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Das einfachste Spiel des Jahres

03.11.2007

Einfacher kann es eine Heimmannschaft kaum haben. Denn wenn eine Begegnung gegen den amtierenden Meister mitsamt seiner in der Liga bislang makellosen Bilanz ins Haus steht, dann erübrigt sich eine etwaige Diskussion um die Favoritenrolle schnell. Die New Yorker Phantoms werden zwar gute Gastgeber sein, doch Geschenke in Form von zwei freiwillig abgegebenen Meisterschaftspunkten können die Brose Baskets Bamberg nicht erwarten. Was sich die Franken erarbeiten wollen, müssen die Hausherren aber auch genauso gut verteidigen. Gelingt dies, steht einer unterhaltsamen Partie zwischen dem Primus und dem Tabellenvierten der BBL nichts im Wege.

Im Sommer wurde mehrfach prominentes Spielermaterial nach Bamberg gelotst. Mit Ademola Okulaja und Demond Greene heuerten zwei Starter der deutschen Nationalmannschaft an.


Einfacher kann es eine Heimmannschaft kaum haben. Denn wenn eine Begegnung gegen den amtierenden Meister mitsamt seiner in der Liga bislang makellosen Bilanz ins Haus steht, dann erübrigt sich eine etwaige Diskussion um die Favoritenrolle schnell. Die New Yorker Phantoms werden zwar gute Gastgeber sein, doch Geschenke in Form von zwei freiwillig abgegebenen Meisterschaftspunkten können die Brose Baskets Bamberg nicht erwarten. Was sich die Franken erarbeiten wollen, müssen die Hausherren aber auch genauso gut verteidigen. Gelingt dies, steht einer unterhaltsamen Partie zwischen dem Primus und dem Tabellenvierten der BBL nichts im Wege.

Im Sommer wurde mehrfach prominentes Spielermaterial nach Bamberg gelotst. Mit Ademola Okulaja und Demond Greene heuerten zwei Starter der deutschen Nationalmannschaft an. Beide sind in der BBL wegen ihrer spektakulären Spielweise sehr beliebt. Dies täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass sie auch harte Arbeiter sind, die in der Verteidigung keine Kompromisse machen. Greene gilt seit Jahren als der athletischste Guard der Bundesliga, der vom Aufbauspieler bis hin zum Power Forward auf den unterschiedlichsten Positionen zum „Stopper“ wird. Der ehemalige Leichtathlet ist ein sportwissenschaftliches Phänomen, davon kann auch NBA-Champ Dwyane Wade ein Liedchen singen – Tipp: bei www.youtube.com einfach mal nach „Demond Greene Block“ suchen! So steil es für den 28-jährigen auch nach oben ging, so abrupt endete der Höhenflug, als er sich vergangene Saison in Berlin den Knöchel brach. Die unschönen Bilder haben die Basketballfans geschockt. Aber Demond Greene wäre nicht Demond Greene, wenn er aus diesem herben Rückschlag nicht Motivation ziehen würde. In Bamberg fühlt er sich sichtlich wohl. In dem exklusiven Kader kann er seine Stärken perfekt in die Waagschale werfen. Hinten gibt er Gas und bringt gegnerische Guards schier zur Verzweiflung, in der Offensive kann er sich die wirklich guten Würfe aussuchen. Letzteres beschert ihm erstmals in seiner Karriere eine Trefferquote von mehr als 50 Prozent.

Bei der riesigen Ansammlung deutscher Akteure im Kader muss sich Neuzugang Predrag Suput wie ein krasser Außenseiter vorkommen. Der Serbe ist schlicht und ergreifend das, was man langläufig einen „Winner“ nennt. Kurz: Da wo er ist, ist vorne! In den Jahren 2005 und 2006 feierte er mit Partizan Belgrad die Meisterschaft. Vergangene Saison verschaffte der 30-jährige der Mannschaft von Hemofarm Vrsac die Spitzenposition nach der Hauptrunde, ehe in den Playoffs erst im Halbfinale das Aus kam. Mit einem Gardemaß von 2,00 Metern bringt er alle körperlichen Voraussetzungen mit, um nicht nur auf der Position des Small Forwards aufzulaufen. Dank seiner 103 Kilogramm

Lebendgewicht kann er auch in Korbnähe agieren, ist dabei aber leichtfüßig genug, um im Notfall auch kleinere Guards verteidigen zu können. In Bamberg bringt er all dies wohldosiert aufs Feld – in Zahlen: 10,8 Punkte, 7,2 Rebounds und 3,5 Assists pro Partie. Suput ist die ultimative Allzweckwaffe in Dirk Bauermanns System. Egal, wie man Suput auch aus dem Spiel zu nehmen versucht, er findet stets eine Nische, in der er es sich gemütlich machen und dennoch das Spiel beeinflussen kann.

Das Gesamtpaket Brose Baskets Bamberg geht als klarer Favorit in die BBL-Saison 2007/08. In den ersten Wochen haben die Franken ihrem vorauseilenden Ruf alle Ehre gemacht. Im Schnitt konnten die Spiele mit 17,7 Zählern Differenz gewonnen werden. Einzig zum Auftakt gegen Oldenburg (57:55) und am vergangenen Wochenende gegen Tübingen (59:54) gab es knappe Ergebnisse. Bislang gelang es keiner Mannschaft, mehr als 60 Punkte gegen das Brose-Bollwerk auf die Anzeigetafel zu bringen. In der Offensive haben die Baskets eine ganze Reihe von Waffen. Ob Fastbreakspiel, Early Offense oder gemächliches Setplay, die Voraussetzungen dafür sind vorhanden. Dies drückt sich nicht zuletzt in der Punktestatistik der Spieler aus. Neben Suput scoren auch noch Ademola Okulaja (10,5), Darren Fenn (11,2) und Steffen Hamann (10,2) im Durchschnitt zweistellig, Demond Greene schrammt mit 9,7 PpS nur haarscharf daran vorbei.

Diese breite Aufstellung haben die Baskets auch dringend nötig. Denn die Saison wird lang und schwer. Hatten die meisten Vereine schon mit den aufeinanderfolgenden „englischen Wochen“ Anfang Oktober zu kämpfen, so wird es bei den Franken bei der Belastung unter der Woche bleiben. Dann nämlich stehen ihnen die Euroleague-Partien ins Haus, welche extrem kräftezehrend sind. Wichtig wird sein, dass Bauermann die optimale Mischung aus Erholung und intensiver Spielvorbereitung für sein Team findet. Beim ersten internationalen Auftritt gegen Roanne stimmte die Spannung jedenfalls, auch wenn die Gäste mit einem Dreier in letzter Sekunde dem Deutschen Meister eine unglückliche 61:64-Niederlage zufügten. Am Mittwoch wurde dem amtierenden Euroleague-Champ Panathinaikos Athen lange Paroli geboten, ehe sich dieser vor heimischem Publikum mit 66:61 durchzusetzen vermochte.

„Bamberg ist die derzeit beste deutsche Mannschaft“, zollt Phantoms-Trainer Emir Mutapcic den Gästen Respekt. „Um gegen diese Mannschaft eine Chance zu haben, müssen wir über unsere Grenzen hinausgehen und mindestens 110 Prozent geben.“ Besonders die tiefe Bank der Franken sieht Mutapcic als großes Plus an. „Sie haben bis hin zur zwölften Position viele Optionen, die sie nutzen können. Für uns gilt, uns gut zu präsentieren und uns gegen das hohe individuelle und taktische Bamberger Niveau zu behaupten. Ich hoffe auf die Unterstützung der Fans, welche gerade in solch einer Partie ein großer Faktor sein können.“

(Foto: Dirk Spicher)

 


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