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Löwen-Spielmacher Derek Needham will in der Beko BBL den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen. Foto: Ingo Hoffmann/PartnerDesign

Derek Needham: „Führung zu übernehmen, liegt in meinem Naturell“

14.08.2015

Wenn man dieser Tage in der Tunica-Sporthalle beim Training reinschaut, dann stellt man fest, dass ein Spieler häufig besonders früh da ist und gerne auch etwas länger bleibt: Derek Needham. Der neue Löwen-Spielmacher kniet sich ordentlich rein. Und das obwohl er in körperlich guter Verfassung aus dem Sommer in Braunschweig ankam.


„Ich habe schon immer viel trainiert und hart gearbeitet. Aber diesen Sommer wollte ich unbedingt fit sein, weil ich weiß, dass in der Beko BBL ein hohes Niveau auf mich wartet. Ich habe Respekt vor der Liga und wollte mir den Einstieg hier erleichtern, indem ich von vornherein gut trainiert ankomme und meinen Fokus dann schneller auf mein Spiel richten kann“, so der 24-Jährige Point Guard, dem die Eingewöhnung in eine neue Liga in den letzten beiden Jahren sehr gut gelungen ist.

In seinem ersten Profijahr heuerte Derek in Litauen bei Siauliai an und blickt sehr positiv auf diese Zeit zurück. Nicht nur, weil sein Team die Meisterschaft in der baltischen Liga gewonnen hat, oder weil er gute Statistiken aufzuweisen hatte – sondern vor allem, weil er dort viel gelernt hat. „Die Litauer sind eine Basketball-Nation. Sie verstehen diesen Sport und spielen ihn deshalb auch so gut. Ich habe schnell festgestellt, dass ich zwar viel schneller als viele von ihnen war. Aber sie waren dafür deutlich spielintelligenter und schlauer. Ich habe in Litauen gelernt, das Spiel besser zu verstehen und das hat mich und meinen Spielstil weiterentwickelt“, erzählt Derek. Jede Saison würde ihn aber in seiner Spielweise prägen und nach jeder Saison würde sich in seinem Spiel immer etwas ändern.

So hätten die Erfahrungen in Litauen ihn in seinem zweiten Profijahr in der Ukraine als Spielmacher ruhiger werden lassen. Ruhig im Sinne von besonnener in seinen Aktionen. Ruhig im Sinne von, dem Team in den entscheidenen Momenten Führung zu geben. Derek hatte schon vor einigen Jahren erkannt, dass er ein Führungsspieler sein kann – und ist. Es fing zu Schulzeiten an, dass ihm Freunde folgten oder auf das hörten, was er sagte. „Ich habe das damals allerdings nicht genutzt. Das geschah erst am College in meinem Sophomore Jahr, als der Coach mit mir sprach und sagte, dass ich der Typ dafür wäre, um mehr Führung zu übernehmen. Ich habe das dann auch getan und es ist mir nicht schwergefallen, weil es offensichtlich meinem Naturell entspricht“, sagt der Löwen-Spielmacher.

In der Ukraine hat er sein Team von BK Khimik Yuhzny dann letzte Saison zur Meisterschaft geführt. Und das ohne eine einzige Niederlage! Derek hat dabei in 23,5 Spielminuten im Schnitt 11,9 Punkte, 4,6 Assists und 3,4 Rebounds aufgelegt und zudem noch 43,4 Prozent seiner Dreier versenkt. Dabei sah es ganz zu Beginn nicht unbedingt danach aus, als sollte es eine gute Saison für ihn werden. Derek flog mit mulmigen Gefühlen in die Ukraine und hatte dort ein Leben zwischen Waffen und Bomben erwartet. „In den Medien wurde über den Krieg in der Ukraine berichtet. Nicht wenige Import-Spieler haben in der Saison zuvor das Land verlassen, weil die Situation dort zu unsicher war. Ich war mir auch nicht mehr sicher, auf was ich mich da eingelassen hatte“, beschreibt er seine damalige Hin- und Hergerissenheit. Khimik hatte in der Saison zuvor knapp den Titel verpasst. Und das Ziel des Klubs in der vergangenen Spielzeit lautete daher, die Meisterschaft zu holen. „Sie hatten mir das gesagt. Und ich wollte unbedingt ein Teil von diesem Vorhaben sein, weshalb ich in Yuhzny unterschrieben habe.“ Zum Glück gestaltete sich vor Ort dann alles viel besser, als Derek es erwartet hatte. Die Stadt war schön und grün. In seiner Umgebung wohnten viele Familien und das Team passte auch. Alles in allem hatte er dort eine gute Zeit, auch wenn das Leben und der damit verbundene „lifestyle“ in der Ukraine weit von dem entfernt waren, was er als US-Amerikaner gewöhnt ist.

Dies sei nun aber in Braunschweig komplett anders. „Ich liebe die Stadt“, hatte Derek gleich nach wenigen Tagen gesagt. Er war bereits in den Schloss-Arkaden, die er großartig findet. Und er hat auch schon das ein oder andere Restaurant gefunden, in dem er gerne Essen geht. Er wird die Stadt allerdings erst dann richtig erkunden, wenn seine Frau Michelle nach Braunschweig kommt. Die beiden haben vor kurzem geheiratet und Derek freut sich darauf, dass Michelle die gesamte Saison über in Braunschweig sein wird. „In Litauen und in der Ukraine war sie mich nur besuchen. Aber ich glaube sie hätte sich dort über einen längeren Zeitraum auch nicht wohlgefühlt. Mit Braunschweig wird das anders sein. Sie hat sich schon im Internet über die Stadt erkundigt und weiß viel mehr über Braunschweig als ich“, lacht er. Das würde aber auch daran liegen, dass sein Fokus eben dem Basketball gelte. Und so hat Derek sich nicht über die Stadt sondern über die Beko BBL erkundigt. „Ich bin gut mit Rakim Sanders (ehemals Brose Baskets) und Sean Armand (zuletzt FRAPORT SKYLINERS) befreundet. Ich habe mit beiden über die Liga gesprochen und sie haben mir nur Gutes berichtet. Beide sagten auch, dass es eine Liga auf hohem Niveau ist und sie einem einiges abverlangt. Doch das ist genau das, was ich möchte. Ich will mich verbessern und ich möchte ein höheres spielerisches Level erreichen. Ich will mir selbst beweisen, dass ich es in der Beko BBL schaffen kann und dafür werde ich hart arbeiten“, sagt Derek bestimmt und fügt dann noch mit einem Lächeln hinzu: „Und ich bin wirklich aufgeregt.“


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