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Coach's Corner - von Sean McCaw

09.05.2014

Für die Junior Phantoms U19 ist die Saison nicht nach Plan verlaufen und nun steht die Qualifikation (21./22. Juni) für die kommende NBBL-Saison auf dem Programm. Doch bevor es zur Quali kommt, blickt Coach Sean McCaw im heutigen Coaches Corner auf die Saison zurück.


Hallo an alle,

obwohl der Schmerz über die Niederlage in der zweiten Playdown-Runde immer noch schwer auf meinem Herzen liegt, möchte ich abschließend dennoch einen Rückblick zu meiner ersten Saison in Braunschweig geben.

Ich hatte letzten Sommer maximal fünf Trainingseinheiten mit dem Team, bevor es in die Qualifikation gehen musste, weil ich selber noch immer in Cuxhaven lebte und gerade zehn Tage vor der Qualifikation von den New Yorker Phantoms eingestellt wurde. Es bestand damals also ein gewisses Risiko, weil ich Spieler coachen musste, die ich noch nicht wirklich kannte. Glücklicherweise gewannen wir alle drei Spiele und qualifizierten uns verhältnismäßig leicht für die NBBL-Saison. Zu diesem Zeitpunkt stand das komplette Team zur Verfügung und alle waren gesund, weshalb es einfach war, die Mannschaft zu coachen. Ich hatte damals den Eindruck, dass das Team SEHR talentiert war und ich konnte nicht verstehen, wie es in der Qualifikation landen konnte. Ich glaube, wenn nicht ich sondern jemand anders eingestellt worden wäre, so hätte auch diese Person die Mannschaft problemlos durch die Qualifikation geführt.

Nach der Qualifikation und nachdem ich die Mannschaft und ihre Stärken wie auch Schwächen kennengelernt hatte sowie beurteilen konnte, war ich sehr zuversichtlich, dass wir mit ihr um die Playoffs spielen könnten, und das auch unser Ziel sein sollte. Nicht jedes Team sollte sich ein so hohes Ziel stecken. Aber ich fühlte, dass es mit unserem Talent-Level schon ein realistisches Ziel war.

Die Saison begann mit einer 13-Punkte-Niederlage gegen ein sehr gutes ALBA-Team in Berlin. Nach diesem Spiel war mir klar, dass ALBA um den Titel kämpfen würde, und sie spielen jetzt auch im NBBL Final Four.

Danach folgten zwei Siege in Folge gegen Bremerhaven (die am Ende auf dem 5. Platz landeten) und Vechta, die neu in der NBBL waren.

Unser viertes Spiel war dann eine Niederlage zu Hause, die wir durch einen Buzzerbeater von DBV/TuSLi Berlin erlitten haben. Für mich war diese Niederlage eine der härtesten in dieser Saison. Ich glaubte damals, dass, wenn wir die Playoffs verpassen sollten, dieses Spiel dafür verantwortlich sein könnte – zumal wir es bis ins letzte Viertel dominiert hatten.

Im Anschluss haben wir zwei gute Spiele in Folge gegen Neustadt und Hamburg gewonnen (Hamburg hat die Playoffs erreicht und ist im 3. Spiel der zweiten Runde ausgeschieden), bevor wir in einem engen Spiel in Oldenburg verloren. Dieses Spiel war eines der wenigen in dieser Saison, in dem ich mich über die Schiedsrichterentscheidungen beklagt hatte. Diejenigen, die das Spiel in Oldenburg gesehen haben, werden sicherlich verstehen, was ich meine.

Der 22. Dezember ist aber das Datum, das ich nie vergessen werde, wenn ich an die Saison zurückdenke. An diesem Tag gelang uns der höchste Sieg der Saison, und er war gleichzeitig der letzte Tag, an dem wir als komplettes Team angetreten waren. Wir schlugen IBBA Berlin (das gleiche Team, das uns nun in den Playdowns besiegt hat) mit einer Differenz von 49 Punkten. Später dachte ich mir, dass dieses Spiel der Durchbruch war, auf den ich die ganze Saison bei uns gewartet hatte und durch den wir endlich unser eigenes Potenzial erkennen würden. Mir war zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht richtig klar, dass Armins Knöchelverletzung, die ihn für acht Spiele außer Gefecht setzte, der Beginn einer schweren Verletzungsmisere war!

Bis zu dem Zeitpunkt als wir am 5. Januar zu Hause gegen ALBA Berlin verloren, sollte unser Team nicht mehr das Gleiche sein. Ole konnte nicht gegen ALBA spielen und fehlte uns für insgesamt weitere fünf Spiele. In der Woche darauf fuhren wir mit nur acht Spielern nach Bremerhaven. Armin und Ole konnten nicht spielen, Lukas sollte den Rest der Saison wegen einer Rückenverletzung ausfallen, und sowohl Andrej wie auch Felix setzten wegen einer Knöchelverletzung aus, die sie sich im Training unter der Woche zugezogen hatten. Es wurde noch schlimmer dadurch, dass Jan-Niklas sich während des Bremerhaven-Spiels verletzt hatte und ebenfalls für die nächsten sieben Spiele mit einer Knöchelverletzung ausfallen sollte!

Nach dem Bremerhaven-Spiel konnten wir nie wieder einen Rhythmus oder gar eine beständige Formation finden, was dazu geführt hat, dass wir nur eins von unseren insgesamt acht Rückrundenspielen gewinnen konnten. Nach einem so vielversprechenden Start war es schwer mit anzusehen, wie wir auseinander gefallen sind, und ich mir bin sicher, dass es auch für die Spieler mehr als hart war.

Wie gesagt, wegen der Verletzungen konnten wir als Team nie wieder einen Rhythmus finden. Meiner Meinung nach war unser erster Playdownrunden-Gegner Hagen eine bessere Mannschaft als wir. Und ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass wenn sie in unserer Division gespielte hätten, sie ein Playoff-Team gewesen wären. Gegen IBBA in der zweiten Runde der Playdowns zu verlieren, war für mich hingegen besonders schwierig. Denn ich dachte, dass wir das bessere Team wären. Ja, die Ausfälle in dieser Serie von Steffen und Felix haben uns weh getan. Aber ich würde nie Verletzungen alleine dafür verantwortlich machen, dass man verliert.

Ich werde immer zuerst mit dem Finger auf mich zeigen, bevor ich ihn auf meine Spieler richte. Und am Ende ist es in der Regel die Schuld des Trainers. So ist es nun einmal und ich akzeptiere das. Es ist Teil des Jobs. Es mag vielleicht nicht immer fair sein, aber ich habe den besten Job der Welt und dazu gehört auch, ihn mit den Höhen und Tiefen zu nehmen, die mit Sieg und Niederlage einhergehen. Habe ich Druck auf mich selbst und auf das Team ausgeübt? Ja. Haben wir unser Ziel erreicht, in die Playoffs zu kommen oder den Klassenerhalt zu schaffen? Nein. Aber ich würde dennoch das Gleiche sagen, denn es ist das, woran ich glaubte!

Ich möchte allen Spieler dafür danken, dass sie alles gegeben haben, obwohl ich sehr anspruchsvoll sein kann. Ich möchte auch allen Spielern des Jahrgangs '95 danken und ihnen alles Gute und viel Glück auf ihrer Basketball-Reise, aber vor allem auf ihrer Lebensreise wünschen. Wenn es etwas geben sollte, bei dem ich helfen kann, so lasst es mich wissen.

Für die Spieler der Jahrgänge '96 und '97 gilt, dass wir alle wissen, wie unsere nächste Herausforderung aussieht – also lasst es uns zusammen anpacken!

Ebenso möchte ich meinen Assistant Coaches in dieser Saison (Jan und Lennart) dafür danken, dass sie mich ausgehalten und alle meine Entscheidungen unterstützt haben – auch wenn sie vielleicht von Zeit zu Zeit dachten, dass ich ein kompletter Idiot bin.

Als nächstes möchte ich den Eltern aller Spieler danken. Vielen Dank fürs Fahren, für die Unterstützung und fürs Zuhören, wenn Ihr Kind nach Hause kam und sich über dies und jenes beschwerte. Wenngleich ich nicht zu allen von Ihnen viel persönlichen Kontakt hatte, so kann ich dennoch nachvollziehen, was es bedeutet, unterstützende Eltern eines Kindes zu sein, das in einem leistungsorientierten Team spielt.

Und schließlich danke ich meiner Familie, die mich nach Niederlagen mit meiner schlechten Laune ausgehalten hat, und ebenso für die langen Fahrten, die verpassten Events, und alles andere, was mit meinem Leben als Trainer zu tun hat, Verständnis hatte. Aber natürlich werde ich das nach jeder weiteren Saison auch wieder sagen müssen.

Das Wichtigste ist jetzt, dass wir in die Zukunft blicken. Und das werde ich in meinem nächsten Coaches Corner irgendwann vor der Qualifikationsrunde am 21. und 22. Juni tun.


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