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„Die Spieler müssen sich gut ergänzen“

12.07.2012

Während gegnerische Vereine in der Beko BBL bereits auf dem Spielermarkt aktiv geworden sind und Verpflichtungen vermelden konnten, ist es zumindest in dieser Hinsicht um die New Yorker Phantoms noch ruhig geblieben. Grund genug für newyorkerphantoms.de, sich zu einem Gespräch mit Sportdirektor Oliver Braun zu treffen, um sich nach dem aktuellen Stand der Dinge sowie zum Thema Spielerrekrutierung zu erkundigen.


Während gegnerische Vereine in der Beko BBL bereits auf dem Spielermarkt aktiv geworden sind und Verpflichtungen vermelden konnten, ist es zumindest in dieser Hinsicht um die New Yorker Phantoms noch ruhig geblieben. Grund genug für newyorkerphantoms.de, sich zu einem Gespräch mit Sportdirektor Oliver Braun zu treffen, um sich nach dem aktuellen Stand der Dinge sowie zum Thema Spielerrekrutierung zu erkundigen.

Hallo Oliver, ihr arbeitet derzeit an der Kaderzusammenstellung. Inwieweit wird dieser Prozess durch die Situation um Daniel Theis beeinflusst?

Oliver Braun: Daniel war bzw. ist ein elementarer Bestandteil unserer Planung. Insofern beeinflusst die Situation natürlich unser Konzept. Wir haben unseren Kader für Daniel etwas umgestellt und deshalb u. a. auch den Vertrag mit Rich Melzer aufgelöst. Jetzt sind wir jedoch gefragt, umzudenken. Wir müssen Wege finden, die es uns ermöglichen, die weitere Kaderzusammenstellung dennoch voranzutreiben. Aber dass dieser Prozess durch die aktuelle Situation schon behindert wird, steht außer Frage.

Was bedeutet „wir müssen Wege finden“? Wie geht ihr weiter vor, wenn im Fall Daniel Theis zeitnah keine Lösung in Sicht sein sollte?

Oliver Braun: Wir müssen zweigleisig fahren und arbeiten an einer Alternative. Zum Glück spielt uns der Markt auch etwas in die Hand. Der ist derzeit noch sehr heiß und die Preise dementsprechend hoch. Das ist auch der Grund, weshalb im Moment fast nur die Vereine aktiv sind, deren Etat auch deutlich höher ist als unserer. Aber diese Clubs nehmen uns ohnehin keine Spieler weg. Das heißt keinesfalls, dass wir uns zurücklehnen. Ganz im Gegenteil, wir sondieren den Markt intensiv und versuchen, auf vieles vorbereitet zu sein.

Das hört sich so an, als könnten positive Nachrichten noch etwas auf sich warten lassen?
 
Oliver Braun: Wir arbeiten natürlich mit Hochdruck daran, bald etwas in Sachen Verpflichtung vermelden zu können. Nicht nur um den Fans etwas zu zeigen, sondern auch, weil es unser Ziel ist, zum Trainingsauftakt eine vollständige Mannschaft präsentieren zu können. Wir haben aktuell zwei Spielern konkrete Angebote vorgelegt. Damit hängt es von ihnen ab, ob wir in den nächsten Tagen eine oder mehrere Verpflichtung vermelden können. Ziemlich sicher ist jedoch, dass wir als erstes den Trainerstab komplettieren werden.

Magst du verraten, auf welcher Position die Spieler agieren, denen ihr Angebote unterbreitet habt?

Oliver Braun (lächelt): Nein. Aber ich kann sagen, dass ich einen der beiden schon länger beobachtet habe. Dementsprechend wäre ich auch sehr froh, wenn er sich für den Standort Braunschweig entscheiden würde.

Kannst du einmal darstellen, wie der Prozess der Spielerrekrutierung aussieht und wie viel Zeit das in etwa beansprucht?

Oliver Braun: Zunächst entwickelt man eine Vorstellung davon, wie ein Spieler sein und welche Attribute er mitbringen sollte. Wenn man diese Vorstellung verfestigt hat, sucht man einen Namen dazu und holt anschließend Informationen zu dem Spieler ein. Dabei geht es vorrangig um den Charakter und sportliche Komponenten. Hierfür sichten wir Videos, führen eine Spieleranalyse durch und gehen in Gespräche mit den ehemaligen Trainern, Spielern und auch mit dem Agenten, um die Marktsituation des Spielers zu klären. Manchmal stellt sich nach dem Gespräch mit dem Agenten heraus, dass der Spieler finanziell außerhalb unserer Reichweite liegt, oder der Spieler als Flügel angeboten wird, aber eher ein Power Forward ist oder ähnliches! Teilweise ist es wie im Wilden Westen und richtige Informationen sind Mangelware. Sollte aber alles stimmig sein, dann unterbreiten wir ein Angebot. Bis es dann zur finalen Unterschrift kommt kann es nur eine Woche, aber auch Monate dauern. Insgesamt investiert man pro Spieler zwischen 20 bis 30 Stunden Zeit. Das ist aber auch immer davon abhängig, ob man einen Spieler schon einmal gesehen hat oder man einen ins Visier nimmt, der alle Kriterien erfüllt, aber einem selber noch unbekannt ist.

Auf was achtet ihr bei der Spielerauswahl besonders?

Oliver Braun: Grundlegend ist natürlich, dass die Spieler ins System vom Coach passen und er seine Philosophie durchsetzen kann. Unter Berücksichtigung dessen ist dann als nächstes von Relevanz, dass sich die Spieler gut ergänzen. Nehmen wir mal die Guard-Position als Beispiel, auch weil die Beko BBL eine Guard-Liga geworden ist. Wenn wir mit Dennis Schröder einen Spieler auf der 1 besitzen, der gerne zum Korb zieht und dies seine Stärke ist, dann muss sein Gegenstück im Idealfall eher mit einem starken Wurf ausgestattet sein. Wir versuchen bei der Spielerauswahl demzufolge alle entscheidenden Aspekte abzudecken. Dazu gehören aber nicht nur die spielerischen Fähigkeiten, sondern auch die Charaktereigenschaften. So braucht man definitiv einen Leadertypen, aber ebenso den Spieler, der ruhiger ist. Am Ende macht es der gute Mix.
 
Nachdem du drei Jahre die Spielerakquise mit Sebastian Machowski und Phillipp Köchling durchgeführt hast, machst du dieses nun zum ersten Mal gemeinsam mit Kostas Flevarakis. Ähnelt die Arbeit mit dem neuen Trainer der seines Vorgängers oder werden Unterschiede deutlich?

Oliver Braun: Der grundsätzliche Arbeitslauf ist ähnlich. Allerdings ist Kostas ein anderer Coaching-Typ, weshalb wir in eine andere Richtung scouten. Sebastian hat gerne mit erfahrenen Spielern zusammen gearbeitet, während Kostas die Arbeit mit jungen Spielern bevorzugt. Er möchte Spieler noch formen können und sie entwickeln. Dabei scheut er auch keine schwierigen Charaktere. Dementsprechend sondieren wir den Markt auch nach jüngeren Spielern, was allerdings nicht gleichbedeutend damit ist, dass sie unerfahren sind.

Aktuell findet die NBA Summerleague statt. Von den New Yorker Phantoms ist allerdings niemand vor Ort. Ist dieser Markt nicht interessant?
 
Oliver Braun: Doch schon. Aber bei solchen Events geht es vornehmlich um Netzwerk-Arbeit. Unser Coach hingegen ist erfahren, kennt viele relevante Leute und ist dementsprechend gut vernetzt. Wir haben natürlich Ansprechpartner vor Ort, mit denen wir kommunizieren und auf diese Weise Informationen erhalten. Für uns ist es jedoch auch wichtig, bei den College-Camps vor Ort zu sein. Da sehen wir einfach mehr Möglichkeiten, Spieler zu finden und mit den Beratern zu kommunizieren. Genau deshalb war ich auch vor einigen Wochen in den USA und habe so ein College-Camp besucht. Ob dieser Besuch Früchte trägt, bleibt abzuwarten.
 
Abschließend die Frage: Wie zuversichtlich bist du, dass ihr bis zum Trainingsauftakt den Kader komplettiert habt?

Oliver Braun: Wie vorhin bereits gesagt: das ist unser Ziel. Kostas ist sehr zuversichtlich, dass uns das gelingen wird. Ich bin auch guter Dinge und verfalle auf keinen Fall in Panik. Allerdings ist vieles von den Marktpreisen abhängig, und nicht zuletzt deshalb ist dieses Ziel auch mit einem kleinen Fragezeichen versehen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!


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