News

„Ich verlange nichts, was ich nicht selber leisten könnte“

11.01.2012

Ihre Ansprüche sind hoch, ihre Arbeitsweise gewissenhaft und fordernd. Seit Saisonbeginn ist Ellen von Borstel die Athletiktrainerin bei den New Yorker Phantoms – mit dem Ziel, die Spieler körperlich fit zu machen und zu halten. Warum diese Aufgabe nicht immer einfach, aber sehr reizvoll ist und der Fitness-Managerin und ehemaligen Top-Leichtathletin sehr viel Spaß bereitet, erzählte sie newyorkerphantoms.de in einem netten Gespräch.


Ihre Ansprüche sind hoch, ihre Arbeitsweise gewissenhaft und fordernd. Seit Saisonbeginn ist Ellen von Borstel die Athletiktrainerin bei den New Yorker Phantoms – mit dem Ziel, die Spieler körperlich fit zu machen und zu halten. Warum diese Aufgabe nicht immer einfach, aber sehr reizvoll ist und der Fitness-Managerin und ehemaligen Top-Leichtathletin sehr viel Spaß bereitet, erzählte sie newyorkerphantoms.de in einem netten Gespräch.

Sie arbeiten seit einem halben Jahr mit unseren Basketball-Profis, um sie körperlich fit zu machen. Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Ellen von Borstel: Die Schwerpunkte des Trainings lagen von Beginn an und liegen auch noch heute im allgemeinen Krafttraining, vor allem im Bereich der unteren Extremitäten und des Rumpfes. Zudem ist die Stabilisierung der Sprunggelenke und Knie ein weiterer wichtiger Aspekt unserer gemeinsamen Arbeit.

Wenn Sie auf die letzten Monate zurückblicken, wo sehen Sie Verbesserungen und immer noch kleine Defizite?
Ellen von Borstel (lacht): Das ist ja eine gemeine Frage. Wer redet schon gerne über Defizite? Aber gut... Es sind natürlich noch kleine Defizite vorhanden. Und die haben vor allem die langen Spieler nach wie vor in puncto Stabilität. Sobald sie in einer gegrätschten Position stehen und einen Körperkontakt erhalten, tendieren sie dazu umzufallen. Das liegt nicht daran, dass sie keinen Widerstand leisten wollen. Aber aufgrund ihrer Instabilität im Rumpfbereich können sie schlichtweg nur wenig davon leisten. Das ist bei so einer Körperlänge aber ganz normal und deshalb arbeiten wir ja auch mit stetig wachsendem Erfolg daran.
Verbesserungen sehe ich allerdings auch – vor allem was das Krafttraining anbelangt. Hier wird mit mehr Qualität gearbeitet. Und das ist mir sehr wichtig. Schließlich geht es beim Krafttraining nicht darum, viel Gewicht zu stemmen, sondern es richtig zu stemmen. Die Übungen müssen korrekt absolviert werden und sollten nicht abgefälscht sein. Denn damit kann man sich mehr schaden, als man glaubt.

Wie oft trainieren Sie mit der Mannschaft?
Ellen von Borstel: Normalerweise findet zwei Mal die Woche ein Krafttraining und ein Mal die Woche ein Schnellkrafttraining statt. Das ist allerdings auch immer abhängig von den Spieltagen und -terminen und sonstigen Auslastungen. Hinzukommend gebe ich noch Einzeltraining, wenn die Coaches Bedarf sehen oder sich ein Spieler, wie zum Beispiel Rich jetzt, verletzt hat.

Sie arbeiten ja schon lange als Fitness- und Krafttrainerin und haben dementsprechend viele Erfahrungen gesammelt, auf die Sie zurückgreifen können. Dennoch die Frage: Gibt es trotz Ihrer Erfahrungen etwas, dass die Arbeit mit den Spielern schwierig gestaltet?
Ellen von Borstel: Wenn ich ehrlich sein soll, dann ja. Denn keiner von ihnen ist das, was man beweglich nennen würde oder kann. Das ist allerdings ein Männerproblem und insofern nicht ungewöhnlich. Nur macht es meine Arbeit nicht unbedingt einfacher. Erst recht nicht, wenn zu der  Unbeweglichkeit auch noch eine gewisse Unlust dazu kommt. Denn eines ist doch klar: Keiner im Team absolviert die Übungen ohne Ball freiwillig und dehnt sich gerne. Es wird alles so viel einfacher, sobald sie den Ball in den Händen halten und damit laufen können. Aber ohne Ball sieht das leider anders aus...

Auch wenn es nicht immer einfach ist, hat man den Eindruck, dass Ihnen das Training verdammt viel Freude bereitet. Warum?    
Ellen von Borstel: Ich bin bereits seit 20 Jahren in diesem Bereich tätig. Allerdings habe ich in dieser Zeit kaum mit Profisportlern gearbeitet, sondern vielmehr mit Kunden, die abnehmen wollten, Dysbalancen im Rücken hatten etc. Das Training mit den New Yorker Phantoms hat einen anderen Anspruch. Das sind Profisportler. Sie wollen viel erreichen und fordern dementsprechend auch viel von ihrem Körper ein. Insofern hat das für mich natürlich einen anderen Reiz und erfordert auch von mir eine andere Arbeitsweise.

Apropos Arbeitsweise. Der ein oder andere Spieler stöhnt schon mal etwas, wenn er auf das Training mit Ihnen angesprochen wird. Wie erklären Sie sich das?
Ellen von Borstel (lacht): Ja, ich genieße den Ruf, ein harter Hund zu sein. Ich verlange von den Spielern nichts, was ich nicht selber leisten könnte. Allerdings gehe ich persönlich auch gerne an mein Maximum der Leistungsfähigkeit und demzufolge liegt die Messlatte recht hoch. Ein Training auf Minimalstufe gibt es bei mir selten. Ich fordere recht viel ein, das ist mir klar. Aber da der Mensch von Grund auf faul ist, muss einfach Stringenz in das Training. Und da gibt es logischerweise einige, die damit mehr zu kämpfen haben, während andere, wie zum Beispiel LaMarr Greer, damit weniger Probleme haben. Er weiß, was man für seinen Körper tun muss und ist immer gut vorbereitet und absolut lernwillig. Wobei letzteres ehrlicherweise alle sind. Jeder der Spieler will lernen und Gutes für seinen Körper tun.

Und wie ist das mit der Akzeptanz, wenn Sie als Frau vor diesen Hünen stehen?
Ellen vor Borstel: Zugegebenermaßen war ich auch sehr gespannt, wie es sein würde, wenn ich Rich Melzer erzähle, was er zu tun und zu lassen hat. Aber: Das ist alles gar kein Problem. Alle Spieler nehmen meine Hinweise, Anweisungen und Tipps an und setzen sie entsprechend um. Zudem bitten sie mich auch häufiger um Rat und Hilfe. Allerdings wissen die Spieler auch um meine Erfahrungen und meine Vergangenheit als Leistungssportlerin im Bereich Leichtathletik. Und das hilft mir sicherlich in der Akzeptanz meiner Person.

Wenn Sie bis zum Ende der Saison ein Ziel formulieren würden, das Sie erreichen möchten, wie würde das lauten?
Ellen von Borstel: Mein persönliches Ziel und mein Wunsch wäre, dass alle Spieler verletzungsfrei durch die Saison kommen. Ich weiß, das ist illusorisch – was nicht zuletzt schon die Verletzungen bei Branko (Jorovic) und Rich (Melzer) bewiesen haben. Aber wenn alle anderen von muskulären Verletzungen oder Bänderrissen verschont bleiben, dann würde mich das sehr freuen. Zudem wünsche ich mir, dass sie am Ende der Saison mindestens wieder da stehen, wo sie vergangene Spielzeit auch waren, gerne auch noch weiter oben. Und als Trainerin erhoffe ich mir natürlich auch, dass sie bis Ende der Saison ihren Körper kennen- und verstehen lernen.

Interview: Fabienne Buhl


DatenschutzImpressum