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Immer positiv gestimmt und mit einem Lächeln auf den Lippen: unser Headcoach Pete Strobl. Foto: SoulClap Media

Pete Strobl im Interview: „Wir wollen immer wie verrückt kämpfen“

21.08.2019

Unsere Löwen befinden sich seit zwei Wochen in der Vorbereitung auf die neue easyCredit BBL-Saison. Im Interview spricht unser Headcoach Pete Strobl u.a. über seine Eindrücke aus den ersten Trainingswochen, wie er die Rolle als Headcoach erlebt und worauf er aktuell den Fokus legt.


Du bist knapp drei Wochen hier. Wie gefällt dir und deiner Familie Braunschweig?

Pete Strobl: Meine Frau und ich haben es schon sehr genossen, durch die Stadt zu gehen und sie zu entdecken. Braunschweig ist toll und von wunderschöner Architektur geprägt. Natürlich sind neue Dinge immer aufregend. Aber hier gibt es einen interessanten Mix aus Neu und Alt und zwischen Natur und städtischer Atmosphäre. Außerdem finde ich die Parkanlagen toll, die viele Möglichkeiten für die Kinder zum Spielen bieten. Mein erster Eindruck ist also sehr, sehr positiv und wir fühlen uns sehr wohl. Aber ich habe auch einen Kritikpunkt: Es gibt nicht genug Basketballkörbe in der Stadt (lacht).

Wo wir schon beim Thema Basketballkörbe sind: Wie sind die ersten beiden Trainingswochen verlaufen und welchen Eindruck hast du bislang von der Mannschaft?

Ein paar Spieler hatten Verletzungen und konnten nicht trainieren. Aber davon abgesehen sind die ersten Wochen super verlaufen. Sebastian (Schmidt), meine Trainerkollegen und ich haben viel Arbeit investiert, um gute Typen zu finden, die hart arbeiten, hungrig sind, etwas zu beweisen haben, aber auch ambitioniert sind sowie ihre Ziele verfolgen. Wir haben Spieler mit dieser Mentalität gesucht, weil sie uns helfen werden, unsere Klub-Ziele zu erreichen. Und ich glaube, wir haben da einen guten Job gemacht. Die Arbeit mit der Mannschaft macht unglaublich viel Spaß, es fühlt sich nicht wirklich nach Arbeit an. Und ich muss mich bei Sebastian bedanken, der mir die Möglichkeit gibt, jeden Tag mit Menschen zusammen zu arbeiten, die die gleiche Mentalität haben wie ich. 

Nach den ersten Trainingseindrücken muss ich unsere deutschen Spieler loben. Ich bin davon überzeugt, dass sie toll sein werden. Unsere Fans werden die Jungs lieben, weil sie mit Leidenschaft spielen. Sie arbeiten auf eine Art und Weise, wie jeder Coach es gerne hat und ich bin mir sicher, dass sie die Stadt und die Fans begeistern werden. Außerdem ist es etwas Besonderes, dass viele der verpflichteten Spieler länger als nur eine Saison hier sein werden. Es sind also nicht nur die ersten Wochen der Saison, sondern es sind die ersten Wochen der nächsten Jahre. Wir bauen jetzt etwas auf und pflanzen die Samen für einen langfristigen zukünftigen Erfolg. Und das ist wirklich spannend und aufregend. 

Kommen wir weiter auf die ersten Trainingswochen zu sprechen. Worauf legst du da den Fokus? 

Grundsätzlich steht bei mir die Verteidigung immer ganz weit oben, auch jetzt in den ersten Wochen der Vorbereitung. Aber oberste Priorität hat, dass wir immer wie verrückt um jeden Ball, um jeden Rebound und um jede Chance kämpfen. Das sollte unsere Mentalität und unser Fokus auf dem Parkett sein. Die Fans sollen sehen, dass wir hart spielen – zusammen und für sie. Das heißt: Wir wollen dem Gegner das Punkten mit unserer Verteidigung so schwer wie möglich machen. Wir wollen es seinem besten Spieler so schwer wie möglich machen, gut zu spielen. Und wir wollen es dem Gegner insgesamt so schwer wie möglich machen, seinen Gameplan umsetzen zu können. Es ist sehr wichtig, dafür einen Athletiktrainer zu haben, der unsere Spieler jetzt so vorbereitet, dass sie die dafür benötigte Energie aufbringen können. Und da muss ich unserem Athletiktrainer Alvaro meine Anerkennung aussprechen. Er hört mir und meinen Plänen und meinen Wünschen immer zu und sorgt dafür, dass die Körper unserer Spieler bereit sind, um unsere Vorhaben umzusetzen. Seine Vorbereitung mit den Spielern ist toll. Er lässt sie intensiv arbeiten und fordert sie stark heraus. Aber das ist die Preseason und jeder weiß, dass die hart ist. 

Im defensiven und physischen Bereich läuft die Vorbereitung also auf Hochtouren. Wie sieht es denn im offensiven Bereich aus, gerade auch im Hinblick auf das erste Testspiel (nicht-öffentlich), das ihr heute Abend bestreitet? 

Wir haben dem Training ein paar Bestandteile unseres Offensivspiels zugefügt. Aber um ehrlich zu sein, sind wir da noch nicht so weit. Ich habe immer ein bisschen Schwierigkeiten damit, wenn Coaches in eine neue Situation kommen und sie die Spieler in der Offensive in ein bestimmtes System drücken wollen, das vorher funktioniert hat und viel von dem enthält, was sie als Coach selbst gerne mögen. Ich brauche noch Zeit, um herauszufinden, worin meine Spieler gut sind. Können sie werfen? Dann brauche ich für sie ein System zum Werfen. Können sie passen? Dann brauchen wir dafür ein System. Wir wollen unsere Zeit klug nutzen, um unsere Grundlagen ins Training einzubauen. In der Offensive wird das noch etwas dauern. Aber wenn wir soweit sind, wird es ein schön anzusehender Basketball sein, weil die Spieler viele Freiheiten bei den Dingen bekommen werden, in denen sie gut sind. Wir brauchen aber vor allem noch Zeit, um ihnen die richtige Entscheidungsfindung beizubringen. Ich glaube, das ist die größte Herausforderung für uns. 

Wo du gerade den Punkt „Herausforderung“ ansprichst: Wie hast du denn deine ersten Wochen als Headcoach erlebt?

Es ist so, wie ich es erwartet habe. Der Job bringt all das mit, was man von ihm erwartet und was damit an Stressfaktoren in Verbindung gebracht wird. Aber ich habe ein eigenes Unternehmen geführt, bin Vater von vier Kindern und bin es gewohnt, stark in Gespräche, Konfliktbearbeitung und Problemlösung involviert zu sein. Das sind Kenntnisse, die mir zusätzlich zu meiner Kommunikationsstärke geholfen haben und helfen. Für mich war es auch keine große Umstellung, jetzt Headcoach zu sein. Denn ich habe mich schon als Headcoach gefühlt, bevor ich ein Headcoach war – einfach bedingt dadurch, wie ich mein Leben lebe und wie ich Dinge angehe und umsetze. Headcoach zu sein, fällt mir also nicht schwer und ich muss ehrlich sagen, dass ich einfach genieße, was ich tue und Spaß daran habe, Spieler besser zu machen. 

Wie würdest du dich selbst als Trainer beschreiben? 

Ich würde mich als einen Trainertypen beschreiben, der weiß, was er will und wie er das erreichen kann. Ich weiß, wie ich mit Spielern reden muss, damit sie auch verstehen, was ich von ihnen möchte. Als Coach bin ich anpassungsfähig, wenn es darum geht laut oder leise oder verständnisvoll oder kritisch zu sein. Ich gehe ehrlich mit den Spielern um und bin sehr klar. Ein Spieler wird bei mir immer wissen, woran er ist und was ich von ihm halte. Bei mir gibt es keine Spielchen oder Tricks. Wenn ich zufrieden bin, dann sage ich das. Das gilt allerdings auch, wenn ich sauer bin. 

Und letzte Frage: Wie aufgeregt bist du mit Blick auf den Saisonstart? 

Super aufgeregt. Ich kann's kaum erwarten. Ich versuche wirklich sehr, mich nicht zu sehr auf Dinge zu freuen, die in der Zukunft liegen. Denn das bedeutet, dass ich den heutigen Tag überspringen würde. Und ich möchte versuchen, für jeden Tag und für alles, was wir haben, dankbar zu sein. Aber: Natürlich freue ich mich riesig auf den Saisonstart. Doch bis dahin will ich jedes Training und jede einzelne Session, die wir zur Vorbereitung haben, genießen.

Vielen Dank, Pete.


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