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Der neue Phantoms-Headcoach Raoul Korner (Bildmitte) sucht gerne neue Herausforderungen und möchte in Braunschweig den nächsten Schritt machen.

Raoul Korner: „Die Spieler müssen bereit sein, hart zu arbeiten“

15.06.2013

Am vergangenen Dienstag haben die New Yorker Phantoms die Verpflichtung des 39-jährigen Raoul Korner als neuen Headcoach bekannt gegeben. newyorkerphantoms.de hatte die Chance zu einem Interview mit dem gebürtigen Wiener und hat ihn unter anderem gefragt, wie er die Beko BBL einschätzt, sein Sommerfahrplan aussieht und natürlich auch was er in der kommenden Saison gerne erreichen möchte.


Du hast in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich in Österreich und den Niederlanden gecoacht. Was waren nun die entscheidenden Gründe, dich für ein Engagement in der Beko BBL und speziell bei den New Yorker Phantoms zu entscheiden?

Raoul Korner: Ich bin jemand, der nach dem Erreichen seiner Etappen-Ziele neue Herausforderungen sucht. In Österreich war das Ende der Fahnenstange erreicht, nachdem wir mit dem WBC Meister geworden sind und uns mit Siegen u.a. gegen Besiktas Istanbul, Artland Dragons oder Antwerp Giants teuer im Europacup verkauft haben.
In Den Bosch ging es darum, trotz massiver Budgetkürzungen wieder an alte Erfolge anzuschließen. Auch das ist uns mit dem Gewinn der Meisterschaft und des Pokals gelungen. Jetzt steht dort ein erneuter Umbruch an, daher war es für mich an der Zeit, einen „nächsten Schritt“ zu machen. Einen solchen sehe ich in dem Engagement bei den New Yorker Phantoms in der Beko BBL. Sicherlich (wieder) keine einfache Aufgabe, aber extrem interessant. Ich denke, dass ich hier mithelfen kann, etwas Gutes und Solides aufzubauen, mit dem sich die Fans identifizieren können. 

Du hast in der Vergangenheit diverse Beko BBL-Spiele gesehen. Was ist dein Eindruck von der Liga?

Raoul Korner: Die Beko BBL hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt, und zwar in jeglicher Hinsicht. Es ist kein Zufall, dass diese Liga den höchsten Zuschauerschnitt in Europa hat. Die Beko BBL ist ausgeglichen wie keine andere Liga und dementsprechend spannend und attraktiv. Begünstigt durch die vergleichsweise starke deutsche Wirtschaft hat die Liga massiv im internationalen Vergleich aufgeholt, was sich im letzten Jahr ja auch dadurch gezeigt hat, dass mit Bamberg und Berlin gleich zwei deutsche Teams den Einzug unter die besten 16 Teams in der Euroleague geschafft haben. 

Worin siehst du die größten Unterschiede im Vergleich zu den Ligen, in denen du zuvor tätig warst?

Raoul Korner: In erster Linie in der Athletik und Qualität der (meisten) Einzelspieler, sowie in der Ausgeglichenheit. Die Beko BBL ist deutlich stärker als die ABL (Österreich) oder DBL (Niederlande) und hat eine ganz eigene Charakteristik, die sie auch von allen anderen Ligen Europas unterscheidet. Die Athletik spielt dabei wie schon erwähnt eine große Rolle, aber auch der Spielstil der meisten Teams. 

Du kommst am morgigen Sonntag zum ersten Mal nach Braunschweig. Wie sieht dein allgemeiner Sommerfahrplan aus, auch im Hinblick auf die Spielerakquise?

Raoul Korner: Ich war schon einmal für zwei Tage hier bevor ich unterschrieben habe. Bei diesem Besuch jetzt geht es in erster Linie darum, persönliche Gespräche mit den vorhandenen Spielern, sowie allen Coaches des Klubs zu führen. Außerdem wollen wir gemeinsam mit Oliver Braun die Vorbereitung planen und das Recruiting koordinieren. Gut möglich, dass ich zwecks Spielerakquise einige Zeit in Amerika verbringen werde, da ich es für extrem wichtig halte, mir einen persönlichen Eindruck von den Spielern nicht nur in Bezug auf ihr Können, sondern auch in Bezug auf ihren Charakter zu machen. Fehler die man im Sommer macht, sind unter der Saison kaum mehr zu korrigieren. Wir dürfen uns deshalb keine erlauben!

Einige Spieler aus der vergangenen Saison haben bereits Verträge für die kommende Spielzeit (mehr dazu HIER). Kannst du schon sagen, wo du die Stärken dieser Spieler siehst und wie du sie grundlegend einschätzt?

Raoul Korner: Ich habe mich natürlich eingehend mit den Spielern auseinandergesetzt und denke, dass ich sie ganz gut einschätzen kann. Dennoch bringt jeder Trainerwechsel ja auch den Vorteil für jeden Spieler mit sich, sich wieder neu beweisen zu können. Demnach möchte ich davon Abstand nehmen, die Spieler hier „zu bewerten“ und ihnen damit die Chance zu nehmen, bei Null anzufangen. Ich bin jedenfalls froh über jeden Einzelnen, ihn im Kader zu haben.
Im Fall von Dennis (Schröder) kann ich sagen, dass ich hoffe, dass er den Sprung in die NBA schafft, auch wenn das für uns natürlich eine große Schwächung darstellt, aber da müssen wir realistisch bleiben.

Nach welchen Charakteristika bzw. Anforderungen hältst du bei den neuen Spielern Ausschau?

Raoul Korner: Entscheidend wird sein, dass die Zusammenstellung des Teams passt. Die Balance zwischen Routine und jugendlichem Ehrgeiz, Führungs- und Rollenspielern usw. muss gegeben sein. Die Rollen müssen außerdem klar verteilt sein, jeder muss wissen, wofür er bei den New Yorker Phantoms engagiert ist.
Natürlich spielt das individuelle Talent eine wichtige Rolle. Genauso wichtig – wenn nicht sogar noch wichtiger – ist mir aber, dass die Spieler bereit und in der Lage sind, jeden Tag hart zu arbeiten, individuell und als Team zu wachsen, sich dem Team unterordnen und dass für sie der Teamerfolg an erster Stelle steht. Schließlich sollen sich ja die Fans mit dem Team auch identifizieren können.

Was erwartest du von deinen Spielern?

Raoul Korner: Im Prinzip sind meine Erwartungen an die Spieler ganz einfach: 100 Prozent! Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger. Ich bin mir auch dessen bewusst, dass man als Coach von seinen Spielern nicht mehr verlangen kann, als man selbst bereit ist zu geben.

Auf welchen Basketball können sich die Fans unter deiner Regie freuen? Und wie würdest du deine Philosophie beschreiben – auch in Bezug auf die Jugendarbeit?

Raoul Korner: Grundsätzlich halte ich nicht viel davon, im Vorfeld großspurig anzukündigen, wie attraktiv, hart und erfolgreich wir spielen werden, auch wenn man das vielleicht von einem neuen Trainer erwartet. Ich möchte nicht reden, sondern arbeiten. Letztendlich liegt die Wahrheit allein auf dem Platz und nicht in Versprechungen!
Was das Jugendkonzept anbelangt, so denke ich, dass ein durchgehender „roter Faden“ vom BBL-Team bis hinunter zu den Jüngsten ganz wichtig ist. Das funktioniert nur, wenn alle Coaches des Klubs eng zusammen arbeiten und viel miteinander kommunizieren. Das ist einer der Aufgabenbereiche, auf den ich mich am meisten freue.

Wie würdest du dich als Trainer beschreiben?

Raoul Korner: Ehrgeizig, zielstrebig und analytisch beschreibt mich vermutlich am Besten.

Was möchtest du in der kommenden Saison erreichen?

Raoul Korner: Ich denke, dass wir gut daran tun, uns nicht auf einen Tabellenplatz zu versteifen, sondern uns voll auf den Arbeitsprozess zu konzentrieren. Wenn wir eine bestimmte Platzierung anvisieren, machen wir uns auch abhängig von den gegnerischen Mannschaften und das liegt außerhalb unseres Kontrollbereichs. Wir definieren unsere Ziele in Etappen: Zuerst geht es einmal darum, eine Mannschaft zusammenzustellen, die unseren hohen Anforderungen entspricht und mit der wir den langen Weg gehen möchten. Danach muss sich dieses Team finden und verbessern. Unter dem Strich soll auf dem Spielfeld 1x5 mehr sein als 5x1 – das Team also besser sein, als die Summe der Einzelteile.
Wenn wir das Maximum aus unseren Möglichkeiten herausholen können, so denke ich, dass wir mehr um die Playoffs, als gegen den Abstieg spielen werden. Meine persönlichen Ziele stecke ich mir ohnehin immer höher, als von außen vorgegeben oder erwartet wird.

Vielen Dank für das Gespräch.


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