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Tim Schwartz hat heute sein letztes Basketballspiel bestritten und wird Lehrer. Foto: Robert Kagelmann

Tim Schwartz hängt die Basketballschuhe an den Nagel

01.05.2018

Am Dienstag gegen 17.00 Uhr war es soweit. Etwa um diese Uhrzeit endete das letzte Saisonspiel unserer Löwen gegen die BG Göttingen und gleichzeitig das letzte Spiel, das Kapitän Tim Schwartz für uns bestritten hat. Der sympathische 30-Jährige beendet aufgrund seiner zukünftigen Familienplanung seine Basketball-Karriere und wird Lehrer.


„Es ist ein positiver Schritt für mich, der schon lange geplant war. Ich wollte schon vor vielen Jahren Lehrer werden und möchte jetzt auch bei meiner Frau sein. Es fühlt sich einfach nach dem richtigen Zeitpunkt an, wenngleich ich meine Basketballkarriere und vor allem die letzten zwei Jahre in Braunschweig sehr genossen habe“, sagt Tim Schwartz über seine Entscheidung.

Der Pfälzer hat in seiner Karriere fünf Spielzeiten in der BBL verbracht und insgesamt 125 Partien bestritten. Nach seinen Erstliga-Engagements in Gießen, Quakenbrück und Crailsheim trug er seit dem Sommer 2016 das Löwen-Trikot und hat sich schnell in die Herzen der Fans gespielt. In der sportlich schwierigen letzten Saison 2016/17 drehte Tim Schwartz zum Ende hin mit Top-Leistungen auf, kam schlussendlich auf 4,8 Punkte im Schnitt bei 38-prozentiger Dreierquote. Aber er war als Kapitän auch der Fels in der Brandung und gab der Mannschaft ganz viel Halt.

In dieser Spielzeit wurde seine Rolle auf dem Parkett etwas kleiner, was nichts an der Wichtigkeit des Small Forwards für das Team änderte. „Tim ist für mich ein ganz besonderer Mensch, der maßgeblichen Anteil daran hat, dass wir unsere Ziele in den vergangenen zwei Jahren erreichen konnten. Tims Rolle kann man nur schwer mit Worten beschreiben. Er ist immer mit gutem Beispiel vorangegangen, war immer für die Jungs da und ihr Ansprechpartner. Er wird aufgrund seiner menschlichen Qualitäten und seiner professionellen Einstellung nur sehr schwer zu ersetzen sein“, so unser Trainer und -Sportdirektor Frank Menz über den Löwen-Kapitän.

Nicht nur Frank Menz, sondern dem ganzen Löwen-Rudel wird Tim Schwartz fehlen. So sagt auch Geschäftsführer Sebastian Schmidt: „Ich habe jetzt nur eine Saison zusammen mit Tim verbracht, aber schnell gemerkt, wie wichtig er für das Team war. Er ist ein Vorzeigeprofi gewesen und hat das Herz am rechten Fleck. Wir können stolz sein, ihn als Kapitän gehabt zu haben und wünschen ihm und seiner Frau für die Zukunft alles Beste.“

Tim Schwartz wird Braunschweig aber dennoch ein bisschen erhalten bleiben, denn er hat regelmäßige Besuche angekündigt. Was der 30-Jährige darüber hinaus über seine Zeit in Braunschweig und seine Karriereende gesagt hat, steht im nachfolgenden Interview.


Tim Schwartz im Interview:

„Ich werde in Zukunft einer der größten Löwen-Fans sein“

Jetzt, wo dein Karriereende feststeht und du voraussichtlich ein Referendariat beginnen wirst, lass uns mal kurz über die Anfänge deiner Karriere reden. Stand für dich schon früh fest, dass du Basketball-Profi werden wolltest?

Tim Schwartz:
Nein, gar nicht. Eigentlich wollte ich kein Basketball-Profi werden. Eigentlich wollte ich nur in Kaiserslautern mit den Jungs trainieren, aber vor allem studieren und Lehrer werden. Irgendwann ist das jedoch gekippt. Da ist die Priorität vom Studium auf Basketball umgeschwenkt, weil ich gemerkt habe, dass ich gar nicht so schlecht bin und ein bisschen was kann. Rückblickend bin ich aber trotzdem froh, dass ich weiterhin studiert habe. Das geschah auch mit ein bisschen Druck meiner jetzigen Frau, damals noch Freundin, die mich weiter dazu angetrieben hat.

Basketball und Studium miteinander zu verbinden, ist mittlerweile durch die Möglichkeit des Fernstudiums üblich geworden. Doch bei dir war es kein Fernstudium?

Richtig, das Lehramt-Studium ist ein Präsenzstudium und es war wirklich hart, das parallel zum Basketball durchzuziehen. Ich war insgesamt an sechs Universitäten und habe letztendlich in Gießen meinen Abschluss gemacht. Nach meinem ersten Vereinswechsel von Kaiserslautern nach Gießen habe ich die Uni komplett gewechselt. Das war aber mit viel Aufwand und Punktverlusten verbunden. Denn die Unis erkennen dir bei einem Wechsel nicht alles zuvor Geleistete an. Daraufhin hatte ich mich entschieden, mich als Zweithörer an den Standorten einzuschreiben, an denen ich gerade gespielt habe. Dort habe ich über die Saison ein, zwei Uni-Kurse belegt, die ich mir in Gießen an der Uni als Haupthörer habe anrechnen lassen. Im Sommer in Gießen habe ich dann aber immer Vollgas gegeben.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Du hast dein Studium 2015 beendet, hast dich aber entschieden, weiterhin Basketball zu spielen.

Damals stand schon die Frage im Raum, ob ich noch ein Jahr spiele oder bereits aufhöre. Doch dann kam das Angebot aus Braunschweig, und das hat mich gekitzelt. Ich wusste genau, dass ich in der BBL spielen kann. Ich hatte bis dahin zwar schon drei BBL-Saisons gespielt, aber die erste in Gießen war nur am Ende erfolgreich. Dann hatte ich eine zeitlang wieder in der ProA gespielt, ehe ich die Möglichkeit in Quakenbrück bekam, mal im Eurocup dabei zu sein. Aber bei den Dragons war von vorneherein klar, dass ich elfter oder zwölfter Mann sein und nur bei Verletzungssorgen spielen würde. Danach ging ich nach Crailsheim. Dort habe ich keine richtige Chance bekommen, obwohl ich sie meiner Meinung nach verdient gehabt hätte. Und dann kam Braunschweig und Frank (Menz) hat gesagt „Du verdienst hier vielleicht nicht ganz so viel, aber du kannst spielen.“ Dann habe ich hin und her überlegt und zum Glück hat meine Frau gesagt: „Du bist im Kopf noch nicht fertig mit deiner Karriere und bist es dir selbst schuldig, dass du nochmal in der BBL spielst.“

Nach der vergangenen Saison hattest du erneut mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören und endlich Lehrer zu werden. Allerdings hast du dich für ein zweites Jahr bei den Löwen entschieden. Wieso?

Zunächst einmal hatte ich einen 1+1-Vertrag. Aber natürlich war ein Grund für mein Weitermachen das tolle Saisonende, das wirklich bombastisch war. Sowohl für mich persönlich, als auch in Bezug auf das Team. Ich hatte zuerst überlegt, nach meinem ersten Jahr in Braunschweig einen Referendariatsplatz zu bekommen. Ich wurde aber nicht im ersten Durchgang gezogen und dann war die Saison eben auch einfach toll für mich. Daher war es im beiderseitigen Interesse, das zweite Jahr dranzuhängen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich hier zwei Jahre als Kapitän fungieren konnte und das in meine Vita schreiben kann. Und auch wenn es in dieser Saison von der Spielzeit her etwas schwierig für mich gewesen ist, so bin ich Frank sehr dankbar dafür, dass er mir vertraut hat. Er hat mir letzte Saison immer gesagt, dass ich auf diesem Niveau spielen kann und ein guter BBL-Spieler bin. Ich bin froh, dass ich das letztes Jahr zeigen und mir selbst beweisen konnte. Und Frank ist schon ein Grund dafür, dass das überhaupt möglich war.

Wie hast du die zwei Jahre in Braunschweig denn grundsätzlich erlebt – auch abseits des Parketts?

Klasse, ich bin wirklich begeistert. Fans, Stadt, Umfeld, Office – alles ist hier wirklich super und auf einem sehr hohen Niveau. All das hat es mir sehr einfach gemacht, hier zu leben, zu spielen, mich wohlzufühlen und auch abends mal wegzugehen. Die Stadt hat viel zu bieten. Und wenn Braunschweig bei mir zu Hause um die Ecke wäre, dann würde ich hier noch fünf weitere Jahre spielen.

Wenn es dir in Braunschweig so gut gefällt, warum hast du nicht in Betracht gezogen, doch noch weiterzuspielen und euren Lebensmittelpunkt für ein paar weitere Jahre hierher zu verlegen?

Viele fragen tatsächlich, warum ich jetzt schon aufhöre – im besten Basketballalter. Und manche fragen auch, warum meine Frau nicht hier bei mir ist? Aber ich bin da ganz ehrlich: Es ist einfach so, dass ich als durchschnittlicher deutscher BBL-Spieler zu wenig verdiene, um meiner Frau zu sagen, dass sie für ein, zwei weitere Jahre meiner Karriere hierherkommen und ihren guten Job aufgeben soll. Das ist uns beiden für die Zukunftsplanung zu unsicher. Aber wir wollen jetzt auch mehr gemeinsame Zeit verbringen und uns nicht mehr nur sporadisch an den Wochenenden sehen. Deshalb ist es schade, dass Braunschweig so weit von unserer Heimat entfernt ist – aber ich blicke mit Freude auf die Zeit nach dem Basketball. Das ist für mich ein positiver Schritt, zumal der Lehrerberuf auch sehr spannend für mich wird.

Das heißt, du gehst mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge?

Genau so kann man das ausdrücken. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich hier noch einmal die zwei Jahre gespielt habe und für mich persönlich so einen schönen Abschluss hatte. Ich freue mich auf der anderen Seite aber auch auf meine neue berufliche Herausforderung, das Familienleben und darauf, Freunde am Wochenende zu treffen. Letztgenannte sind Dinge, die über die Karriere hinweg zu kurz kommen und auf die ich mich jetzt richtig freue.

Du hast gerade das Thema „Freunde“ angesprochen. Du hast hier über die vergangenen zwei Jahre auch Freundschaften geschlossen. Es war mal der Satz gefallen, dass du hier mit Thomas Klepeisz „einen Freund fürs Leben“ gefunden hast.

Ja, das stimmt. Das ist auch ein Grund, weshalb Basketball wiederum so toll ist. Du lernst viele Menschen kennen, hast über die Karriere gesehen viele Mitspieler und natürlich sind das in erster Linie Arbeitskollegen. Aber manchmal entstehen aus Arbeitskollegen auch richtige Freunde. Ich hatte bei vorherigen Stationen auch ein, zwei Freunde gewonnen, mit denen ich noch eng verbunden bin. Und Tommy ist auf jeden Fall ein Freund, mit dem es noch enger ist. Es harmoniert sehr gut zwischen uns und wir verstehen uns einfach verdammt gut. Meine Frau und ich werden ihn im Sommer auch besuchen und fahren erstmal nach Güssing, in seinen Heimatort. Da will ich auf jeden Fall die Burg sehen (lacht) und freue ich mich jetzt schon total darauf. Es ist schön, das so etwas durch Basketball entstehen kann und dafür kann man sehr dankbar sein.

Darf man sich denn darauf freuen, dich in Zukunft das ein oder andere Mal in Braunschweig als Zuschauer begrüßen zu dürfen?

Auf jeden Fall. Ich werde in Zukunft einer der größten Löwen-Fans sein. Ich werde natürlich auch zu den Spielen kommen, mal ein Wochenende hier verbringen, vielleicht auch bei den Jungs übernachten. Aber ich werde bestimmt auch da sein, wenn die Löwen in Frankfurt, Tübingen oder Ludwigsburg spielen. Vielleicht ziehe ich mir dann mein Trikot an und schleiche mich auf die Bank (lacht).

Vielen Dank, Tim und alles Gute für die Zukunft.



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