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Oliver Braun hat nach dem positiven Saisonstart allen Grund zur Freude. Foto: Ingo Hoffmann/PartnerDesign

„Wollen uns stabil präsentieren und Emotionen transportieren“

18.10.2013

Das REBOUND-Team hatte sich vor dem letzten Heimspiel gegen Bremerhaven mit New Yorker Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun zum Interview getroffen. Hier gibt es Auszüge des Interviews, das komplett in der letzten REBOUND-Ausgabe (Nr. 3) zu lesen war und in dem Oliver Braun unter anderem zum Saisonstart, der Entwicklung der Liga und den Zielen in dieser Saison befragt wurde.


Die Saison hat gut begonnen. Insgesamt war es ein Auftakt, mit dem du zufrieden sein dürftest. Hattest du das erwartet?

Oliver Braun: Ich bin durchaus zufrieden mit dem Saisonauftakt – und habe das so erhofft, aber sicherlich nicht erwarten können. Aber die Saison ist noch sehr lang und wir müssen konstant performen, daran werden wir dann gemessen. Wenn man so wie ich alle Spiele der Vorbereitung verfolgt hat, dann konnte man sich einen Eindruck von dem Potenzial der Mannschaft machen und das Gefühl bekommen, dass ein guter Start möglich sein würde. Aber mit so einer Vermutung geht man nicht hausieren, zumal wir Druck auf das Team und den Trainer vermeiden wollen und das Team aktuell noch zu tagesabhängig Leistung abruft.

Man hatte das Gefühl, dass die Mannschaft das Publikum sehr angesprochen hat. Vor allem Isaiah Swann, aber auch Aaron Doornekamp oder James Florence zeigten Emotionen und nahmen die Fans so mit auf die Reise. War der Faktor „Emotionalität“ auch ein Kriterium bei der Kaderzusammenstellung?

Oliver Braun: Unser Fokus bei der Kaderplanung lag neben den spielerischen Qualitäten zum einen darauf, Spieler zu verpflichten, die hier in Braunschweig bereits bekannt sind und somit die Identifikation fördern. Dieses Kombination gelingt natürlich nicht immer. Unterm Strich stehen in unserem Kader neun Spieler, die das Braunschweiger Publikum bereits kennt. Zum anderen war der Faktor Emotionalität natürlich auch von Relevanz, und wir wussten von dieser zusätzlichen Eigenschaft bei z.B. Isaiah (Swann) oder auch Aaron (Doornekamp). Diese beiden Komponenten „Emotionalität und Identifikation“ in Kombination sind neben einer attraktiven Spielweise wichtig und deshalb spielten sie auch eine Rolle bei der Spielerrekrutierung.

Insgesamt ist der Phantoms-Kader in dieser Saison mehr auf „small ball“ ausgerichtet und beinhaltet dementsprechend Guard-lastigen und schnelleren Basketball mit oftmals frühzeitigen Abschlüssen. Glaubst du, dass sich dieser Spielstil im Gegensatz zum systematischen Basketball in der Beko BBL auf Dauer durchsetzen wird?

Oliver Braun:
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Beko BBL immer Guard-orientierter wird. Diese Spielweise hat sich in den letzten zwei, drei Jahren kontinuierlich entwickelt und ist gegenwärtig Trend. Wir müssen da mit der Entwicklung gehen und gucken natürlich auch, wie die Konkurrenz verpflichtet und sich taktisch ausrichtet. Faktisch sieht es aktuell so aus, dass die Top-Klubs wie Bamberg, München, Berlin etc., die auch im europäischen Wettbewerb vertreten sind, mehr auf großen systemorientierten Basketball setzen, während die Vereine im „Mittelfeld“ mehr „Guard-Terror“ bzw. kleinen Ball spielen.

Phoenix Hagen zum Beispiel scheint mit der taktischen Ausrichtung a là „run and gun“ (kick and rush) der letzten Saison weiterhin erfolgreich zu sein und macht dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Was wird ein Mittel sein, um die „Feuervögel“ in einer Woche (26.10.) besiegen zu können?

Oliver Braun:
Unser diesjähriger Kader ist offensiv stärker als letzte Saison, was uns gegen Hagen bessere Möglichkeiten einräumt. Wenn man jedoch den Plan verfolgt, mit Hagen „mitzulaufen“ und sich dabei auf die Offensive verlässt, dann wird man das über alle vier Viertel tun müssen – wenn nicht, wird man in einem Viertel überlaufen. Da dies aber sehr schwierig ist, wird es vor allem auf unsere Defensive ankommen. Wir werden versuchen müssen, Hagens Offensive zu stoppen und darüber das Spiel zu gewinnen.

In der Beko BBL ist zu beobachten, dass fast alle Klubs aufgerüstet haben. Unabhängig von den finanzstarken Teams wie Bamberg, München etc. hat die direkte Konkurrenz wie zum Beispiel Bayreuth oder Bonn stark verpflichtet. Wie bewertest du diese Entwicklung?


Oliver Braun:
Es ist natürlich positiv, dass die Liga immer stärker wird. Sie entwickelt sich gegenwärtig extrem schnell und gehört aktuell zu den Top-4-Ligen in Europa. Das ist super und etwas, das wir auch in Gesprächen mit Agenten spüren. Die Liga ist für Agenten wie Spieler sehr interessant geworden. Allerdings formulieren sie teilweise auch sehr hohe Gehaltsforderungen, was Klubs wie München vielleicht zahlen können, wir aber definitiv nicht. In diesem Punkt ist München auch Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite ist es gut, den FC Bayern in der Liga zu haben, auf der anderen Seite machen sie für uns die Marktpreise kaputt. Unterm Strich bedeutet die Ligaentwicklung aber vor allem, dass wir da mitziehen müssen. Denn wer das nicht tut, rutscht schnell ab. Mit unserem heutigen Kader hätte man die Playoffs noch vor drei, vier Jahren nicht verpassen dürfen. Jetzt hingegen ist die Qualitätsdichte so eng, dass es immer schwieriger wird.


Was wird dafür nötig sein, um in die Playoffs einzuziehen?

Oliver Braun:
Ich gehe immer positiv an eine Sache heran und freue mich, dass die Fans, Zuschauer und Partner das Team gut anzunehmen scheinen. Allerdings sträube ich mich davor im September und Oktober schon über das Ende einer Saison und Spekulationen für Playoffs zu diskutieren, auch wenn es natürlicherweise immer bei mir im Kopf ist. Hierzu müssen wir nur in die letzte Saison oder zu unseren Kollegen der Eintracht bzw. Lions schauen. Für eine gute oder optimale Saison müssen viele Faktoren wie beispielsweise Gesundheit, Unterstützung, Konstanz eintreten. Im Kampf gegen die direkten Konkurrenten müssen wir positiv herausgehen. Das sind dann die sogenannten „Vier-Punkte-Spiele, die man für sich entscheiden muss. Denn das Mittelfeld wird meiner Einschätzung nach wieder sehr eng sein und da zählt einfach jeder Sieg. Das bedeutet aber auch, dass es für die Zuschauer erneut eine spannende Saison zu werden scheint – was will man mehr (lacht)?

Wo wir gerade beim Thema Spannung sind: Gibt es in dieser Saison etwas, auf das du persönlich besonders gespannt bist?


Oliver Braun:
Ja, der Spitzenkampf hat für mich eine besondere Brisanz. Ich bin wahrlich gespannt, wie sich die Top-Klubs um Bamberg, München, Berlin, Oldenburg und Ulm da oben duellieren werden und ob nicht vielleicht ein Underdog ein Wörtchen mitredet. Zudem interessiert mich, wie sich u.a. Bayreuth, Ludwigsburg und Bonn nach der starken Aufrüstung in dieser Saison schlagen. Da werde ich auch ein Auge drauf haben. Aber gegen uns hat Bayreuth z.B. ja bereits gezeigt, wie stark sie in dieser Saison sind.

Und zum Abschluss: Was wünschst du dir für diese Saison? Was ist dein Ziel mit den New Yorker Phantoms?


Oliver Braun:
Wir wollen uns stabil präsentieren und nach Außen eine emotionale Wirkung transportieren. Wir möchten erreichen, dass die Zuschauer sich mit uns identifizieren und gerne in die Volkswagen Halle zu unseren Spielen kommen und damit einhergehend dann auch die Zuschauerzahlen steigern. Natürlich – und das muss man ich nicht besonders erwähnen – wünsche ich uns auch sportlichen Erfolg. Wir werden auf jeden Fall alles versuchen!


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