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„Wir können zum jetzigen Zeitpunkt der Saison noch nicht stabil sein“

23.10.2012

Die Saison 2012/2013 ist knapp drei Wochen alt, doch für den neuen Cheftrainer der New Yorker Phantoms Kostas Flevarakis ist schon viel passiert. Im letzten REBOUND-Magazin sprach der Headcoach über die Gründe für den wechselhaften Start, die Erwartungshaltung und den Druck bzw. Wunsch, sportlich erfolgreich zu sein. Hier gibt es einen Auszug des Interviews...


Du bist seit zweieinhalb Monaten hier. Wie hast Du Dich eingelebt und wie kommst Du in Braunschweig zurecht?

Kostas Flevarakis: Da mein Job viel Zeit einnimmt und ich manchmal so tief in dem versunken bin, was ich tue, konnte ich leider noch nicht so viel von Braunschweig erleben. Aber ich kann behaupten, mich hier sehr wohl und gut aufgenommen zu fühlen. Braunschweig hat die richtige Größe für mich und ich spüre hier viel Disziplin, Ruhe aber auch eine sehr familiäre Atmosphäre.

Bist Du auf Dinge gestoßen von denen Du sagen würdest: Das ist typisch deutsch?

Kostas Flevarakis: Ich war vor einigen Jahren Trainer in Schweden und die dort gemachten Erfahrungen helfen mir, mich schneller an gewisse Begebenheiten in Deutschland zu gewöhnen. Hier gibt es sehr viele Regeln und daran hält man sich. Das ist natürlich richtig und ich bin keinesfalls eine Person, die Regeln brechen möchte. Aber es gibt Situationen, in denen ich wünschte, dass wir etwas flexibler arbeiten könnten und wir nicht immer den „Behördenweg“ gehen müssten. Zum Beispiel wenn wir den Trainingsplan umgestalten müssen, dies aber nicht spontan geht, weil uns keine Hallenzeiten zur Verfügung stehen. Selbst wenn die Halle zu diesem Zeitpunkt frei sein sollte, können wir nicht einfach reingehen und sie beanspruchen. Das ist natürlich korrekt, weil die Zeiten eben vorher beantragt werden müssen. Dennoch ist es in solchen Momenten schwer für mich, das zu akzeptieren und daran muss ich mich gewöhnen. In Griechenland war die Situation einfacher: Dort gibt es mehr Trainingshallen und Basketball hat einen höheren Stellenwert.

Gewöhnen“ ist das Stichwort: Inwieweit musst Du Dich noch an die Beko BBL gewöhnen?

Kostas Flevarakis: Schon noch etwas. Aber das ist normal, wenn man eine neue Saison in einer neuen Liga bestreitet. Man muss die gegnerischen Mannschaften sowie den Spielstil kennenlernen und sich an die neuen Schiedsrichter anpassen (lacht). Aber das gilt nicht nur mir, sondern vor allem dem Team. Für mich ist es die fünfte Liga, in der ich arbeite, und ich war auch für die schwedische Nationalmannschaft tätig. Ich kenne solche Situationen also. Aber wir haben junge Spieler, die wenig (internationale) Erfahrung haben und folglich Zeit brauchen. Gleiches gilt für Spieler wie Dennis Schröder, Nick Schneiders aber auch Nils Mittmann und Robert Kulawick. Sie haben eine wichtigere Rolle als in der Vergangenheit und müssen sich daran ebenfalls gewöhnen. Aber wir glauben, das dies der richtige Weg ist und sich das am Ende auszahlen wird.
Was die Liga betrifft: Hier wird viel Tempo-Basketball gespielt. Ich möchte aber, dass wir nicht nur schnell spielen sondern wissen, wann wir zu stoppen haben. Wir müssen das Spiel besser lesen und mehr mit dem Kopf spielen. Wir arbeiten daran, diese Aspekte zu kombinieren – aber auch das braucht Zeit. Bonn hat es da z.B. einfacher. Sie haben den Kern des Teams gehalten, was uns nicht möglich war, und auch der Trainer ist geblieben. Die Philosophie ist die gleiche wie zuletzt und Spieler wie Jordan, Ensminger oder Veikalas mussten sich nicht umstellen. In so einer Situation ist es für neue Spieler einfacher, schnell ihre Rolle zu finden.

Wie weit ist das Team gegenwärtig in seiner Entwicklung?

Kostas Flevarakis: Das ist schwer zu sagen. Denn unabhängig davon, dass wir in dieser Saison einen Neuanfang mit neuem Trainer und neuen Spielern gestartet haben, darf man nicht vergessen, dass wir in der Vorbereitung unsere Probleme hatten. Im Frontcourt stieß Eric Boateng sehr spät zum Team und war dann krank. Er konnte bis vor Kurzem nicht dem Trainingsplan folgen und war daher noch nicht richtig integriert. Zudem waren Nick Schneiders und Immanuel McElroy verletzt, was nicht förderlich für unsere Entwicklung war. Wir müssen jetzt gesund bleiben und brauchen Konstanz, die uns helfen wird. Dennoch gilt, dass sich von nun an jeder steigern muss und wird. Wir sind kollektiv gefordert, das umzusetzen, was wir zu leisten im Stande sind – jeder einzelne. Ich will generell, dass wir stark auftreten. Aber uns sind auch Grenzen gesetzt, weshalb wir derzeit noch nicht so gut sein können, wie uns manch ein Fan gerne sehen würde. Zudem muss unseren Fans klar sein, dass wir gegen viele Teams spielen, die ein höheres Budget haben und sehr hochkarätige Spieler verpflichten konnten. Gegen solche Teams wird es für uns grundsätzlich schwer sein, zu gewinnen. Wir werden natürlich alles daran setzen, um jeden zu schlagen und alles zu geben. Nicht zuletzt deshalb brauchen wir vor allem die Unterstützung unserer Fans. 

Die Mannschaft hat ein tolles Spiel gegen Ulm gezeigt und in Trier gewonnen. Dann folgten zwei deutliche Niederlagen und darauf ein toller Sieg über Bayreuth. Wie erklärst Du Dir die wechselhaften Leistungen?

Kostas Flevarakis: Jedes Team hat bessere und schlechtere Spiele, vor allem zum Saisonbeginn. Unter Berücksichtigung der angesprochenen Aspekte, dass wir keine ideale Vorbereitung hatten, wir junge und neue Spieler haben und ich als Trainer versuche, meine Philosophie zu etablieren, gibt es bei uns im Moment also viele Gründe für wechselhafte Leistungen. Zudem war unser Programm der ersten zwei Wochen sehr hart – und kein anderes Team hatte dieses Programm. Wir sind z.B. Sonntagmorgen aus Trier zurückgekommen und Dienstagmittag schon wieder nach Hagen aufgebrochen. Bonn hatte zwei Heimspiele und sogar eine Partie weniger in den Knochen. Dementsprechend hatten wir nur geringe Regenerationsphasen. Ich will nicht sagen, dass so ein Spielplan eine Entschuldigung ist. Aber in Kombination mit den anderen Punkten können wir zum jetzigen Zeitpunkt der Saison noch nicht stabil sein und daher ist es auch nicht ungewöhnlich, wenn man nach zwei guten Spielen auch zwei schlechtere zeigt.

Wie groß ist der Druck, den Du und das Team verspüren?

Kostas Flevarakis: Der Druck war für mein Empfinden schon vor Saisonbeginn sehr hoch und jetzt ist es nicht einfacher. Dabei ist ein Neuanfang nie leicht und beinhaltet immer Höhen und Tiefen. Mein Ziel lautet, von jedem einzelnen im Team Druck abzunehmen. Wir werden dies mit noch mehr kämpferischer Einstellung auf dem Parkett tun, denn je mehr man kämpft, um so wettbewerbsfähiger ist man. Aber wir alle müssen auch die Realität akzeptieren, wie z.B. die Veränderungen im Kader und auch, dass andere Teams stärker werden. Wir müssen uns verdeutlichen, dass wir Zeit brauchen und es keine einfache Saison wird. Und grundsätzlich gilt, dass man erst am Ende der Saison über die Mannschaft urteilen sollte... 


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