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Für BJ Blake ist Basketball zu spielen das Größte. Foto: Christian Lindenau

BJ Blake: „Basketball ist mein Lebensretter“

18.12.2018

Brayon – oder wie er lieber genannt wird – "BJ" Blake stammt aus einer sportbegeisterten Familie mit Wurzeln in New Orleans. Im Süden der USA dominiert American Football als Sportart und hier war BJ's Onkel Doug Williams eine große Nummer. Der heute 63-Jährige spielte von 1986 bis 1989 für die Washington Redskins, gewann den Super Bowl und wurde zum Super Bowl MVP gewählt. Außerdem ist er Mitglied der College Football Hall of Fame und befindet sich auf der Liste der 80 besten Spieler, die jemals bei den Redskins gespielt haben. BJ fand die Karriere seines Onkels schon beeindruckend, aber für ihn war immer klar, dass er sein eigenes Ding machen wollte. Und das war Basketball. „Ich habe Basketball schon immer geliebt und konnte es einfach“, sagt der meistens gut gelaunte, aber auch sehr emotionale 23-Jährige, der sein bisheriges Leben als Achterbahn bezeichnet.


BJ wuchs mit zwei Geschwistern und seiner Mutter auf, sein Vater war nicht da. Die Familie zog oft um und so war BJ's Kindheit von vielen Wechseln geprägt. Schulen wechselten, die Umgebung wechselte und Freunde wechselten. Dabei waren Letztgenannte in seinen jungen Jahren für ihn das Wichtigste. „Ich war immer mit meinen Freunden unterwegs, sie waren für mich sowas wie Brüder und von ihnen bekam ich die Unterstützung und Aufmerksamkeit, die mir zu Hause fehlte. Meine Mutter hat immer versucht, für uns da zu sein. Ich liebe sie auch über alles, aber sie konnte mir damals nicht so recht das geben, was ich brauchte. Und sie hat auch nicht wirklich nachvollziehen können, weshalb mir Basketball spielen so wichtig war und ich mich darauf fokussieren wollte“, sagt der 23-Jährige nachdenklich. Und so war er kaum zu Hause, sondern pendelte viel zwischen seinen Kumpels hin und her.

„Es war keine leichte Zeit“, sagt BJ rückblickend. Und das ein oder andere Mal haderte er massiv damit, dass er seine Familie vermisste und erlebte, welche Unterstützung seine Freunde von ihren Familien bekamen. Auch in der Schule lief es eher schlecht als recht. Zwar beendete er die High School, doch reichte sein Notendurchschnitt nicht für ein College-Team in der NCAA. Und so ging BJ erstmal an ein Junior College, um sich von dort hochzuarbeiten. „Ich bin damals kaum zur Schule gegangen und hatte auch keine Transportmöglichkeiten, um hinzukommen. So habe ich es verpasst, gleich direkt aufs College zu gehen und musste einen Umweg machen.“ Der Small Forward aus Seattle (Washington, USA) ging zuerst auf das Junior College Cochise CC in Arizona, wo er eine erfolgreiche Saison hatte. Im Jahr darauf wechselte ans Junior College North Idaho und überzeugte erneut. Schließlich wurde ihm der Wechsel in die NCAA zur University of Idaho angeboten und BJ unterschrieb sofort.

„Ich habe nie aufgegeben und sehr hart dafür gearbeitet“, sagt der sympathische US-Amerikaner. Doch stellte seine erste Saison für die Vandals ihn erneut vor eine Probe. Denn anders als in den Jahren zuvor kam er erstmals von der Bank. Am College zu spielen, war für BJ eine große Umstellung und er musste vieles dazu lernen. Und obwohl er das gut meisterte und zum Newcomer des Jahres wurde, hatte er doch überlegt, nach nur einer Saison die Flinte ins Korn zu werfen. „Ich habe mir dann aber gesagt, dass ich schon so oft hin und her gewechselt bin und das jetzt durchziehen muss. Den Sommer über habe ich dann extrem hart und viel trainiert und anschließend eine sehr starke Senior-Saison gespielt“, so BJ. Über die gesamte Saison 2017/18 gesehen erzielte der athletische Forward zwölf Mal ein Double-Double, punktete 26 Mal im zweistelligen Bereich und versenkte obendrein starke 45 Prozent seiner Dreipunktewürfe. Seine guten Leistungen brachten ihm die Nominierung in das All Big Sky Conference First Team ein, ehe er im vergangenen Sommer eine Einladung in die NBA Summer League erhielt. „Ich habe zwar nicht viel gespielt, aber es war für mich etwas ganz Großes, dass ich diese Chance erhalten habe“, sagt BJ mit einem Strahlen in den Augen.

Und dann kam der Wechsel nach Deutschland zu den Löwen. Wieder eine neue Situation, wieder viele unbekannte Menschen, wieder eine Herausforderung. Aber der Wechsel fiel BJ leicht. Heimweh? Hatte er nicht, denn er war ja vorher auch nur wenig zu Hause gewesen. Stattdessen sagt er: „Wenn mich Leute zu Hause fragen, ob ich zurückkommen will, dann antworte ich mit einem klaren Nein. Europa und Deutschland sind perfekt für mich. Ich fühle mich hier wie zu Hause.“ Alles sei viel friedlicher als in den USA, das Essen gesünder, und man müsse nicht so viel Angst vor Verbrechern haben. An das neue Leben in Europa gewöhnte BJ sich schnell, auf dem Parkett brauchte er allerdings etwas länger, um seine Rolle zu finden. Am College spielte er mehr innen auf der Position 4. Bei den Löwen hat er die Rolle auf der Position 3 übernommen, weshalb sich sein Spiel mehr nach außen verlagert hat. „Ich musste mich daran erst gewöhnen. Aber ich bin mit meiner neuen Rolle sehr zufrieden und liebe sie“, sagt BJ glücklich. Für ihn sei es ein Segen, dass er sich in Braunschweig und in der BBL mit starken Spielern messen und sich auf diesem Wege verbessern kann. Das ist ihm bereits erfolgreich gelungen. In den vergangenen Spielen hat er nahezu konstant zweistellig gepunktet, seine Trefferquoten nach oben geschraubt und auch defensiv einen guten Job gemacht. „Ich denke, ich bin in der Liga angekommen“, sagt BJ mit einem Lachen.

Überhaupt lacht er viel. „Der Grund ist einfach. Ich spiele Basketball und das ist für mich das Größte. Außerdem glaube ich daran, dass gute Dinge nur dann passieren, wenn man positiv ist und denkt.“ Das hat BJ all die Jahre trotz vieler Widrigkeiten getan und ist beim Basketball dran geblieben. Das hat ihm Halt und eine Perspektive gegeben. „Und deshalb ist das Basketballspielen für mich auch sowas wie mein Lebensretter.“


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