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Josh Gasser: „Ich war bereit für diese Erfahrung“

13.11.2015

16. Oktober 2015, Mercedes-Benz-Arena am Ostbahnhof in Berlin. Die Basketball Löwen Braunschweig treffen auf ALBA BERLIN. Löwen-Guard Josh Gasser trifft auf ALBA-Point Guard Jordan Taylor. Ein Wiedersehen zweier Kommilitonen der University Wisconsin auf deutschem Boden, die seit zwei gemeinsamen Jahren für die Badgers eine starke Freundschaft verbindet: „Es ist echt witzig, dass wir beide in Deutschland und nicht sonderlich weit voneinander entfernt Basketball spielen. Jordan ist einer meiner besten Freunde aus der College-Zeit, wir facetimen nahezu täglich – das ist wirklich cool und sehr wichtig für mich“, sagt Josh.


 Doch wer denkt, dass Basketball das dominierende Thema der Gespräche bildet, liegt falsch: „Wir unterhalten uns über alles Mögliche, aber tatsächlich fast nie über Basketball.“ Und so kann sich Josh auch auf ein fast basketballfreies Wochenende freuen. Seine Löwen sind spielfrei und er nutzt die Zeit, um seinen Kumpel Taylor in der Hauptstadt zu besuchen. Eventuell wird er Taylor aber im Spiel gegen den FC Bayern anfeuern.

Allgemein nimmt Basketball im Leben von Josh außerhalb des Parketts nicht die größte Rolle ein, denn er hegt dort eher eine Leidenschaft für American Football. „Auf dem College war ich absolut kein Videospieler, aber jetzt habe ich mir eine Playstation zugelegt. Am häufigsten spiele ich Madden NFL 16, NBA2k16 eher selten. Zudem schaue ich mir gerne Partien der NFL oder des College Footballs an. Generell bin ich ein echter ,Sportnerd'!“ Neben Basketball spielte Josh in seiner Studienzeit lange Zeit Football als Quarterback – entschied sich dann irgendwann aber für das Spiel mit dem orangenen Leder. Fünf Jahre verbrachte er am College in Wisconsin, musste dabei jedoch ein komplettes Jahr aufgrund eines Kreuzbandrisses aussetzen. Seine Uni-Karriere beendete der Profi-Neuling in einem der größten Basketballspiele überhaupt: dem Finale um die nationale College-Meisterschaft vor 72.000 Zuschauern im Football-Stadion von Indianapolis. Gasser's Badgers verloren knapp gegen die University of Duke mit 63:68, dennoch war es für ihn eines der beeindruckendsten Erlebnisse überhaupt. Mit seinen ehemaligen Teamkollegen Frank Kaminsky und Sam Dekker, die nun in der NBA aktiv sind, tauscht er sich täglich über eine WhatsApp-Gruppe aus: „Sie haben bisher noch nicht so viele Minuten gesehen. Ich bin aber sicher, dass sie ihren Weg dort gehen werden“, sagt Josh zu den Chancen seiner Kumpels in der nordamerikanischen Basketballliga.
  
Seinen eigenen Weg schlug auch der Guard direkt nach Beendigung seines Studiums ein, das er mit einem Diplom in Business Marketing abschloss: „Ehrlich gesagt war es mir klar, dass ich im Draft nicht gezogen werde. Danach habe ich mich recht schnell entschlossen, dass ich nach Europa gehen möchte. Ich war definitiv bereit für diese Erfahrung und die BBL ist eine interessante Liga, in der viele Amerikaner spielen. Der teamorientierte, eher defensive Ansatz unserer Mannschaft passt gut zu meinem Spielstil.“ 
Der Start in der neuen Heimat fiel dem Löwen-Guard nicht leicht, verließ er doch zum ersten Mal sein gewohntes Umfeld im Norden der USA. Sportlich läuft es mittlerweile für den 23-Jährigen recht positiv. Ausgerechnet im Spiel gegen seinen Kumpel Jordan Taylor feiert er mit 12 Punkten, 4 Rebounds sowie 3 Assists seinen Durchbruch und gibt der Mannschaft viel Energie von der Bank. Am College noch als Verteidigungsspezialist bekannt, und von seinen Mitspielern liebevoll „Captain America“ genannt, hat Josh im Löwen-Team speziell offensiv eine erhebliche größere Verantwortung. Anstatt nur auf den offenen Dreier zu lauern, fordert Coach Raoul Korner von ihm außerdem, das Spiel der Mannschaft zu dirigieren und für sich und seine Mitspieler Würfe zu kreieren. „Ich bin mir sicher, dass ich die Fähigkeiten habe, um diese Rolle auszufüllen. Allerdings muss ich dazu noch aggressiver auf dem Platz sein, es verstehen, meine Teamkollegen besser einzusetzen und darüber hinaus mein Pick-and-Roll-Spiel verbessern.“
Ein signifikanter Unterschied zum College ist für Josh außerdem die größere Zeitspanne zwischen den einzelnen Spielen: „Am College hatten wir teilweise alle drei, vier Tage ein Spiel. Dagegen spielen wir hier meist nur ein Spiel pro Woche. Besonders nach dem Spiel gegen Ludwigsburg war es hart, so lange auf das nächste warten zu müssen. Du denkst ständig an die Partie und an bestimmte Szenen, kannst aber nicht wirklich etwas dagegen tun.“

Abseits des Basketballfeldes ist Josh begeistert von der neuen Heimat, schlendert besonders gerne durch die Schloss-Arkaden und probiert mit den Teamkollegen verschiedenste Restaurants aus – wenn es die Zeit zulässt oder er sich nicht selbst an den Herd stellt. „Ich habe tatsächlich angefangen zu kochen. Am College wurden uns noch jeden Tag zwei Mahlzeiten bereitgestellt, da musste ich mir über dieses Thema keine Gedanken machen. Eine Freundin gibt mir aber immer gute Tipps und es funktioniert wirklich gut. Vor allem ist es gesund, ich habe Spaß dabei und es schont den Geldbeutel“, sagt er mit zwinkerndem Auge. Im Dezember bekommt Josh Besuch aus den USA von seiner Freundin, die drei Wochen in Deutschland bleiben wird, und sich als Erste von seinen Kochkünsten überzeugen kann. Über seinen ersten Einkauf in einem Supermarkt – außerhalb der USA - kann er mittlerweile lachen: „Ich bin dort fast anderthalb Stunden herumgelaufen, weil ich die Etiketten nicht verstehen konnte. Jetzt weiß ich natürlich, wonach ich suchen muss, wenn ich z.B. ,chicken breast, oder ,meat' kaufen möchte.“

Trotz vieler neuer Aufgaben und einem neuen, ungewohnten Umfeld hat Josh sich mittlerweile in Braunschweig eingelebt, auch dank der neuen Teamkollegen: „Anfangs hatte ich sehr viele Fragen. Aber die älteren und erfahreneren Spieler haben mir ungemein geholfen. Kenny war vor drei Jahren in einer ähnlichen Situation wie ich und konnte mir daher wichtige Tipps geben. Corny wohnt nur zwei Blöcke von mir entfernt und half mir vom ersten Tag an, wir liegen auf einer Wellenlänge. Aber auch Nico und Lucas unterstützen mich viel.“ Diese gegenseitige Unterstützung spiegelt sich nicht nur neben, sondern auch auf dem Spielfeld wider. Denn die Basketball Löwen präsentieren sich als echte Einheit, auch wenn mal ein Spiel wie in Berlin gegen Gasser's Kumpel Jordan Taylor verloren geht. 


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