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Bei einem Spaziergang mit Dru Joyce und seiner Familie plauderte der Löwen-Spielmacher über seine bisherige Karriere, die Familie und seine Saison in Braunschweig. Foto: Ingo Hoffmann

Dru Joyce: „Meine Familie hält mich frisch“

08.04.2015

Auf dem Spielfeld gibt er das Tempo vor, führt Regie und ist einer der Garanten dafür, weshalb es in dieser Saison sportlich besser für die Basketball Löwen läuft. Dru Joyce ist bereits seit vielen Jahren in der Beko BBL bekannt und war dies auch schon, bevor er mit Leistungen auf dem Parkett überzeugte. Kein Wunder, denn er ist mit NBA-Superstar LeBron James befreundet – und allein schon deshalb ist Dru immer wieder ein gefragter Interviewpartner. Doch LeBron hin, LeBron her... bei einem gemeinsamen Spaziergang mit Dru standen nur er und seine Familie im Mittelpunkt unseres Interesses.


Dabei stellte sich schnell heraus, dass der Löwen-Spielmacher ein absoluter Familienmensch ist. Wann immer er eine freie Minute hat, verbringt er diese zusammen mit seiner Frau Lanae und den beiden Kindern Alivia und Kanin. So wie auch an diesem Tag. Wir gehen zusammen mit allen Vieren auf einen Spielplatz am Prinz-Albrecht-Park und es dauert nicht lange, bis klar wird: Sie sind zusammen regelmäßig hier. „Der Park ist für uns gut und schnell zu erreichen. Und für die Kinder ist es immer eine tolle Abwechselung“, sagt Lanae, während Dru Alivia in einem Karussell den nötigen Schwung verpasst. Egal, wo der Playmaker bisher angeheuert hat, Lanae war immer an seiner Seite. Und bei den sportlichen Entscheidungen spielte auch die Familie eine wichtige Rolle. „Für mich war es und ist es wichtig, dass meine Familie ein gutes Umfeld um sich herum hat. Wir haben bei den Entscheidungen, wo ich hingehe, Wert darauf gelegt, welchen Eindruck die Stadt macht und was sie auch für die Kinder zu bieten hat“, erklärt Dru.

Braunschweig ist von all seinen bisherigen Stationen die größte Stadt. Zuvor war der Strippenzieher im Löwen-Spiel in Ulm, Wloclawek (Polen), Trier und zuletzt in Oldenburg aktiv. An allen Standorten habe er wertvolle Erfahrungen gesammelt und überall etwas für seine Karriere und ihre Entwicklung mitgenommen. Die Anfänge seiner Karriere machte Dru zunächst an der High School und später am College. Nach seiner ereignisreichen High School-Zeit, in der Dru mit LeBron James in einer Mannschaft spielte und die Nationale High School Meisterschaft gewann, war sein Traum, College-Basketball auf einem hohen Niveau zu spielen. Und das tat er dann auch, in seiner Heimatstadt. Dru spielte vier Jahre in der Collegemannschaft der University of Akron in der NCAA 1, wo er nach seiner ersten Saison drei Jahre in Folge zum besten Assistgeber avancierte. Darauf folgte seine erste Profi-Station – in Deutschland, bei ratiopharm ulm. „Der damalige Trainer Mike Taylor rief mich an, sprach lange mit mir und versuchte mich zu überzeugen. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht gerade von dem angebotenen Geld angesprochen gefühlt habe. Ich war damals der Meinung, dass ich mehr Wert bin. Aber ich habe den Schritt nach Ulm dennoch gemacht, und es war eine gute Entscheidung“, erzählt Dru etwas schmunzelnd. Eine Saison später folgte auch Romeo Travis in die Domstadt, mit dem Dru am College zusammenspielte und den er als „Bruder“ bezeichnet. Nach insgesamt zwei Jahren in Ulm folgte eine Saison in Polen, ehe er wieder zurück in die Beko BBL kam und bei Trier anheuerte. „Lanae war zu diesem Zeitpunkt schwanger und wir fühlten, dass es eine bessere Situation für uns in Deutschland wäre. Ich war glücklich, dass ich nach Trier wechseln konnte. Meine Zeit dort war großartig und Henrik (Rödl) auch. Wir sind zu guten Freunden geworden und tauschen uns heute noch oft aus“, sagt Dru, der zwei Jahre später in Oldenburg landete. Mit den EWE Baskets hatte er zwei erfolgreiche Jahre. Allerdings gab es dort Stimmen, die über ihn sagten, dass er nicht punkten könne und zu offensivschwach wäre. „Das hat mir schon weh getan, denn ich habe mich damals komplett in den Dienst der Mannschaft gestellt, und das getan, was gebraucht wurde. Ich wusste immer, dass ich auch scoren kann. Nur hatten wir genügend Scorer in Oldenburg“, erklärt der Löwen-Spielmacher, während er seinem Sohn Kanin beim Rutschen hilft.

In Braunschweig ist seine Rolle eine andere. Für ihn, auch wenn er es nicht sagt, vermutlich eine bessere. Zwar erscheint es im ersten Moment als ein Rückschritt, den Dru mit dem Wechsel zu den Löwen gemacht hat. Denn Oldenburg hat im Eurocup sowie in der Eurochallenge gespielt und gehörte in den letzten zwei Jahren zu den besten vier Teams der Liga. Doch es war kein Rückschritt, wie er sagt. „Hier habe ich die Möglichkeit bekommen, mehr Verantwortung zu übernehmen und zeigen zu können, was ich kann. Und dafür bin ich dankbar. Ich genieße meine Zeit in Braunschweig, auch weil wir innerhalb der Mannschaft gut miteinander auskommen und eine gute Teamchemie aufgebaut haben“, sagt der 30-Jährige, der in dieser Saison bislang starke 12,6 Punkte und 6,1 Assists im Schnitt auflegt.
Doch auch abseits des Basketballs ist Dru zufrieden. Seine Frau und Kinder fühlen sich hier wohl, erkunden alle zusammen häufig die Stadt. Die vierjährige Alivia geht in einen Kindergarten und Lanae hat angefangen, Deutsch-Unterricht zu nehmen. Zweimal pro Woche belegt sie den Kurs und macht große Fortschritte. „Um ehrlich zu sein, habe ich damit begonnen, weil Alivia so gut und viel Deutsch spricht. Und wenn sie aus dem Kindergarten kommt, dann erzählt sie mir alles auf Deutsch und ich stehe dann da und verstehe gar nichts. Das wollte ich einfach nicht mehr“, begründet sie und lacht.

Lachen muss sie ebenfalls als wir danach fragen, wie sie und Dru zueinander gefunden haben. Dru erzählt, dass sie sich bereits im ersten College-Jahr kennengelernt haben und sie ihm sofort ins Auge gesprungen ist. Das galt allerdings nicht umgekehrt. Und so dauerte es eine gewisse Zeit, bis Dru Lanae überzeugen konnte. „Er ist hartnäckig gewesen und hat sich um mich bemüht. Irgendwann sind wir einmal ausgegangen und danach dachte ich, dass er ja doch ein wirklich netter Kerl ist. Und so hat es sich dann entwickelt“, schmunzelt sie. Vor zwei Jahren haben sie geheiratet, lange Zeit nachdem sie zusammenkamen. „Dafür brauchte ich etwas länger“, sagt Dru lachend, der aber gleich anfügt: „Ich liebe meine Familie. Sie hält mich frisch und am Laufen. Und es ist ein schönes Gefühl, dass meine Kinder immer mehr verstehen, was ich beruflich mache, und dass sie jetzt meine Spiele gucken können.“ Die Familie fängt ihn auch nach einer Niederlage wieder auf, macht es ihm leicht, sie schnell zu verdauen. „Ich versuche nach Niederlagen immer lustig zu sein und rumzualbern, um ihn zum Lachen zu bringen. Das funktioniert eigentlich recht gut. Aber ich muss auch sagen, dass ich mich glücklich schätzen kann, einen Mann zu haben, der gut mit Niederlagen umgehen kann“, so Lanae, die sich in Braunschweig eingelebt hat. „Anfangs wollte ich hier nicht Autofahren, weil alles größer ist und mehr Verkehr auf den Straßen herrscht. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und mag es hier“, sagt sie. Sowohl Dru wie auch Lanae können sich vorstellen, ein weiteres Jahr in Braunschweig zu bleiben. „Aber es ist zu früh, um darüber zu sprechen. Der Fokus liegt jetzt erst einmal auf der Saison und darauf, dass wir sie gut abschließen. Dafür will ich als Point Guard den entscheidenden Beitrag leisten und die Mannschaft weiterhin führen“, sagt Dru bestimmt als alle gemeinsam wieder den Spielplatz verlassen. 


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