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„Wir wollen Kinder bundesweit für Basketball begeistern!“

05.12.2011

Henning Harnisch, ehemaliger Nationalspieler, Europameister von 1993 und heutiger Vizepräsident bei Alba Berlin, besuchte am Mittwoch die Löwenstadt, um sich bei den New Yorker Phantoms über das Braunschweiger Basketball-Programm zu informieren. Das passierte nicht ohne Grund, plant die Beko BBL doch ein Projekt, das ein groß angelegtes Grundschulprogramm anstrebt.


Henning Harnisch, ehemaliger Nationalspieler, Europameister von 1993 und heutiger Vizepräsident bei Alba Berlin, besuchte am Mittwoch die Löwenstadt, um sich bei den New Yorker Phantoms über das Braunschweiger Basketball-Programm zu informieren. Das passierte nicht ohne Grund, plant die Beko BBL doch ein Projekt, das ein groß angelegtes Grundschulprogramm anstrebt. Das Online-Team der New Yorker Phantoms sprach mit ihm über die Ziele und Gründe dieses Konzeptes.

Die Beko BBL arbeitet derzeit an einem Konzept, das den Aus- und Aufbau von Basketball Schul AGs vorsieht. Wie kann man sich das genau vorstellen?
Henning Harnisch: Die Idee war, dass man sich zunächst innerhalb der Liga in einer Arbeitsgruppe ausgetauscht hat und nun überlegt, was man tun kann, um den Sport und Basketball in Grundschulen besser zu etablieren. Profivereine können an ihren Standorten eine Vorreiterfunktion übernehmen, die für die Etablierung von AGs an Schulen notwendig ist. Zumal ein Profiklub durch seine Kompetenz leichter Vernetzungen herstellen kann als kleinere Vereine und von seiner Strahlkraft profitiert. 
 
Was soll mit diesem Konzept erreicht werden?
Henning Harnisch: Unser Ziel ist, Kinder bundesweit für Basketball zu begeistern, sie für diesen Sport zu gewinnen und entsprechende Strukturen für ihre Entwicklung zu schaffen. Dadurch soll einerseits der Schulsport, aber auch das Vereinswesen in seinen Strukturen gestärkt und attraktiver werden. Generell wollen wir zusammen mit Trainern und Sportlehrern Basketball AGs an Grundschulen aufbauen. Es geht also nicht darum, nur etwas für die Profivereine zu tun, sondern für alle Beteiligten, sprich: Kinder, Schulen, Vereine und Profiklubs.  

Wie genau können das Vereinswesen und Profivereine davon profitieren?
Henning Harnisch: Vereine der Stadt können in das AG-Programm integriert werden. Zudem erhoffen wir uns, dass so noch mehr Kinder den Weg in Vereine finden und diese dadurch überlebensfähig bleiben. Der Profiverein hingegen profitiert durch seine Stellung als Sozialakteur, die er innerhalb der Stadt einnimmt: Er kümmert sich um Kinder, stabilisiert das Vereinswesen und generiert im besten Fall sogar Arbeitsplätze. Ein weiterer Pluspunkt liegt auf diesem Wege natürlich in der Nachwuchsförderung, die durch Schul AGs in einem frühem Stadium stattfindet.

Warum sollen die AGs ausgerechnet an Schulen etabliert werden?
Henning Harnisch: Obwohl wir in einem föderalen System leben, setzen sich bundesweit immer mehr Ganztagsschulen durch, die das Verhältnis von Schule, Sport und Verein in erhöhtem Maße beeinflussen. Wenn ein Kind bis 16 Uhr Schule hat, ist es eigentlich nicht mehr sinnvoll, dass der Sport danach richtig losgeht. Lassen wir aber diese AGs innerhalb der Schulzeit einfließen, schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe: Die Kinder kommen mit Basketball in Berührung, wir schaffen eine Verknüpfung zwischen Schule und Verein und Basketball etabliert sich grundsätzlich an Schulen.

Braunschweig verfügt mit Phantoms@School und dem IGS Franzsches Feld Förderprogramm bereits  über zwei Pfeiler, die der Idee der Beko BBL nahekommen. Wie bewerten Sie diese Programme?
Henning Harnisch: Das Förderprogramm der IGS FF kann ich leider noch nicht beurteilen, da ich es nicht kenne. Aber grundsätzlich freut es mich sehr, dass die Grundlagen in Braunschweig für die Basketball AGs komplett vorhanden sind. Hier stünden wahrscheinlich genügend Lehrer zur Verfügung, es gibt ein Profi-, Zweitliga- und auch NBBL-Team, einen Sportdirektor, dem die Entwicklung der Jugend wichtig ist und mit Jan Erdtmann einen motivierten Mitarbeiter auf Seiten der Phantoms, der sehr engagiert wirkt und Lust hat, hier im Bereich der Schulen etwas auf die Beine zu stellen. Für das Schulprogramm der Beko BBL gilt jedoch, dass es sich nicht nur an Talente richtet. Ganz im Gegenteil: Es ist ein Angebot für alle!

In welcher Form unterstützt die Beko BBL das Schul AG-Konzept?
Henning Harnisch: Die Beko BBL sorgt für die Vernetzung der Bundesligavereine, sammelt die Ideen und übernimmt jegliche Koordination. Zudem stellt sie die Aus- und Fortbildung in Richtung der notwendigen Trainerlizenzen sicher, die erforderlich werden. Denn wir sind der Ansicht, dass dieses Projekt nur Erfolg haben kann, wenn die Trainer Spaß am Basketball haben, aber auch entsprechend qualifiziert sind.

Welche Funktion haben Sie innerhalb dieses Projektes?
Henning Harnisch: Ich bin in diesem Projekt zusammen mit Florian Gut aus Bamberg im Auftrag von Jens Staudenmeyer als Supervisor der Beko BBL aktiv. Ich besuche alle norddeutschen Bundesliga-Clubs, um mir vor Ort die Situation anzuschauen, Möglichkeiten bewerten zu können, Visionen und Ideen zu sammeln, aber auch, um die Bereitschaft des Profivereins abzuklopfen. Im Fall von Braunschweig kann ich sagen, dass die Bereitschaft sehr groß ist und die Idee auf Zustimmung stößt.

Warum haben Sie sich dieser Aufgabe angenommen?
Henning Harnisch: Ich finde das Thema Ganztagsschule sehr aufregend. Man hat in der Vergangenheit immer sehr viel über die negativen Veränderungen zwischen Schule und Sport gesprochen, aber kaum darüber, welche tollen Chancen darin liegen. Meiner Meinung nach etabliert sich die Beko BBL immer mehr als Ausbildungsliga und wir machen hier große Schritte. Das Grundschulprogramm ist da der nächste logische Schritt. Und das auf- und auszubauen ist eine wirklich tolle Aufgabe.

Das Interview führte Fabienne Buhl


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