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„2,21 Meter bedeuten Ruhm, Reichtum und Erfolg“

04.11.2010

Bei Phantoms-Center Nick Schneiders muss sich so mancher Gegenspieler unter dem Korb noch den Nacken verrenken: Der 26-Jährige misst stattliche 2,21 Meter. Der in der Nähe von Bielefeld beheimatete Deutsche wechselte im Sommer von der University of South Carolina Upstate (NCAA 1) – dort hält der Big-Man den Hochschulrekord bei den geblockten Würfen in einer Saison (88 Stück) – nach Braunschweig.


Bei Phantoms-Center Nick Schneiders muss sich so mancher Gegenspieler unter dem Korb noch den Nacken verrenken: Der 26-Jährige misst stattliche 2,21 Meter. Der in der Nähe von Bielefeld beheimatete Deutsche wechselte im Sommer von der University of South Carolina Upstate (NCAA 1) – dort hält der Big-Man den Hochschulrekord bei den geblockten Würfen in einer Saison (88 Stück) – nach Braunschweig. Sehr privat und ausführlich gibt der in den USA bei seinem Studienabschluss mit Bestnoten ausgezeichnete Grafik Designer Auskunft über seinen sportlichen Werdegang und Zukunftsvisionen – vor allem jedoch über den Umgang mit seiner enormen Körpergröße im Alltag.

Hallo Nick, Du spielst erst sechs Jahre Basketball. Die Geschichte, wie Du zum Basketball gekommen bist, klingt sehr kurios…
Nick Schneiders: Ja, das stimmt. Mit meinen Eltern war ich 2003 an der Westküste der USA im Urlaub. Da haben mich viele Leute auf meine Größe angesprochen. Natürlich kam schnell die Frage auf, ob ich Basketball spiele. Zurück in Deutschland wollte ich das Spiel mit dem orangenen Leder erstmalig in meinem Leben ausprobieren. Der nächste Basketballverein in der Nähe meines Heimatortes Rietberg war der DJK Rheda, der damals in der 2. Regionalliga spielte. Nachdem ich auf den Anrufbeantworter des Vereins gesprochen hatte, riefen mich gleich drei Vereinsoffizielle zurück.

Du bist also als zunächst in der 2. Regionalliga auf Körbejagd gegangen?
Nick Schneiders: Im letzten Saisonspiel kam ich in den letzten drei Angriffen zum Einsatz. Das Trikot war viel zu klein, ein Korb ist mir auch nicht gelungen. Wir sind zudem in die Oberliga abgestiegen. Ich absolvierte anschließend mein Freiwilliges Soziales Jahr und konnte so überhaupt nur wenige Spiele mitmachen.

Das klingt ja nicht gerade nach einer bevorstehenden Profikarriere…
Nick Schneiders: (lacht) Aber ich wollte gerne in den USA studieren und habe einige Basketball-Videotapes von mir an Colleges und Universitäten verschickt. Eddie Payne, der Trainer der University of South Carolina Upstate, war gerade in Italien im Urlaub. Er hat sich ein Auto gemietet und ist zu uns nach Hause gekommen. In der Sporthalle in Rheda hat er mit mir trainiert – und mir daraufhin ein Stipendium angeboten. Das war schon ziemlich verrückt.

Und es ging schnell aufwärts…
Nick Schneiders: Obwohl ich im ersten Jahr nur trainiert habe, kann man es so bewerten. In meinem Abschlussjahr in der NCAA 1 kam ich für USC Upstate auf einen Punkteschnitt von 12,8 pro Partie, habe 6,8 Rebounds geholt und drei Blockshots verbucht.

Weißt Du eigentlich, dass Du mit über 2,20 Meter in die Fußstapfen so bekannter ehemaliger Nationalspieler wie Gunther Behnke, Rolf Mayr und Sascha Hupmann trittst, die in den 90er Jahren die Riesen unter den Körben in der Beko BBL waren?
Bibo Mayr habe ich 2004 sogar mal persönlich kennengelernt, als mich Süddeutsche TV nach Köln eingeladen hat, um eine Reportage für den Sender Vox zu machen. Auf einer Große-Menschen-Partie haben Rolf und ich uns einige Minuten unterhalten, uns aber kaum verstanden, weil es so laut war.

Als besonders großer Mensch hast Du bestimmt Probleme beim Reisen mit dem Flugzeug oder Auto?
Nick Schneiders: Fliegen bereit mir wirklich keine Freude. In der kurzen College-Basketball-Saison sitzt man alle paar Tage im Flugzeug. In normalen Sitzreihen der Economy-Class kommt keine Stewardess mit dem Wagen durch den Mittelgang, wenn ich außen sitze. Aber ich muss sagen: Die Airlines bieten mir beim Einchecken von sich aus immer gleich einen Platz am Notausgang an, oder aber ich darf als Upgrade in die Business Class. Der Service klappt wunderbar. Die Phantoms haben mir einen Volkswagen Golf Plus gegeben, darin kann ich wunderbar sitzen.

Und wie sieht es mit Hotelbetten und den richtigen Anziehsachen aus?
Nick Schneiders: Die Bettenlänge ist in den USA weniger ein Problem als in Deutschland. Die Amerikaner bevorzugen generell große, breite Betten in Queens-Size. Da kann ich bequem drin liegen, wenn es sein muss auch quer. In Europa gibt es ab und zu Probleme beim Schlafen. (lacht) Dann stelle ich häufiger mal einen Stuhl ans Fußende oder die Füße ragen einfach über das Bett hinaus. Das geht schließlich auch. Hosen, Schuhe und Jacken kaufe ich in Rietberg. Obwohl der Ort sehr klein ist, gibt es dort überraschend einen Laden mit Übergrößen. Sogar in meiner Größe.

Sicherlich kommt es häufiger vor, dass die Menschen im Alltag hinter Dir her gucken oder Dich ansprechen. Gibt es einen Unterschied zwischen Deutschland und den USA im Umgang mit großen Menschen?
Nick Schneiders: Für die Amerikaner bedeutet Größe automatisch Ruhm, Reichtum und Erfolg. Sie assoziieren mit meiner Körperlänge, dass ich ein Basketballspieler bin. Kinder und Erwachsene in den USA finden lange Menschen toll und sprechen einen gerne nett und sehr häufig auf der Straße an. In Deutschland blicken sie dir eher still hinterher oder zeigen auch mal mit dem Finger auf Dich. Dies nervt vor allem meine Freundin (Anmerk.: Nicks amerikanische Freundin heißt Angela. Sie ist 1,78 Meter groß und spielte Basketball in der Highschool).

Deine Familie zählt zu den Größten Deutschlands. Dein Vater misst 2,05 Meter, Deine Mutter stattliche 1,88 Meter und Deine beiden Brüder sind als Zwillinge beide 2,11 Meter groß. Gab es ein Jahr, indem Du besonders viel gewachsen bist?
Nick Schneiders: Nein, ich bin relativ kontinuierlich in die Höhe geschossen. Es gibt ein Bild aus meiner Kindergartenzeit, da bin ich so groß wie die Erzieherin meiner Gruppe. Bei meiner Einschulung in der Realschule war ich länger als der größte Zehntklässler – nach seiner Abschlussprüfung.

Die USA ist das Land der Auszeichnungen und Preise. Du gehörst zu den besten Uniabsolventen in der Kombination Basketball/Studium überhaupt. Du hast Grafik Design mit der sehr guten amerikanischen Note 3,7 abgeschlossen. Wie sehen Deine Pläne nach der Basketballkarriere aus?
Nick Schneiders: Ich liebe es, im Printbereich Layouts zu entwickeln und Logos zu entwerfen. Mein Traum wäre es, nach dem Basketball eine eigene Agentur zu gründen. Aber das hat noch Zeit. Erst einmal konzentriere ich mich auf das Basketballspielen in der Beko BBL.

Nun ging es hauptsächlich um Deine Körpergröße, zum Abschluss daher die Frage. Ist die Körperlänge von 2,21 Meter für Dich Vorteil oder Hypothek?
Nick Schneiders: Vorteil! Ich habe gelernt, ein positiver Mensch zu sein und überlege nicht, was es bedeuten würde, wenn ich kleiner wäre. Ich bin sehr groß, und das ist auch gut so. Meine 2,21 Meter sind einzig und alleine der Grund, warum ich bei den New Yorker Phantoms Basketball spiele. Und das bewerte ich als sehr positiv.


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