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Hoffe von meinem Glück etwas zurückgeben zu können

21.11.2012

Es ist ein trüber Novembermittag als wir New Yorker Phantoms Co-Trainer Kostas Papazoglou auf einen Kaffee zum Interview treffen. Obwohl sein Team die letzten Spiele verloren hat, wirkt seine Stimmung im Gegensatz zum Wetter weniger trüb. Gesprächig wie immer, mit einem Lächeln auf den Lippen, aber gelegentlich auch nachdenklich wirkend erzählt er unter anderem von den Anfängen seiner Karriere und über die derzeitige Krise in seinem Heimatland Griechenland.


Da Du für unser Treffen Vapiano vorgeschlagen hast, gehen wir davon aus, dass Du diesen Ort magst. Hast Du mittlerweile noch weitere Orte in Braunschweig kennengelernt, an denen Du Dich gerne aufhälst, vielleicht auch, um mal abzuschalten?

Kostas Papazoglou: Stimmt schon. Vapiano ist mein Favorit. Ich bin sehr gerne hier, nahezu täglich, was auch daran liegt, dass es auf dem Weg von der Tunica zur Volkswagen Halle und umgekehrt liegt. Außerdem mag ich die Atmosphäre und das Essen ist gut. Aber ich kehre auch gerne mal bei Starbucks ein, weil ich das Café aus meiner Heimat kenne und ich Besuche dort mit Erinnerungen an zu Hause verbinde. Im Moment nutze ich auch die Zeit, noch viel spazieren zu gehen und mir die Umgebung anzugucken. Noch lassen die Novembertage das zu, es ist nicht zu kalt und nicht zu nass. Aber bald wird vermutlich die Zeit kommen, in der man vor der Kälte fliehen möchte und sich nur noch in den Schloss-Arkaden aufhält. Bis dahin möchte ich mich noch so viel wie möglich draußen aufhalten. Um mal vom Basketball abzuschalten, habe ich mir hier immerhin schon angewöhnt, joggen zu gehen oder im Fitnessland ein paar Workouts zu machen. In Griechenland war das Segeln jedoch meine Leidenschaft. Sich auf dem Wasser vom Wind bei Sonnenschein treiben zu lassen... das konnte ich stundenlang tun und hat mich innerlich befreit.

Wie bist Du eigentlich zum Basketball gekommen?

Kostas Papazoglou: In Griechenland ist das ein Selbstläufer. Ab der Grundschule spielt man im Sportunterricht entweder Fußball oder Basketball. Da ich im Fußball ziemlich talentfrei war, aber viel Freude am Basketball hatte, war der Weg quasi besiegelt. Ich habe mit sieben Jahren angefangen, regelmäßig Basketball zu spielen. Später habe ich dann auch die Basketball-Akademie von PAOK Thessaloniki besucht. Wir Kinder haben uns damals schon am Montag nach dem Wochenende gesehnt, weil wir dann wieder zur Akademie gehen konnten. Es war schnell klar, dass Basketball mein Ein und Alles werden würde und mein Vater hat mich frühzeitig in allem unterstützt, was mit Basketball zu tun hatte.

Du hast schon im Alter von 21 Jahren Deine Trainer-Karriere begonnen. Hattest Du nicht den Traum von einer tollen Karriere als Spieler?

Kostas Papazoglou: Um ehrlich zu sein, war ich als Spieler einfach nicht so gut (lacht). Aber ich hatte auch früh realisiert, dass das Coaching meine eigentliche Profession ist. Ich habe schon in den Jugendteams viel mit den Teamkollegen gesprochen, ihnen Tipps und Anweisungen gegeben. Und ich hatte das Gefühl, dass man es gerne angenommen hat. Ich erinnere mich allerdings sehr gut, dass meine Mutter von diesen Plänen gar nicht angetan war. Wie Mütter sind, möchten sie, dass es ihren Kindern gut geht und sie einen sicheren Job haben. Und da ich damals vor dem Studium sehr gute Noten an der Schule hatte, hätte ich ihrer Ansicht nach vermutlich diverse andere Berufsoptionen in Betracht ziehen können. Ich wollte aber Trainer werden und habe das durchgezogen, wenngleich man dafür zunächst viel Geld investieren musste und eigentlich nichts verdiente. Coach Flevarakis hatte mir dann nach dem Studium die Möglichkeit gegeben, bei ihm als Co-Trainer anzufangen. Es gab viele Coaches und daher war es gar nicht einfach, einen Job zu finden. Aber ich war im Glück und bin heute noch sehr dankbar dafür, dass die Dinge sich so entwickelt haben.

Aufgrund Deiner Trainertätigkeit hast Du Deine Heimat früh verlassen und Erfahrungen in Ländern wie Polen und Schweden sammeln können. Inwieweit hat Dich diese Zeit in Deiner persönlichen Entwicklung beeinflusst?

Kostas Papazoglou: Die Zeit in Polen war für mich eine großartige Erfahrung, denn ich habe dort gelernt, mit Druck umzugehen. Als ich nach meinem Studium für Coach Flevarakis bei Makedonikos als Co-Trainer angefangen hatte, gab es noch weitere Asstistant Coaches, die sich um das Scouting, die Videozusammenstellung und andere Dinge gekümmert haben. In Polen hingegen war ich der einzige Co-Trainer und musste plötzlich all diese Dinge allein bewerkstelligen. Dort habe ich auch das erste Video meines Lebens zusammengestellt und weiß noch genau, wie viel Druck ich spürte, weil ich den Coach nicht enttäuschen wollte. Aber ich habe es geschafft und das wie auch andere Dinge haben mich sehr geprägt.

Jetzt bist Du in Braunschweig. Wieso hast Du Dich für diesen Standort entschieden?

Kostas Papazoglou: Zum einen ist es für mich sehr wichtig, mit Coach Flevarakis zusammen zu arbeiten. Obwohl wir bereits seit sieben Jahren ein Team sind, habe ich immer noch das Gefühl, als würde ich gerade den ersten Tag mit ihm arbeiten. Er bringt mir jeden Tag neue Dinge bei und wir versuchen ständig, neue Lösungen zu finden. Coach Flevarakis ist sehr kreativ und ich kann permanent von ihm lernen, was mich in meiner Entwicklung weiterbringt. Zum anderen hatte und habe ich sehr viel Respekt vor der deutschen Liga. Sie ist sehr gut geworden, verfügt über starke Spieler und ist daher eine tolle Herausforderung für mich.

Ein weiterer Grund ist natürlich, dass es derzeit alles andere als ein Traum ist, in Griechenland zu leben und zu arbeiten. Früher, als ich noch klein und ein PAOK Thessaloniki-Fan war, da war es mein Traum, irgendwann einmal Trainer dieses Clubs zu sein. Damals konnte man noch stolz sein, wenn man ein Trainer in Griechenland war. Heute jedoch geht es allen schlecht und insofern war Deutschland natürlich auch eine große Chance für mich, weiterhin Geld verdienen und generell leben zu können.

Wie besorgniserregend ist die Situation in Griechenland für Dich, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass Deine Eltern dort leben?

Kostas Papazoglou: Es ist fürchterlich und niemand weiß, wie es weitergehen wird. Mein Vater verdient heute beispielsweise 50 Prozent weniger als noch vor drei Jahren. Zudem habe ich vor zwei Wochen bei einer griechischen Zeremonie nahe Gifhorn erfahren, dass Menschen aus Griechenland per E-Mail um Hilfe gebeten haben. Sie wollten aber kein Geld, sondern fragten, ob man ihnen Lebensmittel schicken könnte. Des Weiteren sagte man uns, dass Menschen in Krankenhäusern sterben, weil selbst für kleinere Behandlungen keine Ärzte zur Verfügung stehen. Es ist also wirklich schlimm derzeit.

Dass Du vor vielen Jahren Glück hattest, als Kostas Flevarakis Dich als Co-Trainer engagiert hat, ist gegenwärtig also quasi zum doppelten Glück für Dich geworden...

Kostas Papazoglou: Ja, so kann man das sehen und ich hoffe, dass ich von diesem Glück irgendwann einmal etwas zurückgeben kann. Ich weiß nicht, ob ich alles zurückgeben kann, aber ich wünsche mir, dass ich als Coach auch mal jemanden die Chance erteilen kann, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Das würde mir viel bedeuten.

Und wann gehst Du den nächsten Schritt und wirst selber Headcoach?

Kostas Papazoglou: Ehrlich gesagt verschwende ich daran gegenwärtig keinen Gedanken. Ich bin jetzt in Braunschweig und möchte hier gemeinsam mit Headcoach Flevarakis etwas aufbauen. Mein Fokus liegt klar auf dem Hier und Jetzt. Zudem bin ich Realist und weiß, dass es zum Headcoach noch ein weiter Weg ist. Ich habe noch viel zu lernen und weiß, dass ich als Co-Trainer von Flevarakis die besten Voraussetzungen dafür vorfinde.


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