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Courtney Pigram: Vielseitiger "Hundeflüsterer"

17.04.2013

REBOUND-Homestory: Courtney Pigram ist immer gern und viel unterwegs. Ob auf dem Spielfeld, wenn er sich gerade für einen Distanzschuss freiläuft, oder in seiner Freizeit, dann bevorzugt auf dem Fahrrad.


Zu unserem "Homestory"-Interview (REBOUND-Ausgabe 16) kommt er aber ausnahmsweise mit dem Auto, denn auf dem Gepäckträger hätte seine Freundin Michelle wohl nicht so viel Platz zum Mitfahren gehabt. Erst seit wenigen Tagen leistet sie ihm in Braunschweig Gesellschaft und auch Courtney selbst ist noch dabei, sich einzuleben und die Stadt zu erkunden. Nach einem kurzen Engagement in Würzburg sind die Phantoms die zweite Deutschland-Station des quirligen Guards. Umso schmerzhafter war für ihn die Niederlage gegen seinen ehemaligen Verein vor drei Wochen. „Dieses Spiel wollte ich unbedingt gewinnen“, erinnert er sich. „Es ist immer aufregend, gegen die Jungs anzutreten, mit denen man vor ein paar Wochen noch zusammen trainiert und gespielt hat. Nachdem dieses Spiel verloren ging, war ich sehr frustriert. Ich bin aber eigentlich immer frustriert, wenn meine Mannschaft nicht gewinnt. Obwohl ich noch gar nicht so lange hier bin, ist mir der Ernst der Lage bewusst. Wir sind ein gutes Team, eine gute Sammlung von verschiedenen Spielern und verschiedenen Persönlichkeiten. Wir müssen uns nur dann, wenn es darauf ankommt, zu hundert Prozent auf den Sieg konzentrieren und auf diese Weise gewinnen.“

In seiner bisherigen Karriere hat es Courtney Pigram bereits in so einige Ecken der Welt verschlagen. „Ich habe mittlerweile bei gut 20 verschiedenen NBA-Mannschaften mittrainiert. Diesen Sommer habe ich bei den Memphis Grizzlies verbracht. Memphis ist meine Heimatstadt, da bin ich geboren, aufgewachsen und zur Highschool gegangen. Eigentlich habe ich erst Football gespielt, mich aber irgendwann für Basketball entschieden, weil im Basketball ein einzelner Spieler viel bewirken kann, man bekommt den Ball zugespielt und kann etwas damit tun. In einem Football-Spiel kann es sein, dass man den Ball überhaupt erst gar nicht in die Hände kriegt. Basketball ist da anders und irgendwann gab es für mich nichts Anderes mehr. Ich denke gern an meine Highschool-Zeit zurück. Wir hatten eine richtig gute Mannschaft. Erst für das College bin ich dann aus Memphis weggezogen, aber für US-Verhältnisse nicht einmal sonderlich weit, keine 500 Meilen. Richtig herumgereist bin ich erst als Profi“, erzählt er. In Spanien hat er schon gespielt und auch in China – „ich sage aber lieber nichts über das Essen dort, irgendwann gab es für mich nur noch drei Mal Reis am Tag. Es war auch generell wie eine komplett andere Welt.“

Nun also Deutschland – und wie fällt das bisherige Fazit über die Liga aus? Sehr amerikanisch sei die Beko BBL, berichtet uns Courtney, und er könne sich darüber kaum beklagen. Auf dem Feld werde viel Englisch gesprochen, die Spielsysteme erinnern manchmal an die, die auch an Colleges gelaufen werden. Immer noch sehr gern schaut sich Courtney in seiner Freizeit die Spiele der NCAA an und nimmt auch an einem sogenannten Bracket teil. Hier geht es darum, möglichst genau vorherzusagen, welche Teams in der March Madness wie weit kommen, wer ins Final Four einzieht und wer den Titel holt. Natürlich verfolgt er auch die Geschehnisse in der NBA aufmerksam mit und hofft, irgendwann einmal mehr als nur die Preseason bei einem der Teams zu verbringen. Bis es aber damit klappt, möchte er sich auf Europa konzentrieren und in dieser Saison darauf, mit den Phantoms den Klassenerhalt zu schaffen. „Natürlich ist es etwas schwieriger, wenn man erst spät in der Saison neu dazukommt. Schwierig für den neuen Spieler, aber natürlich auch für die Mannschaft, die sich auf diesen Spieler einstellen muss. Trotzdem haben wir mehr als genug Qualität, um dem Abstieg zu vermeiden. Ich selbst werde versuchen, dem Team mit meiner Vielseitigkeit zu helfen.“

Vielseitig geht es bei Courtney Pigram auch in der Freizeit zu. Was kaum jemand über ihn weiß - er spielt Klavier, Gitarre, Schlagzeug und noch einige andere Instrumente und komponiert eigene Beats. Seine Freundin verrät uns, dass Courtney für sein Leben gern Fisch isst und diesen auch in immer neuen Variationen zubereitet, und auch dass er so etwas wie ein „Hundeflüsterer“ ist. Jemand, der mit Hunden aufgewachsen ist, Hunde trainiert und einen sibirischen Husky besitzt, der zu Hause in den USA auf ihn wartet. Auch Bowling, Fernsehserien und Videospiele haben es Courtney Pigram angetan. „Ich mag es überhaupt nicht, mich zu langweilen, also bin ich gern aktiv und beschäftige mich mit Dingen. Ich lache viel, mache gern Witze, bin kommunikativ und lerne ständig neue Menschen kennen“, sagt Courtney über sich selbst. Und es stimmt: während sich unser Interview-Gespräch wie von allein entwickelt merken wir gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Irgendwann kommt aber der Blick auf die Uhr. Courtney muss los, schnell noch seine Freundin nach Hause bringen, und dann steht schon das Abendtraining an, einer der täglichen kleinen Bausteine der Mission Klassenerhalt.

Text: Anna Naydorf


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