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Wenn Rosa reinstes Weiß bedeutet

23.02.2008

New Yorker Phantoms – Science City Jena 76:64 (15:18, 19:14, 17:13, 25:19)

Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel kam die Frage auf, ob eine gutes Pferd nur so hoch springt, wie es sprichwörtlich muss. Im Fall der New Yorker Phantoms war es am vergangenen Samstag wohl eher so, dass sie sich drei Minuten vor Spielende unter der letzten Hürde herschlichen, während die Gäste aus Jena den Sprung wagten und hängen blieben.


New Yorker Phantoms – Science City Jena 76:64 (15:18, 19:14, 17:13, 25:19)

Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel kam die Frage auf, ob eine gutes Pferd nur so hoch springt, wie es sprichwörtlich muss. Im Fall der New Yorker Phantoms war es am vergangenen Samstag wohl eher so, dass sie sich drei Minuten vor Spielende unter der letzten Hürde herschlichen, während die Gäste aus Jena den Sprung wagten und hängen blieben. In einem nicht immer schönen, wenn auch mit einigen Augenöffnern gespickten Spiel setzen sich die Hausherren schließlich mit 76:64 durch und bleiben damit weiter auf Kurs, in der Rückrunde kein Heimspiel abzugeben, sodass Headcoach Emir Mutapcic reihenweise rosa Spielberichtsbögen sammeln kann.


Wie ein alter Trainerfuchs stand Sean McCaw an der Seitenlinie der Volkswagen Halle. In der Hand ein paar zusammengerollte Zettel. Mit seiner Gestik und Mimik erinnerte er fast ein wenig an einen Football-Chefstrategen. Und es machte tatsächlich den Eindruck, als ob McCaw zu Beginn der Partie seine Defensiv-Abteilung aufs Feld geschickt hätte. Denn die New Yorker Phantoms hatte unter dem Korb der Gäste nur wenig zu bestellen. Selbst Fastbreaks wurden in letzter Sekunde vereitelt, oder im schlimmsten Falle leichtfertig vergeben. Die Wissenschaftsstädter hingegen kontrollierten mit ständig wechselnder Verteidigung das Tempo und fanden vorn die richtige Balance zwischen Tempobasketball und Setplay. Einmal im Halbfeld hatten die Jenenser meist den Blick für den freien Schützen – so trafen jeweils Gregor Linke und Brendan Plavich aus der Distanz (7:12, 6. Minute). Braunschweig indes rannte vergebens gegen das Bollwerk der Gäste an, erkämpfte sich gar zweite Wurfchancen, konnte diese jedoch zu selten nutzen. Fünf von insgesamt fünfzehn Würfen (33 Prozent) fanden im ersten Viertel ihr Ziel, bei Jena sieben von elf (64 Prozent). Wären da nicht die sechs Ballverluste der Gäste gewesen, die Differenz hätte wohl auch größer ausfallen können (15:18).


Es schien, als ob die Thüringer auch weiterhin hochprozentig vollstrecken würden. Zumindest deutete der Dreier von Plavich unmittelbar nach Wiederaufnahme des Spiels eben jenes an (15:21, 11. Minute). Den Phantoms war daran selbstverständlich nicht gelegen und lieferten ihrerseits aus der Ferne die passendste aller Antworten (18:21, 12. Minute). Der Dreier von Jorge Schmidt wirkte jedoch nicht als Initialzündung zur Aufholjagd. Dafür stand Jena in der eigenen Hälfte viel zu kompakt. Erst der dritte Distanztreffer von Plavich rüttelte die Hausherren wach (25:30, 17. Minute). Flinkfingrig unterbrachen sie zwei Jenenser Angriffe und fuhren leichte wie spektakuläre Punkte ein. Mit einem 10:2-Lauf beendeten die Gastgeber den zweiten Abschnitt und übernahmen damit pünktlich zum Pausentee die Führung (34:32).


Die Teams blieben ihrer offensiv zurückhaltenden Marschroute treu. Freunde von High-Scoring-Games sollten an diesem Abend in der Volkswagen Halle nicht auf ihre Kosten kommen. Doch auch aufopferungsvoller Kampf kann für Begeisterung sorgen. Davon gab es reichlich. Oft machte es den Anschein, als ob die Akteure eher den Kontakt zum Parkett, als zum Gegenspieler suchten. Punkte blieben Mangelware, und wenn, dann kamen sie für die Phantoms gleich im Dreierpack (43:39, 25. Minute). Jena geriet immer mehr in Aufruhr. Denn neben dem vierten Foul für Alexander Seggelke – bis dahin ohne Wurfglück aus dem Feld – kassierte der gesprächig wirkende Mark Davis per „T“ sein fünftes Foul und musste auf der Bank Platz nehmen (51:45).


Mit einem offensiven Höhenflug starteten die Niedersachsen ins letzte Viertel durch (57:45, 32. Minute). Jena konterte mit einem 8:0-Run, an dessen Ende ein Dreier von Seggelke für eine Braunschweiger Auszeit sorgte (57:53, 35. Minute). Die Gäste kamen gar auf 60:57 (37. Minute) heran, mussten aufgrund von emotionalen Ausbrüchen jedoch ebenso schnell abreißen lassen, wie sie sich herangekämpft hatten. Treffer von „Downtown“, abgefeuert durch Domonic Jones und Andrew Drevo, brachten Braunschweig binnen weniger Sekunden wieder auf die Siegerstraße (66:57, 38. Minute).

Die New Yorker Phantoms gewinnen gegen Science City Jena mit 76:64 und bleiben in der BBL-Rückrunde daheim weiter, wie gewünscht, ungeschlagen.


Wenig zufrieden mit dem Auftritt seines Teams zeigte sich im Anschluss Sean McCaw. „Wir agieren nicht smart genug, was die vier technischen Fouls gegen uns gezeigt haben – das geht gar nicht und wird Folgen haben“, so der Gästetrainer. „Wir haben uns in den wichtigen Phasen, als wir wieder an Braunschweig dran waren, sehr dumm angestellt." Trotz des Sieges fiel das Resümee des Phantoms-Coachs ebenso eher ernüchternd aus. „So kann man nicht Basketball spielen – nicht, wenn man in die Playoffs will“, analysierte Emir Mutapcic. „Unsere Leistungsamplitude ist derzeit katastrophal. Viele Spieler hatten wohl schon das Spiel gegen Bamberg im Kopf.“

New Yorker Phantoms:

Wright (5/1), Levy (15/1), Allen (5), Visser (6), Drevo (14/2), Jones (18/2), Cain (6), Schmidt (4/1), Coleman (4), Stückemann


Science City Jena:

Zlotowski (2), Plavich (11/3), Seggelke (9/1), Basit (12), Linke (5/1), Reyes-Napoles, Felton (11/1), Davis (8), Miller (6)

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