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Garai Zeeb stand in der Startformation und dankte das mit 9 Punkten und 5 Assists. Foto: Christian Becker

27-Punkte-Führung reicht nicht zum Sieg

17.11.2019

Unsere Löwen haben am Samstag, den 16. November, auswärts eine bittere 103:106-Niederlage (52:44) bei RASTA Vechta erlitten. Dass unser Team gegen den Champions League-Teilnehmer und letztjährigen Playoff-Halbfinalisten verloren hat, ist definitiv kein Beinbruch. Aber das „wie“ tut laut Strobl „wahnsinnig weh“. Denn unsere Löwen waren im zweiten und dritten Viertel das bessere und dominierende Team. Vor allem im dritten Spielabschnitt (36:19) spielten sie überragend und lagen in der 28. Minute sogar schon verdient mit 27 Punkten in Führung. Was dann geschah, ist nur schwer zu beschreiben. Mit Beginn der letzten zehn Minuten startete Vechta ein unfassbares und erfolgreiches Comeback, während bei unseren Löwen komplett der Faden riss und sie das Spiel in den Schlusssekunden noch aus der Hand gaben. „Wir waren als Mannschaft nicht bereit, um den Deckel endgültig draufzumachen. Auch haben wir uns in dem einen oder anderen Moment zu früh gefeiert“, sagte unser Headcoach Pete Strobl nach der schmerzhaften Partie, in der Scott Eatherton mit 24 Punkten und 13 Rebounds ein Double-Double erzielte. Für Vechta wurde Philipp Herkenhoff mit 20 Zählern zum Topscorer.


Die Löwen packten gleich zu Beginn der Partie eine Zonenverteidigung aus. Das störte RASTA zunächst nicht, ehe sich das Strobl-Team über zwei Dreier in Folge mit einem 8:0-Lauf auf 11:5 absetzte (4. Minuten). Allerdings machte dieses Viertel der Phrase „it's a game of runs“ alle Ehre. Denn insgesamt gab es vier, sich direkt hintereinander abwechselnde Läufe der beiden Teams (8:0, 0:7, 7:0, 0:10). Das Viertel endete schließlich ausgeglichen (24:24) – und das, obwohl Vechta zehn Feldwürfe mehr hatte, weil sie sich acht Offensiv-Rebounds schnappten und unsere Löwen zudem vier Mal den Ball verloren. Aber: Das Strobl-Team nutzte seine Würfe deutlich effektiver, traf starke 64 Prozent aus dem Zweier- und 67 Prozent aus dem Dreierbereich.

Diese sehr gute Quoten konnten unsere Löwen, bei denen Garai Zeeb seinen Platz in der Startformation mit einer guten Leistung bestätigte, zwar nicht von der Dreierlinie halten. Dennoch gewannen sie im zweiten Viertel zunehmend die Kontrolle über das Spiel. Sie dominierten die Rebounds, leisteten sich weniger Ballverluste und ließen sich auch von einem technischen Foul gegen Coach Pete Strobl nicht aus der Fassung bringen. Auf Vechtas Seite hielt vor allem Guard Sergi Garcia dagegen, der in diesem Spielabschnitt elf von 20 RASTA-Zählern erzielte. Er konnte aber auch nicht verhindern, dass unsere Löwen in der 17. Minute verdient mit 40:33 vorne lagen und sich zur Halbzeit einen Acht-Punkte-Vorsprung (52:44) erspielt hatten.

Wieder auf dem Parkett wurden unsere Löwen immer stärker. Sie griffen sich mehrere Offensiv-Rebounds in Folge und nutzten die Fehler aus, die ihr Gegner jetzt machte. In der 25. Minute führten Mushidi & Co. erstmals zweistellig (62:51) und kauften dem Heimteam jetzt gänzlich den Schneid ab. Vor allem die permanent wechselnde Löwen-Verteidigung von Zone auf Mann-gegen-Mann schien RASTA offensiv vor Probleme zu stellen. Ganz anders die Löwen! Die spielten sich in einen Rausch und waren nicht zu stoppen. In der 28. Minute betrug ihr Vorsprung satte, aber verdiente 27 Punkte (82:55), mit Beginn des letzten Viertels lagen sie mit 25 Zählern vorn.

Und der Auftakt in die verbleibenden zehn Minuten ließ zunächst gar nichts Böses erahnen. Wenngleich das Strobl-Team schon unkonzentrierter als zuvor wirkte, was sich in Ballverlusten und vergebenen Würfen zeigte. Nach knapp 33 Spielminuten hatte RASTA verkürzt, aber die Löwen führten noch komfortabel mit 96:76. Trotzdem nahm Pete Strobl eine Auszeit, um sein Team zur Ballkontrolle zu ermahnen. Doch genau das klappte nicht. Unsere Löwen verloren mehrfach in Folge den Ball – und Vechta kam angefeuert von den lautstarken Fans zurück ins Spiel. Bei den Gastgebern fiel jetzt quasi alles und bei den Löwen nichts mehr. Zwischen der 33. und 38. Minute erzielten sie lediglich einen Punkt, in dieser Zeit war das beflügelte Calles-Team bis auf einen Punkt rangekommen (97:96). Joe Lawson gab mit einem Dreier zum 100:96 noch einmal Hoffnung, doch war das Momentum schon längst auf RASTAs Seite. Im Anschluss an das 103:103 verwarf Kostja Muschidi einen Dreier und Steve Vasturia sowie Philipp Herkenhoff machten von der Freiwurflinie den Deckel auf den unfassbaren Comeback-Sieg.

Viertel aus Löwensicht: 24:24, 28:20, 36:19, 15:43;

Trainerstimmen zum Spiel:

Pete Strobl (Basketball Löwen Braunschweig):
„Gratulation an Vechta, die ein wahnsinnig gutes 4. Viertel gespielt haben. Wir alle sind natürlich sehr enttäuscht. Die ganze Woche über hatten wir hart gearbeitet. Heute sind wir dann auch gut gestartet. Und alle waren sehr froh in der Situation, als wir so hoch geführt haben. Aber: Wir haben eben auch neun neue Spieler in der Mannschaft. Wir sind mitten in einem Prozess, der Jahre, nicht Wochen oder Monate, dauert. Auf jeden Fall tut es wahnsinnig weh, so ein Spiel zu verlieren. Wir wollten hier heute gewinnen und müssen jetzt aus der Niederlage lernen - vor allem, wie es ist, mit so einem Vorsprung zu spielen. Wir waren als Mannschaft nicht bereit, um den Deckel endgültig draufzumachen. Auch haben wir uns in dem ein oder anderen Moment zu früh gefeiert. Noch einmal Gratulation an die Vechtaer, die die ganze Zeit gekämpft haben und am Ende verdient gewonnen haben. Ich schätze die Arbeit von RASTA sehr, wie sie verteidigen, wie sie kämpfen. Natürlich hoffe ich auch, dass wir in die Playoffs kommen und eines Tages international spielen. Aber so etwa erreichen wir natürlich nicht, wenn wir so spielen wie heute im 4. Viertel..“

Pedro Calles (RASTA Vechta): „Ich denke, wir alle sind uns darin einig, dass im RASTA Dome gerade Geschichte geschrieben wurde. Unsere Fans haben das heute möglich gemacht. Hätten wir einen solchen Rückstand auswärts aufholen müssen, wäre uns das wohl kaum noch gelungen. Der Support unserer Fans war heute auch in den nicht guten Phasen überragend, ihnen gehört heute mein größter Respekt! Mit ihrem Glauben und ihrem Vertrauen hat die Mannschaft noch einen Weg gefunden, dieses Spiel zu drehen und ich wünsche jedem, diesen Abend zu genießen, denn er wird noch lange in den Köpfen der Menschen sein. Und ich darf heute noch einmal mein Credo hervorholen: Charakter ist wichtiger als Talent. Jeder mag das noch nicht verstanden haben. Aber solange ich hier der Coach bin, werde ich mit meinem Staff immer kämpfen und einen Weg suchen, wie wir mithalten können. Dafür brauchen wir echte Kämpfer. Aber ich muss jetzt auch sagen, dass nicht alle in dieser Mannschaft solche Kämpfer sind. Das gute ist, dass diese Spieler sich an anderen im Team orientieren können - sie sollten ihnen folgen. Denn wenn dem nicht so ist, ist das hier keine gute Beziehung zwischen ihnen und dem Klub.“

Basketball Löwen Braunschweig: Wank 3, Zeeb 9 (5 Assists), Pwono, Klepeisz 12 (6 Assists), Mushidi 20 (5 Assists), Göttsche n.e., Marelja 8, Releford 4 (4 Assists), Lawson III 18 (6 Rebounds), Jallow 5 (3 Assists), Eatherton 24 (13 Rebounds), Lagerpusch n.e..

RASTA Vechta: DiLeo 8 (4 Assists), Reischel, Kessens 12 (5 Rebounds), Young 14 (3 Assists), Insinger n.e., Garcia 11, van Slooten n.e., Herkenhoff 20 (5 Rebounds), Simpson 8 (3 Assists), Murphy 3, Wainright 11 (6 Rebounds, 3 Assists), Vasturia 19 (8 Assists).


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