum jetzigen Zeitpunkt müssten wir eigentlich weiter sein als wir es sind. Wir haben aber aufgrund der verletzungsbedingten und personellen Probleme eine recht ungemütliche und rumpelige Vorbereitung gehabt, was sich auch in den vielen Niederlagen in der Preseason dokumentiert hat. Dadurch, dass einige Spieler erst spät zum Team gestoßen sind und andere verletzt waren, machen wir unsere Vorbereitung im Prinzip jetzt in der laufenden Saison, weshalb wir in unserer Entwicklung etwas hinterher sind. Die Woche vor dem Oldenburg-Spiel mit den Erkrankungen von fünf Spielern hat uns da nicht in die Karten gespielt – wir haben dadurch vielmehr eine Woche verloren. Aber wir müssen beharrlich weiter arbeiten und viel Geduld haben, auch wenn ich uns natürlich gerne schon weiter sehen würde.

Dennoch ist das Team mit einem Sieg gegen Vechta in die Saison gestartet. Und auch gegen Gießen und Ludwigsburg hat man sich über weite Strecken gut präsentiert. Darauf folgten jedoch bittere Niederlagen gegen Bayreuth und Tübingen. Wie erklärst du dir diese Einbrüche?

Ich glaube, dass wir in unser erstes Spiel aufgrund der vielen Niederlagen in der Vorbereitung ohne große Erwartungshaltungen gestartet sind. Wir sind mit der Intention in das Spiel gegangen, unseren Gegner zu ärgern und so gut wie möglich zu spielen. Wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten und spielten wirklich locker und befreit. Vechta wirkte ob unserer Leistung ein wenig überrascht, weshalb sie kein Mittel gefunden haben. Aber mit diesem Sieg haben wir uns anschließend selbst eine große Erwartungshaltung aufgebaut und den Glauben entwickelt, dass wenn wir Vechta schlagen können, wir auch gegen andere Teams eine Chance haben. Das ist auch gut. Aber ich denke, dass mein Team in einigen Spielen, die wir dann hoch verloren haben, geschockt von der Qualität der Gegner war. Wir haben gemerkt, dass wir in diesen Spielen viel geben, aber wir kamen weder vom Gegner weg, noch konnten wir näher herankommen und den Gegner auch nicht stoppen. Und dann haben wir leider schon in den Spielen angefangen, die Köpfe hängen zu lassen und an uns zu zweifeln. Das ist jedoch ein Punkt, den wir komplett ausklinken müssen und der so nicht passieren darf. Wir müssen mehr kämpfen und mehr geben. Wir haben diesen Aspekt intensiv in Einzelgesprächen und Videoanalysen aufgearbeitet und ich denke, ein erstes Ergebnis dessen konnte man im Spiel gegen Oldenburg sehen.

Es war bisher auffällig, dass ihr zu Beginn der Partien mit hoher Intensität gestartet seid und euch dem Gegner ebenbürtig präsentiert habt. Dieses Intensitätsniveau riss meistens irgendwann ab und spätestens im dritten Viertel hatte der Gegner euch oftmals den Schneid abgekauft. Welche Gründe machst du dafür aus?

Ich habe das Gefühl, dass bei einigen mittlerweile der Glaube und das Selbstvertrauen fehlt, dass man dranbleiben und vielleicht auch gewinnen kann. Und selbst, wenn man weiß, dass man es nicht schafft, so müssen wir unser Spiel dennoch durchziehen und dürfen uns nicht vorher schon aufgeben. Wir müssen daran arbeiten, dass wir über 40 Minuten unser Intensitätslevel halten und richten das Training in allen Bereichen auch mit darauf aus. Es ist wichtig, dass wir lernen, trotz Unterlegenheit nicht frustriert zu reagieren. Wir müssen uns sagen, dass wir unsere eigenen Ziele haben, wir über 40 Minuten unser Spiel spielen und positiv bleiben wollen. Und dann muss man auch mal schlucken können, dass man hoch verliert, muss aber dennoch weiterkämpfen.

Wie groß ist der Druck, den ihr vor allem aufgrund der vergangenen hohen Niederlagen zum jetzigen Zeitpunkt schon spürt?

Es ist wirklich die Höhe der Niederlagen, die einen wesentlichen Druck auf uns ausübt. Wenn ich auf die Tabelle gucke, dann sind wir nicht Letzter und es gib ein Team, das mit uns punktgleich ist und andere Mannschaften, die einen Sieg mehr haben. In dem Sinne ist also noch nicht viel passiert und wir wussten ja auch vorher, dass wir um den Klassenerhalt kämpfen. Der Druck, den wir uns aber machen, ist, dass wir gut spielen und uns entwickeln wollen. Aber gerade, wenn man zwischendurch immer so hoch verliert, dann müssen wir natürlich aufpassen, dass wir nicht zu sehr an uns zweifeln und fokussiert auf unsere Ziele bleiben. Wir haben noch sechs Monate zu spielen und noch einen weiten Weg zu gehen. Es ist eine lange Saison, in der wir nun gefragt sind, eine Reaktion zu zeigen. Und unabhängig vom Etat, muss jeder von uns ans Limit gehen, damit wir unser Ziel Klassenerhalt realisieren können.

Jetzt erwartet ihr die BG Göttingen – ein Team, das aufgrund der Nachverpflichtungen wohl nichts mehr mit dem Thema Klassenerhalt zu tun haben wird. Dennoch ist es das zweite richtig wichtige Heimspiel. Wie stellst du die Mannschaft nach den letzten Niederlagen darauf ein?

Damit haben wir direkt nach der hohen Niederlage gegen Tübingen begonnen. Zwar waren fünf Spieler im Anschluss an das Spiel krank, aber ich habe dennoch Einzelgespräche mit allen Spielern geführt und Teammeetings gehabt. Das Team weiß, worum es geht. Göttingen ist eine starke Mannschaft, die Ludwigsburg besiegt hat und ALBA fast geschlagen hätte. Aber ich stell mein Team so ein, dass es weiß, dass wir nicht auf einen unbesiegbaren Gegner treffen, sondern auf eine Mannschaft, die wir schlagen können. Dafür müssen wir allerdings eine sehr gute Performance zeigen, unsere Würfe treffen und Göttingen vor allem über unsere Defensive stoppen.

Das heißt, die Verteidigung wird entscheidend für das Derby gegen die BG sein?

Auch, denn wenn wir so wie in den drei Spielen vor Oldenburg im Schnitt 95 Punkte kassieren, können wir niemanden schlagen. Das war natürlich auch Thema in unseren Meetings und wir wissen, dass wir die Gegner schon unter 80 Punkten halten müssen, um eine Chance zu haben. Es können 59, 69 oder 72 Punkte sein, aber wir müssen defensiv stabil werden. Normalerweise holt man sich das Vertrauen in der Offensive ja auch über die Verteidigung. Aber in den letzten Spielen treffen wir vorne nicht und hinten schlägt es ein. Das muss sich ändern. Grundsätzlich gilt aber, dass sich jeder Spieler so pushen muss, dass er an sein Limit geht und die anderen dabei mitreißt. Wir müssen uns emotional und von der Intensität her auf ein Top-Level bringen und dann werden wir auch defensiv besser spielen und eine Chance auf einen Sieg bekommen.

Vielen Dank, Frank!


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