News

"Ich versuche, eine menschliche Komponente mit einzubringen"

15.01.2014

Sean McCaw hat im Sommer die Position des Jugendtrainers bei den New Yorker Phantoms übernommen. Er ist Headcoach der Junior Phantoms Braunschweig U19 (NBBL) und ebenfalls Co-Trainer beim Phantoms-Kooperationspartner Spot Up Medien Baskets (ProB). Wir haben uns mit dem sympathischen 40-Jährigen getroffen und mit ihm unter anderem über die Herausforderung und das Interessante an seiner Arbeit im Jugendbereich sowie seine Entwicklung als Trainer gesprochen.


Sean, warum hast du dich gerade für die Nachwuchs- und Jugendarbeit entschieden. Was ist für dich das Besondere daran?

Man kann bei Jugendlichen schnell die Ergebnisse der eingebrachten Arbeit sehen. Und das, was sie zeigen, ist ein Spiegelbild von dem, was man ihnen vermittelt. Mit anderen Worten: Wenn man als Trainer selber nicht gut arbeitet, werden sie das auch nicht tun. Das große Plus an den Jugendlichen ist aber, dass sie wollen. Sie streben danach, sich weiterzuentwickeln. Und wenn man sie überzeugen kann, dann werden sie auch ohne wenn und aber hart dafür arbeiten.

Was sind deine Mittel, den Nachwuchs zu harter Arbeit zu überzeugen?

Ich glaube es ist sehr positiv, dass ich selber Basketball-Profi war. Ich verstehe, wie Spieler ticken und kann dementsprechend auch auf sie eingehen. Zum anderen bin ich nicht so alt, dass ich keine Verbindung zu ihnen haben könnte. Ich würde sogar sagen, dass ich jung geblieben bin und mich in die Jungs hineinversetzen kann. Ich glaube aber auch, dass meine Erscheinung und mein Kommunikationstalent einen Vorteil darstellen. Die Jungs wissen zudem, dass ich viel einfordere, aber dass ich sie auch sehr respektiere. Ich will niemandem schaden, und das spu?ren sie. Und ich glaube, das alles zusammen ergibt ein gutes Überzeugungspaket.

Wenn man mit Jugendlichen zusammenarbeitet, hat man auch eine große Verantwortung. Man kann sie in diesem Alter noch formen wie auch beeinflussen und muss auch sehr auf unterschiedliche Entwicklungstypen achten. Wie sieht dein Umgang mit ihnen aus und worauf legst du Wert?

Wer bei mir trainiert, der weiß auch, dass es nicht nur um Basketball geht. Ich erzähle den Jungs viel von mir, erkundige mich, wie es ihnen in der Schule ergeht, was sie privat machen und so weiter. Ich versuche immer, eine menschliche Komponente mit einzubringen und das möchte ich ihnen auch mit auf den Weg geben. Sie sollen sich unter meiner Leitung entwickeln können, auch menschlich und nicht nur als Spieler. Aber ich werde ihnen auch immer sagen, dass die Schule absolute Priorität hat. Darauf habe ich ein Auge, denn ohne eine abgeschlossene schulische Ausbildung wird es nach dem Basketballsport ganz, ganz schwer.

Wie warst du denn selber in der Schule?

Ich war ein ganz normaler Schüler und braver Junge (lacht). Ich war etwas schlampig und faul, aber da, wenn es darauf ankam. Ich brauchte immer Druck, um beispielsweise ein Referat vorzubereiten. Wenn ich dafür drei Wochen Zeit hatte, habe ich zwei Tage vor dem Termin angefangen, mich damit zu beschäftigen. In Mathematik war ich übrigens miserabel. Und darin bin ich auch heute noch nicht wirklich gut.

Warum bist du Trainer geworden?

Ich habe schon während meiner Schul- und Studiumszeit gemerkt, dass ich gerne mit Menschen und mit Ideen zu tun haben wollte. Und nachdem ich immer mit meinem Vater NBA- und Collegespiele gesehen hatte, habe ich registriert, dass mich beim Basketball die Details interessieren. Ich fand und finde Auszeiten immer am spannendsten. Und mir waren Dunks oder tolle Pässe nie so wichtig. Ich habe früh gelernt, was das Wichtige im Spiel ist und das hat mich fasziniert. Ich habe immer viel auf die Körpersprache geachtet, verfolge diese sehr aufmerksam im Spiel und habe mich ebenfalls schon früh gefragt, wie ich zum Beispiel als Trainer reagieren würde. Das Naheliegende war dann, selber Trainer zu werden. Ich habe dort mit Menschen zu tun, kann eigene Ideen entwickeln und all die Dinge tun, die mich beim Zusehen immer in den Bann gezogen haben.

Wie würdest du dich selber als Trainer beschreiben?

Das ist eine schwierige Frage. Aber ich hoffe, dass andere über mich als Trainer positiv denken. Ich bin sicherlich ein sehr leidenschaftlicher Trainer, der flexibel ist und versucht, immer bestmöglich vorbereitet zu sein. Insgesamt glaube ich, dass ich ein wenig an meiner Geduld arbeiten muss. Im Training bin ich sehr geduldig, da kann ich Fehler verzeihen und lasse sie zu. Im Spiel sieht das jedoch anders aus. Da reißt mir durchaus schon der Geduldsfaden. Grundsätzlich glaube ich aber, dass die Spieler die Chance bekommen müssen, sich selber zu korrigieren. Daher lasse ich auch gerne mal nach Fehlern das Spiel weiterlaufen, damit sie es in der nächsten Sequenz aus eigenen Stücken besser machen können.

Wie zufrieden bist du mit deiner bisherigen Entwicklung als Trainer?

Ich glaube, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Aber ich bin sehr kritisch mit mir selbst und überlege beispielsweise auch nach Siegen, was ich noch besser hätte machen können. Ich bin selten wirklich zufrieden. Das heißt nicht, dass ich ein Perfektionist bin. Aber ich will schon versuchen, alles zu 100 Prozent zu machen. Ich bin so erzogen worden und das treibt mich auch an, mich stetig weiterzuentwickeln. Ich habe auch als Trainer eine völlig andere Sichtweise als zu Spielerzeiten entwickelt. Ich wurde ein „schlampiges Genie“ genannt, habe im Training meistens nicht gut gearbeitet, war im Spiel aber zur Stelle. Als Trainer gibt es für mich kein Schlampig-Sein mehr. Und ich muss auch sagen, dass man keine Ahnung hat, was es bedeutet, Trainer zu sein. Gewinnst du ein Spiel, heißt es, die Mannschaft habe gut gespielt. Verlierst du, sagen viele, der Trainer ist Schuld. Als Trainer wirst du selten gelobt. Aber damit komme ich gut klar. Insgesamt ist es aber so, dass mir das Spielen als Profi zugefallen ist, während das Coaching bei mir nicht von alleine kommt. Ich muss hart dafür arbeiten.

In welche Richtung möchtest du dich als Trainer weiterentwickeln?

Das ist die „Eine-Million-Dollar-Frage“ (lacht). Ich muss ehrlich sagen, dass ich derzeit mit meinem Job als Jugendtrainer sehr zufrieden bin. Ich kann hier bei den New Yorker Phantoms viel bearbeiten und vor allem auch etwas aufbauen. Das ist mir wichtig. Außerdem macht mir die Arbeit mit den Jungendlichen einfach sehr viel Spaß. Dennoch gibt es einen ehrgeizigen Teil in mir, und der sagt: lerne und entwickle dich noch in diesem Bereich für ein bis zwei Jahre weiter und orientiere dich danach in den Profibereich. Ich weiß, als Headcoach eines Bundesligisten hat man immer viel Druck. Es heißt nicht umsonst: get hired to be fired. Aber ich brauche diesen Druck und daher ist der Trainerposten bei einer Profimannschaft sicherlich eines meiner Ziele. Allerdings spielt bei jeder Entscheidung auch meine Familie eine wesentliche Rolle. Denn sie trägt meine Entscheidung mit und wir wollen ja alle zusammen damit glücklich sein. In Braunschweig sind wird das.

Weshalb hast du dich für den Standort Braunschweig entschieden?

Das ist einfach: Ich finde hier eine für mich sehr gute Situation vor. Hier bin ich verantwortlich für den Jugendbereich, arbeite aber auch sehr eng mit dem ProB-Team und der Erstligamannschaft zusammen. Dadurch habe ich die Möglichkeit, aus allen drei Bereichen sehr viel aufzusaugen und mich weiterzuentwickeln. Und das war mir bei der Entscheidung besonders wichtig.

Vielen Dank. 


DatenschutzImpressum