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Foto: Robert Kagelmann

„Wir haben bei weitem alle Erwartungen übertroffen“

24.04.2018

Die Saison 2017/18 biegt stark auf die Zielgerade ein. Zeit, um ein Fazit der Saison zu ziehen und einen kleinen Blick in die Zukunft zu werfen. Das hat Headcoach Frank Menz im Interview in der letzten REBOUND-Ausgabe zum Spiel gegen Berlin getan und unter anderem über die Gründe der erfolgreichen Saison sowie die zukünftige Kaderplanung gesprochen.


Die Saison neigt sich rasant dem Ende zu. Schwingt bei dir ein bisschen Wehmut mit, dass sie bald vorbei ist?

Frank Menz: Sicherlich haben wir bislang eine überragende Saison gespielt und deutlich über den Erwartungen performt. Es waren meiner Meinung nach nicht nur die Siege, die toll waren, sondern auch die Art und Weise wie wir gespielt und uns als Mannschaft entwickelt haben. Dennoch bin ich nicht wehmütig, dass all das demnächst endet. Vielmehr bin ich gedanklich schon bei der kommenden Saison und Kaderzusammenstellung. Wir wollen versuchen, einen Teil des Kaders zusammenzuhalten und uns hoffentlich gezielt zu verstärken. Allerdings sind die Planungen unmittelbar abhängig von unserem Team-Etat. Hier erhoffe und erwarte ich eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den beiden vorangegangen Saisons, damit wir sportlich wettbewerbsfähig sind.

Hättest du zu Saisonbeginn erwartet, dass die Spielzeit so positiv verläuft?

Definitiv nicht. Denn das Team war schon ein bisschen eine Wundertüte. Mit Scott Eatherton kam lediglich ein Spieler aus einer guten BBL-Saison zu uns. Mit Zygimantas Janavicius konnten wir zwar einen Point Guard mit europäischer Erfahrung verpflichten, der aber noch nie für ein Team außerhalb Litauens gespielt hat. Bei Tommy (Klepeisz) wussten wir, dass er Entwicklungspotenzial hat und für Bazou Koné war es im Prinzip die erste richtige BBL-Saison. DeAndre Lansdowne kam aus der ProA zu uns und Anthony Morse hatte bis dato kaum Chancen in Europa erhalten – bei beiden mussten wir gucken, wie sie sich auf BBL-Niveau entwickeln. Dementsprechend war auch der Klassenerhalt das erste Ziel, aber wir haben bei weitem alle Erwartungen übertroffen. Als Team haben wir einen super Job gemacht und einige Spieler wie Scott und Dre haben richtig eingeschlagen, weshalb schlussendlich vieles so gut gelaufen ist.

Welche Gründe machst du ausschlaggebend für die erfolgreiche Saison?

In erster Linie haben wir von Beginn an sehr gut gearbeitet. Aber ich habe beim Rekrutieren auch mehr auf die Athletik geachtet und darauf, dass wir Spielertypen haben, die den Ball gut bewegen. Wir haben ebenso wie letzte Saison tolle Typen in der Mannschaft, was extrem hilfreich für eine gute Teamchemie war und ist. Aber auch die Arbeitsmoral hat von Anfang an gepasst. Die Jungs waren immer bereit, hart zu arbeiten und was extra zu machen – und ich denke, das hat uns als Team auch ausgezeichnet. Nicht zuletzt haben wir auch ein erstklassiges Team um die Mannschaft herum gebaut. Die Erfahrung und Qualität des Trainerstabs um Steven Clauss, Liviu Calin und unseren Athletiktrainer Uli Bode sowie die gute medizinische Abteilung und unsere Organisation haben ebenfalls einen großen Anteil an dieser erfolgreichen Saison.

Wie du eben sagtest, hast du viel Wert auf eine gute Ballbewegung gelegt. Mit Zygi Janavicius stand ein Pass-First-Guard auf der Aufbauposition, der wie gemacht für diese Spielphilosophie war. Geht die Kaderplanung in der kommenden Saison wieder in diese Richtung?

Wenn ich mir etwas wünschen kann, dann natürlich Spieler, die bereits ein paar Jahre in Europa gespielt haben und verstehen, was ich will. Das ist aber abhängig von unserem Teambudget. Denn zum Beispiel Guards, die athletisch sind, sich den Wurf kreieren und europäisch spielen können, haben ihren Preis. Zygi und Tommy spielen beide sehr mannschaftsdienlich und haben sehr gut das umgesetzt, was ich von ihnen gefordert habe. Letzte Saison brauchten wir eher Guards, die punkten können. Aber grundsätzlich war unsere diesjährige, eher „europäische“ Ausrichtung mit einem Pass-First-Guard besser und auch erfolgreicher. Daher würde ich auch gerne weiterhin so spielen lassen.

Über die Saison gesehen lag viel Scoring-Verantwortung auf Scott Eatherton und DeAndre Lansdowne. Siehst du hier einen Punkt, den man bei der neuen Kaderplanung angehen muss?

Dre und Scott haben von unserer mannschaftsdienlichen Spielweise profitiert, viel Verantwortung erhalten und sich auch deshalb gut entwickeln können. Grundsätzlich wäre es natürlich gut, noch weitere Scorer im Team zu haben. Wir brauchen Spieler, die über BBL-Athletik verfügen und sich bei uns weiterentwickeln wollen. Aber die müssen für unser Geld erstmal gefunden werden.

Jetzt haben wir ein wenig über das Profil von möglichen neuen Spielern gesprochen. Aber wie sieht es mit den diesjährigen Akteuren und weiteren Verlängerungen aus?

Mit Scott und Dre haben wir bereits zwei Leistungsträger an uns gebunden und das ist zum jetzigen Zeitpunkt großartig. Ich habe aber auch immer gesagt, dass ich hier etwas aufbauen und Kontinuität schaffen möchte. Daher ist das Ziel, noch weitere Spieler des aktuellen Kader zu verlängern. Wenn es uns gelingt, sechs bis acht Spieler aus dieser Saison in die kommende mitzunehmen, dann haben wir schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Du hast vergangenen Sommer gesagt, dass es dir aufgrund der guten Entwicklung manch eines Spielers in der letzten Saison (z.B. Dyshawn Pierre oder Geoffrey Groselle) möglich war, Spieler wie Scott Eatherton nach Braunschweig zu locken. Verspürst du durch die nun erfolgreiche Saison ein noch größeres Interesse von Spielern bzw. deren Agenten nach Braunschweig zu kommen?

Ja, ich erhalte ganz viel positives Feedback und die Agenten bieten mir jetzt Spieler an, die sie vergangene Saison nicht angeboten haben. Sie schätzen Wert, wie sich die Spieler hier entwickeln und dementsprechend könnte das Rekrutieren auch einfacher laufen. Aber es bleibt bei einem „könnte“. Denn nach wie vor ist alles vom Geld abhängig und auch wenn Spieler bei uns den nächsten Schritt machen können, wollen sie ein entsprechendes Gehalt. Für uns heißt es daher gegenwärtig, dass wir erst einmal unseren Etat abwarten müssen und dann sehen wir weiter.

Kommen wir zur letzten Frage: ALBA BERLIN hat in dieser Saison extrem überrascht. Gehst du damit konform oder welche anderen Teams haben dich in dieser Saison positiv überrascht?

Es gibt einige Teams, die eine tolle Saison spielen. ALBA ist da auf jeden Fall zu nennen. Die spielen eine überragende Saison und es ist schon verblüffend, wie stabil sie auftreten. Aber auch Ludwigsburg spielt eine exzellente Saison, nicht nur national sondern auch international, wo sie jetzt im Final Four der Champions League stehen. Bayreuth und Gießen dürfen sicherlich auch genannt werden. Wobei man bei Gießen nicht außer Acht lassen darf, dass ihnen mit der Verpflichtung von John Bryant ein Glücksgriff gelungen ist, der sie durch seine Qualität nach oben katapultiert hat. Ich denke aber, die größte Überraschung der Saison sind wir selbst (lacht).

Danke, Frank.


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