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"Man muss dafür arbeiten, dass Träume wahr werden"

09.04.2014

Er ist ein eher ruhiger und besonnener Charakter. Reflektiert, angenehm introvertiert und interessiert an Europa und seinen Kulturen. Dies ist zumindest der Eindruck, den Willy Manigat bei hinterlassen hat, als das REBOUND-Team den sympathischen Guard in einem Café zum Interview getroffen hat. Hier ist die Story mit ihm aus dem letztem REBOUND noch einmal in voller Länge zu lesen.


Willy steht seit Ende Februar als sogenannter Standby-Spieler im Phantoms-Kader. Das heißt, er ist der siebte Ausländer in der Rotation und wird vornehmlich dann zum Einsatz kommen, wenn ein Stammspieler ausfallen sollte. Bislang war dies noch nicht der Fall, wenngleich Harding Nana zuletzt pausieren musste. „Ich bin noch nicht lange beim Team dabei. Versuche aber im Training mein Bestes zu geben und die Geduld zu bewahren. Ich bin so erzogen worden und werde auf meine Chance warten“, sagt der Kanadier, der aufgrund seiner überzeugenden Leistungen beim Phantoms-Kooperationspartner Spot Up Medien Baskets in der ProB einen Vertrag beim Erstliga-Team erhielt. In der ProB kam Willy auf starke 20,1 Punkte, drei Steals sowie 3,4 Assists und 3,6 Rebounds pro Spiel. „Ich bin sehr glücklich, dass ich die Chance bei den Spot Up Medien und bei Liviu Calin erhalten habe. Es ist eine großartige Erfahrung und Gelegenheit für mich gewesen, bereits in meinem zweiten Jahr als Profi in Europa spielen zu können.“

Dabei hatte es zu Anfang der Saison gar nicht so gut für den flinken Guard ausgesehen. Denn nach seiner letzten und zugleich ersten Profi-Saison flatterten die Angebote nicht gerade auf den Tisch. Willy spielte letztes Jahr bei The Island Storm in der kanadischen NBL, kam aber lediglich auf gute neun Minuten Spielzeit und 3,4 Punkte pro Partie. Wenig Möglichkeiten also, um sich zu empfehlen. „Das Problem ist, dass die NBL auch stark amerikanisiert ist. Wir hatten entsprechend viel US-Amerikaner im Team und der Trainer hat eben mehr auf sie als auf uns Kanadier gesetzt. Er hat mir nicht 100-prozentig vertraut, wenngleich ich mit guten Leistungen von der Universität kam“, beschreibt Willy die Situation. Und in der Tat: An der Carleton University kam der 26-Jährige in der Saison 2011/12 auf 11,6 Punkte bei einer starken Dreierquote von 40,4 Prozent. Und in dem Jahr gewann er mit diesem Team auch die Meisterschaft! „Es war daher natürlich schon ein wenig hart für mich, im Folgejahr nicht die Anerkennung zu bekommen. Aber ich habe mich durchgebissen und auch hier Geduld bewiesen. Wann immer ich die Chance bekam zu spielen, habe ich versucht, meine Minuten bestmöglich zu nutzen. Ich habe nie den Kopf in den Sand gesteckt, sondern immer weiter konzentriert an mir gearbeitet“, so Willy.

Diese Eigenschaft muss er jetzt auch in Braunschweig an den Tag legen. Denn er weiß, in die Phantoms-Rotation reinzurutschen, ist schwierig. „Die Mannschaft spielt seit Saisonbeginn zusammen. Alle kennen sich sehr gut, wissen, wie sie auf dem Parkett miteinander umgehen müssen. Außerdem komme ich ja jetzt auch aus der ProB und da muss man eben geduldig sein, aber auch dafür arbeiten, dass sein Traum wahr wird“, sagt er weiter. Innerhalb des Teams fühle er sich aber schon sehr wohl. Und die Integration war für ihn auch deshalb etwas einfacher, weil er gut mit Aaron Doornekamp befreundet ist. Der Phantoms-Forward hatte Willy empfohlen, als die Spot Up Medien auf der Suche nach einer Verstärkung waren. Beide kennen sich von der Carleton University und die Tatsache, dass Aaron im Anschluss an seine Collegezeit den Sprung zum Profi-Basketballer schaffte, hat den Guard inspiriert und motiviert. „Aaron und einige weitere Freunde, die diesen Schritt geschafft haben, habe ich mir als Vorbilder genommen und angefangen, selber dieses Ziel zu verfolgen.“ Um so schöner sei es für Willy, dass er einen Teil dieser Entwicklung jetzt auch zusammen mit Aaron gehen kann. „Ich verbringe gerne meine Zeit mit ihm. Er und seine Frau laden mich mich meistens einmal die Woche zum Essen ein und ich genieße das sehr“, sagt er. Ansonsten würde er aber auch gerne selber kochen, zumal er viel Wert auf gesunde Ernährung legt. „Einmal pro Woche fahre ich mit Aaron und Kyle zu einem Wochenmarkt. Da kaufen wir dann frisches Gemüse und Fleisch ein. Eine gesunde Ernährung ist für mich als Profi-Sportler mit das A und O.“

Wenn Willy aber mal nicht kocht, trainiert oder bei Aaron ist, dann genießt er seine freie Zeit in der Braunschweiger Innenstadt. Dort ist er häufiger mit Isaiah Swann und James Florence anzutreffen, mit denen er sich ebenfalls sehr gut versteht. „Wir treffen uns zum Essen, aber auch mal zum Kartenspielen oder Playstation-Zocken. Wir harmonieren ganz gut, auch weil wir in einem ähnlichen Alter sind“, erklärt Willy. Ein Party-Tier sei er aber nicht. Und viele Freunde habe er ebenfalls nicht. „Ich bin eher der entspannte Typ und verbringe meine Freizeit daher auch gerne damit, Filme anzuschauen oder Yoga zu machen. Yoga habe ich angefangen, um meine körperliche Flexibilität zu erhöhen. Zur mentalen Beruhigung mache ich das nicht. Denn ich würde schon sagen, dass ich in mir Ruhe. Ich bin ruhig, nehme viele Dinge hin – werde das aber auch nicht ändern. Das heißt allerdings nicht, dass ich Chancen nicht nutze, wenn sie sich mir anbieten. Das hat mir mein Vater beigebracht und werde ich immer berücksichtigen“, sagt Willy, der sich ebenfalls sehr für die Geschichte der Gladiatoren interessiert. Er mag den Wettbewerb, und die Gladiatoren haben sich diesem immer gestellt. Sie seinen Helden und Idole gewesen und haben immer hart gekämpft. Dementsprechend begeistert war der 26-Jährige dann, als er auf einer Europa-Reise in Rom Halt machte und Eindrücke aus dieser Zeit gewinnen konnte. Weitere Stopps seines Auslands-Trips waren unter anderem Paris und Amsterdam, und die Aufenthalte in diesen Städten haben ihm veranschaulicht, dass er gerne in Europa Basketball spielen würde. „Ich mag Europa. Und ich mag auch Braunschweig und Deutschland. Ich fühle mich hier sehr wohl und sicher. Und wenn ich einen Wunsch hätte, dann würde ich in der kommenden Saison gerne in Deutschland und vielleicht ja auch in der BBL bleiben. Ich werde dafür arbeiten und mir jetzt einen Agenten suchen, um mich auf professionellere Beine zu stellen. Das ist eine Auswahl, die ich sehr bedacht treffen werden, denn von ihr hängt viel ab. Aber es ist der nächste Schritt meiner Profi-Karriere, den ich jetzt gehen muss. Und alles andere wird sich dann zeigen“, sagt Willy für ihn symptomatisch zum Ende des Gesprächs.


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