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Nils Mittmann: „Wir sind ein eingeschworener Haufen“

03.02.2012

Braunschweiger Jung und New Yorker Phantoms-Kapitän Nils Mittmann ist ein Vorbild in Sachen Einstellung, Kampf und Leidenschaft. Er steckt nie auf, ist immer gut für einen Block, krachenden Dunking oder einen wichtigen Dreier. In einer netten Unterhaltung sprach der Kapitän mit newyorkerphantoms.de über die Qualität des Teams, seine starke Dreierquote und das Nordderby am Sonntag in Bremerhaven (16 Uhr, Stadthalle Bremerhaven).


Braunschweiger Jung und New Yorker Phantoms-Kapitän Nils Mittmann ist ein Vorbild in Sachen Einstellung, Kampf und Leidenschaft. Er steckt nie auf, ist immer gut für einen Block, krachenden Dunking oder einen wichtigen Dreier. In einer netten Unterhaltung sprach der Kapitän mit newyorkerphantoms.de über die Qualität des Teams, seine starke Dreierquote und das Nordderby am Sonntag in Bremerhaven (16 Uhr, Stadthalle Bremerhaven).

Nils, du spielst ja schon seit einer gefühlten Ewigkeit Basketball. Aber mal ehrlich: hast du so eine Verletzungsmisere wie sie Euch derzeit betrifft schon einmal erlebt?
Nils Mittmann: Ehrlich gesagt ist das im Moment schon krass. Und so extrem habe ich es eigentlich noch nie erlebt. In Ludwigsburg hatten wir lediglich einmal eine vergleichbare Situation. Das brachte damals viel Unruhe und eine relativ hohe Fluktuation mit sich, weil neue Spieler verpflichtet werden mussten. Und insgesamt haben wir das damals in Ludwigsburg leider nicht so gut lösen können, wie wir es derzeit hier tun. 

Was glaubst du woran es liegt, dass ihr diese eigentlich schwerwiegenden Ausfälle innerhalb des Teams so gut kompensieren könnt?
Nils Mittmann: Es hört sich wahrscheinlich etwas seltsam an, aber ich glaube, dass wir daran gewöhnt sind. Wir haben in dieser Saison nur selten mit dem kompletten Team spielen können. Und das fing ja auch schon in der Vorbereitung an, als Rich und Branko ausgefallen sind. Mittlerweile sind wir quasi darin geschult, mit solchen Situationen klarzukommen. Auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass wir in dieser Saison einen breiten Kader zur Verfügung haben, der die Kompensation von Verletzungen möglich macht. Zudem können wir mit Daniel Theis und Dennis Schröder auch auf Jugendspieler in unseren Reihen zurückgreifen, die das Niveau im Training hochhalten. All diese Faktoren geben uns die Möglichkeit, nach wie vor vernünftig zu trainieren und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bist du als Kapitän in so einer Situation mehr gefragt, um beispielsweise die Stimmung in der Mannschaft hochzuhalten? Oder ist das gar nicht nötig?
Nils Mittmann: Das Gute an unserer Mannschaft ist, dass wir ein ziemlich eingeschworener Haufen sind. Wir helfen uns alle gegenseitig, und die verletzten Spieler sind auch immer zur Stelle, um zu motivieren und Tipps zu geben. Dementsprechend muss ich selber nicht unbedingt viel mehr tun als sonst. Im Endeffekt ist auch jeder Profi und erfahren genug, um zu wissen, worauf es ankommt. Allerdings halte ich vor wichtigen Spielen schon auch eine Ansprache, um die Mannschaft mitzureißen und den Zusammenhalt heraufzubeschwören.  

Du selber gibst immer 100 Prozent und hast gegen Bamberg zum wiederholten Male ein sehr starke Leistung gezeigt. Versuchst du in solchen Phasen bewusst als Vorreiter in Sachen Einstellung zu agieren oder ist das eine Attitüde, die dir grundsätzlich gegeben ist?
Nils Mittmann: Das ist schon meine grundsätzliche Einstellung, denn für mich ist es selbstverständlich, immer alles zu geben. Ich muss mir nicht vornehmen, heute eine besonders gute Leistung zu bringen, weil beispielsweise wichtige Spieler verletzt sind und uns nicht helfen können. Ich betrachte es als eine Verpflichtung mir, der Mannschaft und auch den Fans gegenüber, immer das möglichst Beste auf dem Feld zu zeigen.

Du warst ja schon immer ein guter Werfer. Aber in dieser Spielzeit fällt auf, dass du eine unfassbar starke Dreierquote von 50 Prozent hast. Hast du in irgendeiner Form an Deinem Wurf gearbeitet?
Nils Mittmann (lacht): Nein, an meinen Wurf gearbeitet habe ich nicht. Es wäre ehrlich gesagt auch schwierig, in meinem fortgeschrittenen Alter noch etwas am Wurf zu ändern. Letztendlich ist es so, dass ich schon in der Vorbereitung ein gutes Gefühl hatte und es von Beginn an gut gelaufen ist. Das gibt dir natürlich Selbstvertrauen in deinen Wurf. Zudem suchen mich meine Mitspieler in dieser Saison häufiger, als es letzte Spielzeit der Fall war. Sie haben Vertrauen in meinen Wurf und das verstärkt zusätzlich mein Selbstbewusstsein. Grundsätzlich ist es nie einfach, seinen Rhythmus und Shooting-Touch zu finden, wenn man nur wenig Gelegenheit zum Wurf erhält.

Blicken wir auf Sonntag. Da müsst ihr in Bremerhaven ran und werdet eventuell wieder auf Rich Melzer zugreifen können, müsst aber vermutlich noch auf Igor Milosevic und in jeden Fall auf LaMarr Greer und Stephen Dennis verzichten. Gegen Bamberg hat das Team diese Ausfälle durch Leidenschaft, Willen und viel Herz kompensiert. Wird man Gleiches auch am Sonntag erwarten können?
Nils Mittmann: Für uns als Mannschaft wird es ganz wichtig sein, dass wir diese Leistung gegen Bamberg nicht als selbstverständlich betrachten. Wir mussten viel dafür investieren, und es war mit einen hohen Kraftaufwand verbunden, so viel Kampf und Einsatz auf das Parkett zu bringen. Es muss uns klar sein, dass wir dieses Pensum in der Form mindestens auch gegen Bremerhaven abrufen müssen. Denn dieses Spiel ist für uns noch wichtiger und wird vermutlich noch schwieriger werden! Gegen Bamberg hatten wir nicht viel zu verlieren. Aber gegen Bremerhaven müssen wir gewinnen, wenn wir im Kampf um die Playoffs die Nase vorne behalten wollen. Demzufolge ist der Druck am Sonntag deutlich größer und ich hoffe nicht zuletzt deshalb, dass wir eine ähnliche oder vielleicht sogar noch bessere Leistung abrufen können.

Ihr trefft in diesem Spiel auf den „Energizer“ (Jason Cain), der nach seiner Fingerverletzung eventuell wieder spielen wird. Ist es eigentlich etwas Besonderes, auf ehemalige Kollegen zu treffen?
Nils Mittmann: Natürlich ist es immer etwas Besonderes, wenn man auf einen ehemaligen Kollegen trifft, mit dem man viel Zeit verbracht hat. Man kennt sich ja verhältnismäßig gut – auf und abseits des Spielfeldes. Allerdings ist es auch so, dass man dieses Gefühl während des Spiels komplett ausblendet. Da geht es dann nicht um Persönliches sondern einzig und allein um das Spiel und den Sieg. 

Wenn Rich noch nicht spielen sollte, wirst du mit Branko Jorovic Jason Cain verteidigen müssen. Aus eurer gemeinsamen Zeit dürftest du ihn ja wie deine eigene Westentasche kennen. Worauf wirst du also besonders achten?
Nils Mittmann: Man weiß von Jason, dass er einen guten Zug zum Korb hat. Und wenn er dann noch seine Spin Moves (Dribbling mit Körperdrehung) einsetzt, ist er meistens kaum zu stoppen. Aber es ist ja noch nicht klar, ob Jason spielen kann, und wir werden uns natürlich auch auf seine Kollegen konzentrieren müssen, die uns im Hinspiel das Leben schwer gemacht haben. Immerhin verfügt Bremerhaven mit Zachery Peacock und Christopher McNaughton über zwei weitere starke Innenspieler, die wir versuchen müssen als Mannschaft zu verteidigen. Sollte uns das gelingen, haben wir vermutlich eine gute Chance auf einen Sieg.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in Bremerhaven!

Interview: Fabienne Buhl


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